Leinfelden-Echterdingen Trauergesellschaften fühlen sich begafft

Von Natalie Kanter 

Diese Aussegnungshalle auf dem Echterdinger Friedhof sei ein Durchgangsbahnhof. Passanten laufen vorbei, rauchen und spucken auf den Boden. Auch, wenn dort gerade eine Trauerfeier abgehalten wird. Nun werden Stimmen laut, dass das so nicht weitergeht.

Mitte September 2016 wurde die neue Aussegnungshalle auf dem Echterdinger Friedhof mit einer Feier offiziell in Betrieb genommen. Foto: Archiv Sabine Schwieder
Mitte September 2016 wurde die neue Aussegnungshalle auf dem Echterdinger Friedhof mit einer Feier offiziell in Betrieb genommen. Foto: Archiv Sabine Schwieder

Echterdingen - Ein Ort an dem sich Angehörige in Würde von ihren Verstorbenen verabschieden können: Das haben sich die Bürger von Echterdingen Jahrzehnte lang gewünscht. Vor einem guten Jahr wurde die neue Aussegnungshalle feierlich in Betrieb genommen. Für Hans Huber, den Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler, ist da ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung gegangen. 24 Jahre lang hatte er sich für den Bau einer neuen Halle eingesetzt. Eine Besonderheit des Neubaus: Er hat zwei Glasfronten, durch die großzügig Licht ins Innere fällt.

Doch genau dies ist auch ein Problem. Denn das viele Glas gewährt Passanten, die auch während Abschiedsfeiern über den Gottesacker laufen, um beispielsweise zur S-Bahn zu gelangen, beste Einblicke. Die Folge: Trauergesellschaften fühlen sich beobachtet. Dies berichtete Eberhard Wächter, ebenfalls Stadtrat der Freien Wähler, im jüngsten Sozialausschuss.

Ein Ort der Ruhe als Durchgangsbahnhof

Auch Wächter beschreibt die neue Aussegnungshalle als ein „Schmuckstück.“ Aber: „Man wird begafft“, sagt er. Der Echterdinger Friedhof, der eigentlich ein Ort der Ruhe sein sollte, sei ein Durchgangsbahnhof. Radfahrer, Skatebordfahrer und Fußgänger nutzen laut dem Stadtrat die Wegeführung als Abkürzung. Dabei werde telefoniert, geraucht oder auch auf den Boden gespuckt. Die Stadtverwaltung sei nicht in der Lage, dies zu regeln, schimpft der Stadtrat, der sich bei diesem Thema richtig in Rage reden kann. Er sagt: „Das treibt auch die Bürger im Flecken um.“ Fast täglich werde er am Tresen seiner Apotheke darauf angesprochen.

Hinzu kommt, dass die Toiletten, die für Friedhofsbesucher gedacht sind, aber auch von Passanten benutzt werden, auch während Trauerfeiern geöffnet sind. Das Öffnen und Schließen der Klotüren ist von den Trauernden im Saal der Aussegnungshalle zu hören. Auch Wolfgang Haug (L.E. Bürger/FDP) empfindet dies als eine „starke Ablenkung“. Ein WC-Schild weist den Weg zu dem öffentlichen Klosett. „Die Stadt muss ein solches öffentliches Klo nicht vorhalten. Dafür gibt es keine Vorschrift“, sagt Wächter.

Schilder könnten Abhilfe schaffen

Der Stadtrat hat in der Sitzung angeregt, Schilder mit der Aufschrift „Achtung Trauerfeier“ aufzustellen. Das sei das Mindeste, was die Verwaltung tun könne. Schon des Öfteren habe er darum gebeten, den Weg über den Friedhof ganz zu schließen. „Das aber will die Stadt nicht“, sagt er unserer Zeitung.

Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell sagt zu alledem: „Wir nehmen das sehr ernst.“ Schilder aufzustellen, könnte eine Lösung sein. Die Toiletten sollten allerdings zu den Öffnungszeiten des Friedhofes zugänglich bleiben. Denn: Gerade für ältere Friedhofbesucher sei dies wichtig. Kalbfell will das Thema im Februar bei einem amtsübergreifenden Treffen mit Baubürgermeisterin Eva Noller besprechen.

Bis dahin müssen sich die Bürger von Echterdingen noch etwas gedulden.