InterviewLebensträume „Ich kann nicht in mein altes Leben zurück“

Julia Behringers Ziel ist es, 2020 mit ihrem Mann auszuwandern. Eigentlich wollte sie schon längst weg sein. Wie kam es dazu? Foto: privat
Julia Behringers Ziel ist es, 2020 mit ihrem Mann auszuwandern. Eigentlich wollte sie schon längst weg sein. Wie kam es dazu? Foto: privat

Die erfolgreiche Finanzmanagerin Julia Behringer hat ihr Leben noch einmal radikal gedreht. Sie erinnerte sich an ihre Träume aus der Kindheit, flog in den Wilden Westen und schrieb ein Buch darüber. Doch das ist noch nicht alles.

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Filder - Die Wohnung von Julia Behringer in Stuttgart-Möhringen verrät es gleich: Hier lebt ein Fan des Wilden Westens. Auf dem Tisch stehen Salz und Pfeffer in zwei Miniatur-Cowboystiefeln, die dunklen Holzmöbel sind bestückt mit Westerngeschichten, und in einer Wohnzimmerecke thront ein alter Westernsattel aus dunkelbraunem Leder. Doch wie kam es bei Julia Behringer zu dieser Leidenschaft? Und wieso hat sie diese bei ihrer Karriere in einem Großkonzern fast vergessen? Das alles hat sie in ihrem Buch „Barbecue mit Indianern“ niedergeschrieben; am Donnerstag, 18. Juli, wird sie davon in der Vaihinger Stadtbibliothek berichten.

Frau Behringer, woher kommt Ihre Liebe für den Wilden Westen?

Als Kind war ich fast besessen vom Land der Cowboys und Coyoten. Ich habe die Geschichten von Old Shatterhand und Winnetou verschlungen, habe den Schatz vom Silbersee gesucht und war verliebt in die Ponderosa Ranch aus Bonanza. Außerdem hatte mein Nachbar ein Shetland-Pony, auf dem ich schon mit vier Jahren reiten durfte. Von da an bin ich sieben Tage die Woche geritten.

Warum legten Sie ein Sabbatjahr im Wilden Westen ein?

„Ich lebe nun schon seit 24 Jahren hier auf den Fildern, habe an der Uni Hohenheim studiert und hatte dann sehr lange einen guten Job bei einem Großkonzern. Ich war jedoch unglücklich und lebte ein tristes Single-Dasein. Eines Tages las ich in einer Zeitschrift den Artikel ‚Befindet sich Ihr Leben in einer Einbahnstraße? Dann erinnern Sie sich zurück an die Träume aus ihrer Kindheit‘. Und dieser Satz ließ mich nicht mehr los. All die Bilder von Cowboys, Indianern, Ranches und Büffelherden flammten vor meinem inneren Auge auf, und mir war klar: ich muss in den Wilden Westen!

Wann haben Sie sich entschieden, Ihrem Leben in Deutschland den Rücken zu kehren?

Als ich in Montana auf dem Rücken eines Pferdes die Rocky Mountains überquerte, meine Haare im eiskalten Gletscherwasser wusch und dann auch noch als billiger Hilfsarbeiter auf einer Ranch arbeitete, die der aus Bonanza wahnsinnig ähnlich war, wurde mir klar: Ich kann nicht mehr in mein altes Leben zurück. Jedoch bin ich trotzdem noch genug Schwabe, um solch eine Entscheidung nicht überstürzt zu treffen. Obwohl ich mir damit oft selbst im Weg stehe, weil ich eigentlich schon lange weg sein möchte. Aber aufgrund meines Schwabenblutes bin ich auch noch sieben Jahre später hier in Stuttgart. Ziel ist es jedoch, 2020 mit meinem Mann endgültig auszuwandern. Da ich mittlerweile auch die amerikanische Staatsbürgerschaft habe, komme ich meinem Ziel immer näher.

Wie kamen Sie darauf, ein Buch über Ihr Leben zu schreiben?

Anfangs habe ich die ganzen Geschichten nur für mich aufgeschrieben. Ich habe den Wilden Westen so vermisst und hatte das Gefühl, wenn ich mein Erlebtes aufschreibe, bin ich näher an Montana. Als ich dann nach fünf Jahren fertig war, dachte ich mir: ‚Wieso soll nur ich diese Geschichte lesen dürfen?‘. Das Buch soll eine Inspiration für andere sein, und deswegen möchte ich es teilen. Außerdem ist mir etwas wirklich Gutes passiert, und in einer Welt voll mit schlechten Nachrichten kann mein Buch vielleicht ein Lichtblick sein.

Sie waren schon zu Gast bei Markus Lanz, haben in der Landesschau gesprochen und wurden von einem Filmteam begleitet. Wie gehen Sie mit dieser Aufmerksamkeit um?

Es war anfangs vollkommen surreal für mich, dass all diese Medien etwas von mir wollen. Und dass es da draußen Menschen gibt, die mich interessant finden könnten. Aber mittlerweile glaube ich, dass meine Geschichte die Menschen glücklich macht, weil sie mich so glücklich macht.

Sie bekommen auch viel Fanpost. Was schreiben Ihnen ihre Leser?

Das ist wirklich unglaublich. Ich bekomme so viele Reaktionen auf mein Buch, sogar aus Österreich. Egal ob per E-Mail oder als handgeschriebenen Brief, alle sind wahnsinnig liebevoll geschrieben. Die meisten schreiben mir, wie viel sie gelacht haben bei meinem Buch oder dass sie auch auswandern möchten. Oft brauchen sie einen Rat von mir, und das macht mich sehr stolz.

Am Donnerstag, 18. Juli, stellen Sie ihr Buch „Barbecue mit Indianern“ in Stuttgart-Vaihingen vor. Wie gestalten Sie den Abend?

Ich verabscheue das Wort Lesung, denn das klingt so langweilig. Der Donnerstagabend wird eher ein Wild-West-Event. Ich lese ein bisschen aus meinem Buch, mache aber eher Stand-up-Comedy. Mein Mann begleitet mich mit seiner Western-Gitarre, und es gibt kleine Hamburger. Ein Highlight ist aber die Westernausstellung. Ich habe in den vergangenen Jahren Friedenspfeifen, Schusswaffen und mehr gesammelt und stelle diese immer bei meinen Events aus. In Vaihingen sind die auch schon seit Montag zu sehen.




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