Leonberg und Renningen Eine Stadt, ein Tag, drei Euro

Von Ulrike Otto 

Vom 1. Januar an gibt es in Leonberg und Renningen das Stadtticket.

Ab 2020 soll es das Stadtticket auch in Leonberg und Renningen geben. Foto: VVS
Ab 2020 soll es das Stadtticket auch in Leonberg und Renningen geben. Foto: VVS

Leonberg/Renningen - Bis zur Gemeinderatssitzung am Dienstag hatte sich die CDU Bedenkzeit ausgebeten, ob sie einem Stadtticket zustimmt. Denn die Union hatte einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr innerhalb der Stadtgrenzen von Leonberg beantragen wollen. Eine Idee, die auch andere Gruppen im Rat, wie etwa die SALZ, unterstützten. „Das wären Millionenbeträge. Ich weiß nicht, ob der VVS das mitmacht. Am Ende würde man Leonberg wohl aus dem Verbund herausnehmen müssen“, hatte der Tarifexperte Martin Schuck vom Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) noch im Planungsausschuss eine Woche zuvor erläutert.

Kostenlos fürs Klima?

So lobte die CDU-Fraktionsvorsitzende Elke Staubach im Gemeinderat dann zwar die VVS-Tarifreform vom 1. April. „Wenn man klimatechnisch etwas bewegen will, sollte man den Nahverkehr ganz kostenlos machen.“ Oberbürgermeister Martin Cohn sah dies als wichtiges Unterfangen, das jedoch mit einer Menge Probleme verbunden sei. Er verwies auf einen Versuch von Tübingen, der aber in einem Fahrplanchaos und Überlastungen in Stoßzeiten gemündet sei. So mutig war die CDU am Ende doch nicht. Es gab keinen solchen Antrag, der Rat votierte am Ende für das Stadtticket bei einer Gegenstimme.

Vom 1. Januar an können die Leonberger nun von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr des Folgetages für nur drei Euro quer durch die Stadt fahren. Dafür muss die Stadt wohl 155 000 Euro pro Jahr zuschießen, da dem VVS durch das Stadtticket Einnahmen entgehen.

Einen Euro oder doch drei Euro?

Zufrieden sind damit nicht alle. Etwa die SPD, die im Kommunalwahlkampf für Ein-Euro-Tickets für Einzelfahrten in der Stadt geworben hatte. „Ich denke nicht, dass das Drei-Euro-Ticket viele Leute dazu animiert, das Auto in der Garage zu lassen“, meinte Ottmar Pfitzenmaier (SPD). Viele Gemeinderäte störten sich auch daran, dass die Stadttickets überall drei Euro kosten, egal wie groß die Kommune am Ende ist. Ein Ludwigsburger habe somit viel mehr davon. „Ich glaube nicht, dass es ein großer Wurf ist. Wir werden sehen, ob es am Ende nur Mitnahmeeffekte gibt von VVS-Kunden oder tatsächlich Leute vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen“, sagte Axel Röckle (Freie Wähler). In Ludwigsburg, wo das Projekt Stadtticket bereits seit vergangenem August läuft, sei das Ergebnis etwa 50:50, berichtete Martin Schuck vom VVS.

VVS ist an Abo-Kunden interessiert

An dieser Stelle zeigte sich auch, wie unterschiedlich die Ziele von VVS und Kommunen sind. „Wir wollen die Menschen vom Auto in Bus und Bahn bekommen“, lautete das Ziel der Gemeinderäte. Beim VVS ist man eher daran interessiert, Gelegenheitsnutzer für eine Monats- oder Jahreskarte zu gewinnen.

„Wir haben jetzt die Chance, Leute von der Straße zu kriegen“, sagte Frank Albrecht (SALZ), der die Stadt aufforderte, Haushaltsanträge zur Mobilität, etwa dem Einsatz von Elektrobussen, auch endlich umzusetzen. „Ich befürchte, das Stadtticket wird dazu führen, dass sich die Stadt zurücklehnt.“ Dem widersprach Cohn: „Wir werden ihre Anträge als Bausteine im Mobilitätskonzept aufnehmen.“

Mehr Qualität im Busverkehr

Cordula Ahlborn (SALZ) erwartet keine Verbesserungen durchs Stadtticket. „Die erreicht man nur, wenn man es den Leuten einfacher macht“, sagte sie mit Blick auf bessere Information der Fahrgäste. „Wenn wir bereit sind, Geld reinzustecken, dann in die Linien, die ohnehin schon von den Stadtwerken betrieben werden, um den Stadtverkehr attraktiver zu machen“, sagte Sebastian Werbke (Grüne). Das heiße mehr Linien und dichtere Fahrtakte. Ottmar Pfitzenmaier fügte dem noch die Punkte Pünktlichkeit und attraktive Linienführung hinzu. „Daran werden wir weiterarbeiten“, versprach der OB.




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