Eine große weiße Urkunde ist dieser Tage der Stolz des Johannes-Kepler-Gymnasiums Leonberg. „Startberechtigung für das Weltfinale in Panama“ steht darauf geschrieben. Gewonnen hat sie das Team JAT der Roboter-Technik AG: Mit ihrem mobilen Recycling-Hafen haben Aiko Hansen, Jakob Bosch und Theo Salfeld sich im Deutschlandfinale der World Robot Olympiad, einem internationalen Roboterwettbewerb, den zweiten Platz gesichert – und fliegen im Herbst zum Weltfinale in Panama City. Der Teamname JAT setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Namen der drei Schüler zusammen. Sie besuchen die sechste Klasse am JKG, sind seit vergangenem Jahr in der Roboter-Technik AG.
Die Welt mit Robotern verbinden
Die Welt mit Robotern verbinden
Für das Deutschlandfinale musste sich das Team erst einmal im Regionalentscheid in Böblingen beweisen. Das Thema der diesjährigen World Robot Olympiad lautet „Connecting the World“. Mit seinem mobilen Recycling-Hafen schaffe es das Team, gleich drei Mal die Welt zu verbinden, erläutert Jakob Bosch. „Zum einen haben wir in unserem Modell drei verschiedene Robotersysteme kombiniert, zum anderen verbinden Häfen und Wasserstraßen allgemein weltweit. Und wir versuchen, mit unserem Projekt ein globales Problem zu lösen.“
Denn ihr Roboter-Modell soll zeigen, wie man der Müllverschmutzung in den Meeren entgegenwirken kann. Der Hafen, den sie mit Lego-Steinen gebaut haben, soll eine mobile Offshore-Anlage darstellen, die auf dem Meer schwimmt. Verschiedene Projekte würden dann Abfall aus Müllteppichen aufsammeln und zum Hafen bringen, erläutert Jakob Bosch die Idee des Teams. Dort werde er aufgearbeitet, recycelt und gelange so in den Kreislauf zurück. „Wir wollen nicht nur die Welt verbinden, sondern verbessern.“
So funktioniert der mobile Recycling-Hafen
Mit ihren drei Robotern zeigen die Schüler, wie das ablaufen kann. Wird das Programm gestartet, fährt ein Legoschiff auf den nachgebauten Hafen zu. Ein Ultraschallsensor an einem Kran erkennt, dass das Schiff da ist, sein Motor stoppt. Mit einem Magneten lädt der Kran dann die Lego-Container, die den Müll enthalten sollen, auf ein Fließband eines anderen Roboters. Dort erkennt ein Sensor die Container und ihre Farben, die für verschiedene Müllsorten stehen. Die Container werden dann je nach Farbe auf unterschiedliche Fließbänder geleitet.
Haben die Container das Fließband durchlaufen, startet ein Ultraschallsensor die Recyclinganlage. Waggons nehmen den Müll als bunte Kugeln auf und transportieren ihn auf einem Förderband. Je nachdem, um welchen Müll es sich handelt, bewegt sich eines von zwei weiteren Fließbänder. Sie stellen symbolisch dar, was aus dem Abfall wieder hergestellt wird: Schuhe oder Behältnisse wie Flaschen oder Blumentöpfe.
Mit diesem Modell konnte das Team JAT beim Deutschlandfinale der World Robotics Olympiad überzeugen. Insgesamt nahmen daran 126 Teams teil. JAT trat in der Kategorie „Future Innovators“ gegen 18 andere Mannschaften an. Im Wettbewerb mussten die Schüler zwei Mal ihr Projekt der Jury präsentieren und es ihnen und den Besuchern vorführen. „Ich denke, der entscheidende Punkt war, dass wir mit unserem Projekt ein globales Problem lösen“, erklärt sich Jakob Bosch, wie das Team überzeugen konnte.
Der Sieg ist wie ein Traum
Damit gerechnet, ein Ticket zum Weltfinale zu gewinnen, haben die drei Schüler allerdings nicht. „Das war ein kurzer Schock, als sie gesagt haben, dass das Team JAT aus Leonberg den zweiten Platz gemacht hat“, erzählt Theo Salfeld. „Es war erst einmal, als würde ich träumen“, fügt Aiko Hansen hinzu.
Nach den Herbstferien geht es für das Team dann nach Panama City. Die Vorfreude ist groß, alle waren bisher noch nie in Südamerika. Bis dahin muss aber noch einiges vorbereitet werden: Das Team will noch einmal an seiner Präsentation feilen und diese auch ins Englische übersetzen. Aber auch an den Robotern wird noch gearbeitet. Bisher symbolisiert ein Karton im Modell, dass die Container entladen werden. Dieser soll durch einen weiteren Roboter ersetzt werden. Wie der genau aussehen wird, weiß das Team allerdings noch nicht.
Schulleiter Roman Peters ist jedenfalls restlos begeistert von dem Erfolg des Teams. „Das ist einfach irre.“ Jetzt muss die Schule sich um die Finanzierung der Hotels und Flüge kümmern, dafür werden Sponsoren gesucht. Wenn das geschafft ist, steht der Reise nach Panama City im Herbst nichts mehr im Wege.