Landwirtschaft im Kreis Esslingen Beginn der Spargel- und Erdbeersaison

Markus Eberhardt, Betreiber des Berghofs Deizisau, betrachtet im Folientunnel die ersten roten Erdbeeren. Foto: Roberto Bulgrin

Etwa eineinhalb Wochen nach der Region um den Oberrhein ist auch der Landkreis Esslingen in die Spargel- und Erdbeersaison gestartet. Wie sind die Prognosen der Landwirte?

„Die Natur hat immer ein paar Überraschungen bereit“, sagt Markus Eberhardt, der mit seinem Bruder Christoph zusammen den Berghof Deizisau leitet. Der landwirtschaftliche Betrieb umfasst 60 Hektar an Nutzfläche, darunter auch mehrere Äcker mit Spargel und Erdbeeren. Zwar sei die Pflanzung und Entwicklung der beliebten Saisonpflanzen über das letzte Jahr gut verlaufen, aber jetzt käme es darauf an, wie das Wetter in den kommenden Tagen und Wochen werde, so der Landwirt. Vor allem die Eisheiligen vom 11. bis zum 15. Mai könnten zum Problem werden. In diesen Tagen gibt es nach einer Bauernregel die letzten Frostnächte. Zwar werden die Erdbeeren auf dem Hof mit Vliesfolie abgedeckt, um so die empfindlichen Blüten vor dem Frost zu schützen, dennoch könnten lange und extrem kalte Frostperioden während der Nächte zu einer Gefahr für die Pflanzen werden.

 

Die Spargelsaison geht traditionell bis zum 24. Juni, dem „Johannistag“. Das Ende der Hauptsaison für Erdbeeren liegt Mitte Juli, bestimmte Sorten können aber noch im kleineren Umfang bis in den September hinein geerntet werden. Eberhardt schützt seine Erdbeeren unter anderem mit Folientunneln. Auch Bernhard Bayer, Obst- und Gemüsebauer vom Talhof in Neuhausen auf den Fildern, nutzt Folienhäuser. Diese garantieren durch das milde Klima im Inneren, dass auch bei extremerem Wetter wie Starkregen ein gewisses Maß an Qualität und Ertrag erreicht werden kann. Das Wachstum der Pflanzen im Folientunnel muss trotzdem überwacht werden. Ohne regelmäßiges Lüften kann es zu Pilzbefall kommen, der im schlimmsten Fall die Pflanzen zerstört, sagt Bayer.

Wieder mehr Erntehelfer

Auf die Ernte blicken beide Landwirte beruhigt. Nach Lockerungen und dem anschließenden Wegfall der Einreisebeschränkungen, die aufgrund der Coronapandemie erteilt wurden, sei es wieder einfacher, Helfer für die Erdbeer- und Spargelernte zu finden. Eberhardt erklärt, dass es in Zukunft jedoch vermutlich schwerer werden wird, Helfer für die Ernte zu bekommen. Denn viele würden vermehrt in andere Sektoren wie Bau oder Gebäudereinigung abwandern. Zudem habe sich die wirtschaftliche Lage in den Herkunftsländern wie Polen oder Rumänien über die Jahre verbessert, sodass einige Helfer lieber zu Hause bei ihren Familien bleiben, anstatt mehrere Monate in Deutschland zu verbringen. Maschinen, die die Mitarbeiter ersetzen sollen, würden zwar getestet, jedoch sei es vor allem beim Spargel, bei dem der richtige Erntezeitpunkt auf den Tag genau abgestimmt werden muss, schwierig, so Eberhardt. „Der Versuch zur Automatisierung der Ernte ist da, er steckt aber noch in den Kinderschuhen“, sagt der Landwirt aus Deizisau.

Moderate Preissteigerungen

Neben den erhöhten Kosten für Mitarbeiter durch den gestiegenen Mindestlohn macht den Landwirten im Kreis die hohe Inflation zu schaffen. Die Kosten für Pflege und Ernte der Pflanzen seien um etwa 20 bis 25 Prozent gestiegen, so Eberhardt. Ganz ohne Preisanstieg für den Kunden gehe es nicht, jedoch will Bernhard Bayer die Preise nur im einstelligen Prozentbereich erhöhen. Beide Höfe betreiben hauptsächlich Direktvermarktung, verkaufen ihr Obst und Gemüse im Hofladen oder auf lokalen Wochenmärkten. Bayer hat seine Stammkundschaft und ist sich sicher, dass diese auch weiterhin bei ihm einkaufen wird. „Die Kunden spüren die Qualität“, sagt Bayer. Außerdem würden sie Wert auf kurze Transportwege und frische Produkte legen. Wer schon vorher seine Erdbeeren nur im Supermarkt gekauft habe, werde jetzt nicht plötzlich auf dem Markt einkaufen. Deshalb sieht sich Bayer auch nicht durch Billigobst aus Spanien bedroht. Zwar kostet das halbe Kilo Erdbeeren aus Andalusien im Supermarkt teilweise nur 1,49 Euro, jedoch werden die Beeren aufgrund des langen Transportwegs noch unreif gepflückt und haben laut Bayer dadurch eine geringere Qualität.

Pflanzenschutz durch Nützlingseinsatz

Um eine ertragreiche Saison zu gewährleisten, muss er sich nicht zuletzt um den Schutz der Pflanzen kümmern. Ganz ohne chemische Pflanzenschutzmittel komme er nicht aus, für die Schädlingsbekämpfung in seinen Folienhäusern habe er aber eine besondere Lösung gefunden, so Bayer. Zusammen mit einer Beratungsstelle, die den Hof bei diesem Thema unterstützt und wöchentliche Kontrollen durchführt, hat er ein Konzept erarbeitet, das seit zehn Jahren für ihn funktioniert. Das milde Klima der Folienhäuser ist optimal für Spinnmilben, die sich an den Blättern von Erdbeeren ansiedeln und der Pflanze schaden. Bayer setzt Raubmilben ein, die er im Folienhaus ansiedelt und die dann die Spinnmilben und deren Eier fressen. So wird die Spinnmilbenpopulation ohne Einsatz von chemischen Mitteln klein gehalten.Langfristige Prognosen wollen die beiden Landwirte nicht abgeben. Das Wetter, die Nachfrage und der Ablauf der Ernte sind zu variabel. Bilanz könne erst am Ende der Saison gezogen werden, sagt Eberhardt.

Saisongemüse Spargel

Ernte und Konsum
Spargel ist in Deutschland ein beliebtes Saisongemüse. Der Pro-Kopf-Konsum liegt bei rund 1,5 Kilogramm pro Jahr. Im Jahr 2022 wurden etwa 113 100 Tonnen Spargel in Deutschland geerntet.

Frischer Spargel
Frischen Spargel erkennt man an den geschlossenen Spitzen. Außerdem müssen die Stangen glänzen und fest sein. Ein Tipp: Frische Spargelstangen quietschen leicht, wenn man sie aneinander reibt.

Selbstanbau
Hobbygärtner können Spargelpflanzen auch selbst anbauen. Jungpflanzen können im Handel erworben werden und im April oder Mai gepflanzt werden. Im dritten Jahr kann der Spargel dann das erste Mal geerntet werden.

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