Lasst uns über … Weihnachten reden Das Einmaleins für ein harmonisches Weihnachtsfest

Von Oliviero Lombardi (aufgezeichnet von Sabrina Höbel) 

Schon eine kleine Ungereimtheit kann für viele Paare das Weihnachtsfest ruinieren. Was typische Stolperfallen an den Feiertagen sind und wie man vermeidet, dass es genau am Fest der Liebe zu Streit kommt, erklärt Paartherapeut Oliviero Lombardi.

Wenn Paare sich bei ihren Erwartungen zum Weihnachtsfest einig sind, steht harmonischen Feiertagen (fast) nichts mehr im Weg. Foto: stock.adobe.com/diignat
Wenn Paare sich bei ihren Erwartungen zum Weihnachtsfest einig sind, steht harmonischen Feiertagen (fast) nichts mehr im Weg. Foto: stock.adobe.com/diignat

Stuttgart - Die Geschenke manch eines Partners sind unterm Weihnachtsbaum ganz leicht zu erkennen. Schief und krumm eingewickelt liegen sie da und werden von drei Streifen Tesafilm vor dem Auseinanderfallen bewahrt. Missfällt der besseren Hälfte dann auch noch der Inhalt – ein Garant dafür sind im übrigen Haushaltsgeräte – kann die Weihnachtsstimmung schnell mal kippen.

Viele tun sich diesen Stress gar nicht erst an. Tatsächlich ist es so, dass sich überdurchschnittlich viele Paare kurz vor Weihnachten trennen. Im Alltag überprüft man seltener seine Gefühle, doch wenn das Fest der Liebe vor der Tür steht, überlegen sich viele zwei Mal, ob sie dafür den richtigen Menschen an ihrer Seite haben. An Weihnachten wollen sich aber die wenigsten trennen, deshalb machen sie noch schnell Schluss, bevor es ernst wird.

Unterschiedliche Erwartungen führen zu Konflikten

Geht man nach dem Klischee, ist es oftmals so, dass Frauen eine romantischere Vorstellung vom Weihnachtsfest haben als ihre Partner. Erst neulich hatte ich ein Paar in der Praxis, bei denen der Weihnachtsstress schon sehr früh losging. Die Frau erzählte stolz, dass sie bereits Anfang November alle Weihnachtsgeschenke beisammen hatte. Ihr Mann war geschockt, er hatte auch Mitte Dezember noch kein einziges besorgt, was die Frau total enttäuschte. Das Problem bei diesem Paar sind die unterschiedlichen Erwartungen. Der Mann in dieser Beziehung freut sich viel mehr darauf, an den Feiertagen Zeit mit seiner Frau zu verbringen. Er könnte auch gut auf die Bescherung verzichten, während für die Frau Geschenke zum idealen Fest dazugehören.

Diese Vorstellung vom perfekten Weihnachten hat Gründe. Schauen Sie nur mal die gängigen Weihnachtsfilme an. Da wird die heile Familie gezeigt, Harmonie, ein toller Weihnachtsbaum mit vielen Gaben und Schneeflocken im Hintergrund. Das bildet natürlich oftmals nicht die Realität ab. Heutzutage müssen häufig beide Teile der Beziehung bis zum 24. Dezember arbeiten und haben extrem viel Stress in der Vorweihnachtszeit. Dann an Weihnachten einfach den Schalter umzulegen und ein perfektes Fest mit großartigem Essen zu zaubern ist nicht so einfach.

Streitpunkt Weihnachtsessen

Das Festessen ist übrigens ein weiterer Klassiker für Streit. Oftmals ist es so, dass einer der Partner sich gemütlich auf die Couch legt, während der andere in der Küche wirbelt, um ein tolles Weihnachtsmenü zu kreieren. Aus der Sicht des einen ist alles gut. Seine bessere Hälfte kocht ja offensichtlich gerne und hat Spaß daran, außerdem wäre er ohnehin auch mit Saitenwürstchen und Brot zufrieden gewesen. Für den anderen ist die Situation aber verletzend, weil er sich mehr Engagement vom Partner gewünscht hätte.

Damit es an Weihnachten gar nicht erst zu solchen Unstimmigkeiten kommt, sollten Paare ihre Erwartungen schon vorher abgleichen. Schenken wir uns etwas? Wie viel Geld gibt jeder aus? Kochen wir gemeinsam? Kochen wir überhaupt? Oder fliegen wir dieses Jahr lieber mal weg und entgehen dem ganzen Weihnachtsstress?

Außerdem sollte man überlegen, wo es schon mal zu Spannungen gekommen ist und darüber mit der Partnerin oder dem Partner reden. Eine wichtige Frage für viele Paare ist zum Beispiel, wo sie Weihnachten verbringen. Die wenigsten sind erwachsen genug, die Feiertage bei sich als Paar zu feiern. Stattdessen geht jeder zu seinen Eltern oder man schaut bei den einen oder anderen Eltern im jährlichen Wechsel vorbei.

Unliebsame Traditionen aufbrechen

Wenn man das schon lange nicht mehr aus freiem Willen macht, gibt es drei Strategien. Entweder man ändert seine eigene Einstellung. Das heißt, man ist ganz bewusst, vielleicht sogar übertrieben in der Rolle des Kindes. Man lässt die Eltern bestimmen und arrangiert sich damit, an anderer Stelle zu zeigen, dass man eigentlich längst selbstständig ist. Der andere Weg ist, das Gespräch mit den Eltern zu suchen. Dabei ist wichtig, stets wertschätzend zu sein. So könnte man sagen: „Ihr habt das toll gemacht die letzten Jahre, aber wir würden uns dieses Jahr gerne mal revanchieren und euch zu uns einladen“. Oder, man trifft sich in der Mitte und kooperiert. Eine gute Idee ist zum Beispiel Kochteams zu bilden.

Und wenn es trotz aller Planung doch mal kracht, sollte man versuchen, stur konstruktiv zu bleiben. Die anderen werden dann nach und nach mit ins Boot kommen. Ein gemeinsamer Spaziergang kann auch helfen. Es gibt an Weihnachten hunderte von Möglichkeiten sich zu ärgern. Man ist aber nicht dazu verpflichtet. Und mit der richtigen Einstellung kann man es schaffen, dass einen selbst ein Staubsauger unter dem Weihnachtsbaum nicht aus der Ruhe bringt.

Hier geht es zu Oliviero Lombardis Website.

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