Leonberg Mit Automaten gegen das Coronavirus

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Wie kann man die Bürger flächendeckend auf das Virus testen? Ein Tüftler hat dazu ein Konzept entworfen.

Milorad Pavlek ärgert sich über das Schweigen der Ämter. Foto: factum/Simon Granville
Milorad Pavlek ärgert sich über das Schweigen der Ämter. Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - Er hat das Bundesinnenministerium angeschrieben, er hat das Gesundheitsministerium angeschrieben und die Regierung in Bayern, aber Antwort bekommen hat der 58-jährige Informationstechniker-Meister nicht.

Dabei drängt die Zeit. Milorad Pavlek hat ein Konzept entwickelt, mit dem man kostengünstig flächendeckend die Bürger auf eine Infektion mit Coronaviren testen kann. Es ist zwar nur ein Konzept, aber es ist wert, geprüft zu werden.

Pavlek schlägt vor, die Plätze und Straßen mit Testautomaten auszustatten, ähnlich wie bei den Zigarettenautomaten oder bei Kaugummiautomaten, die jedermann kennt. Wer sich testen möchte, der geht zum Automaten, ruft eine Telefonnummer an, bekommt eine SMS mit einer Registrierung, daraufhin öffnet sich die Klappe am Automaten, und der Proband nimmt Plastikröhrchen mit einem Wattestab heraus, macht seinen Abstrich und wirft das Röhrchen in die Box zurück. Das war’s dann schon, zumindest für den Kunden.

Die Box ruft einen Paketdienst

Die Box ruft am Abend dann automatisch einen Paketdienst, der die Röhrchen in ein Labor bringt und dort auswerten lässt. Damit der Test schnell geht, müssen die Proben automatisch geprüft werden. Robotische Maschinen dazu gibt es bereits, die in den USA hergestellt werden, etwa von der Firma Cepheid, die auf ihrer Homepage verspricht, einen Virustest in 45 Minuten durchführen zu können. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz würden sich Boxen auch mitteilen können, wann sie Nachschub benötigen.

Damit sein Konzept etwas mehr als eine Idee ist, hat Milorad Pavlek das Konzept mit Zahlen unterfüttert. Er geht davon aus, dass sich etwa 60 Millionen Deutsche testen lassen müssen, damit das Coronavirus wirksam eingedämmt wird, eben weil ein Großteil der Infizierten keine Symptome zeigt und das Virus deswegen munter weitergibt. Um diese Anzahl zu bewältigen, braucht es etwa 500 vollrobotische Testanlagen und 15 000 Testautomaten an den deutschen Straßenrändern. Ein Testautomat müsste unter 200 Euro reine Herstellungskosten zu haben sein, schätzt Pavlek. Ein Pfennigartikel seien die Plastikröhrchen mit den Wattestäbchen, die sich leicht in großen Mengen herstellen ließen. Eine Testanlage könnte 2000 Proben am Tag bewältigen. Bei den beschriebenen Kapazitäten müssten binnen zweier Monate die Bürger in Deutschland flächendeckend getestet sein und das Virus eingedämmt, wenn man die Kranken in Quarantäne schicke.

Ohne großes Fachwissen herstellbar

Das System hat viele technische Komponenten. Kein Wunder, ist Milorad Pavlek doch seit 35 Jahren in der Informationstechnik unterwegs und seit zwölf Jahren bei den Automobilern. Dennoch sei es eine einfache Technik, die ohne großes Fachwissen gebaut werden könne. Pavlek hat in Leonberg eine kleine Firma, die Navigationsgeräte in den Fahrzeugen der Daimler AG repariert.

Das Schweigen der Ämter ärgert ihn, in Berlin und München könnte man ihm wenigstens den Eingang seines Konzepts bestätigten und ihm mitteilen, ob es geprüft werde. Allein das Stuttgarter Innenministerium macht eine rühmliche Ausnahme. Dort beschied man ihm, dass das Konzept technisch machbar sei.




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