Landgericht Stuttgart: Ungewöhnlicher Fall Ein Banküberfall als „Witz“

Der Beschuldigte hat die Mitarbeiter einer Bank in der Klett-Passage mit einem Zettel schockiert. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Der Beschuldigte hat die Mitarbeiter einer Bank in der Klett-Passage mit einem Zettel schockiert. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ein 45-jähriger Mann hat die Mitarbeiter in einer Bankfiliale in Stuttgart in Angst und Schrecken versetzt. Er sagt, es sei nur ein Witz gewesen.

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Stuttgart - Es ist der 18. Oktober vorigen Jahres. Ein Mann kommt um 15.50 Uhr in eine Bankfiliale in der Klettpassage. Er legt einer Mitarbeiterin einen gefalteten Zettel auf den Tresen und verlässt die Bank wortlos. Die Mitarbeiterin liest: „Das ist ein Banküberfall. Ich komme in fünf Minuten wieder, alles Geld raus, sonst schieße ich.“ Unterzeichnet ist die Nachricht mit einem Vor- und Familiennamen.

Der Filialleiter alarmiert die Polizei und schließt die Bank. Unterdessen steht der Täter an einem Fahrkartenautomat und schaut sich den Aufmarsch der Polizei an. Er selbst wird zufällig von Beamten kontrolliert. Doch die Polizisten schicken ihn weg, weil sie zu dem angeblichen Banküberfall gerufen werden. Der 45-Jährige fährt nach Stuttgart-Wangen, wo er ein Zimmer hat. Nur wenig später nimmt die Polizei ihn fest. Er hatte den Zettel tatsächlich mit seinem eigenen Namen unterschrieben – und der war der Polizei aus früherer Zeit wohlbekannt.

Ein bemitleidenswerter Tunichtgut

„Das war doch nur ein Witz, eine kleine Aktion“, sagt der Beschuldigte vor der 18. Strafkammer des Landgerichts. Er habe ins Gefängnis gewollt, weil er es vor lauter Armut draußen nicht mehr ertragen habe, sagt er. Doch der offenbar an einer paranoiden Schizophrenie leidende Mann wurde bald wieder auf freien Fuß gesetzt. Am 21. Dezember 2016 machte er dann Rabatz in seiner Unterkunft. Er wollte mehr als die zehn Euro, die er täglich ausbezahlt bekommt. Deswegen hielt er einem Sozialarbeiter ein kleines Messer an den Hals. Die Polizei nahm den 45-Jährigen erneut fest.

Wie er das Messer gehalten habe, will die Vorsitzende Richterin wissen. Der Beschuldigte bietet an, es an einem der Berufsrichter zu demonstrieren. Dieser lehnt dankend ab. Der Mann scheint ein bemitleidenswerter Tunichtgut zu sein. Als Kind vom Vater missbraucht, landete er mit sieben Jahren im Kinderheim. Kein Schulabschluss, keine Berufsausbildung. Dafür kennt er sich gut mit Drogen und Alkohol aus. „Ich bin Trinker. Wenn ich rauskomme, trinke ich weiter“, sagt er. Er ist HIV positiv, hat Krebs und Hepatitis. Zu allem Übel ist er psychisch krank. Er höre Stimmen, man wolle ihn umbringen, erzählt er.

Der Mann hört Polizeistimmen

Ein Bier und einen Magenbitter gönne er sich am Tag. Für mehr reiche das Geld nicht. „Sie sagen, sie seien mit dem Zettel in die Bank gegangen, weil Sie ins Gefängnis wollten“, so der Staatsanwalt. Dort gebe es aber kein Bier. „Nein, aber Drogen“, entgegnet der 45-Jährige.




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