Leuchtturmprojekt im Kreis Esslingen Rückenwind für Neckartal-Radschnellweg

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Beim Radschnellweges von Reichenbach über Plochingen nach Stuttgart wollen alle Akteure an einem Strang ziehen. Das haben der Minister Winfried Hermann, der Landrat Heinz Eininger und die Rathauschefs der Anliegerkommunen mit ihren Unterschriften bezeugt.

Vier Meter breit und kreuzungsfrei, so soll ein Radschnellweg grundsätzlich Durchschnittsgeschwindigkeiten von 20 Kilometern pro Stunde möglich machen. Foto: dpa
Vier Meter breit und kreuzungsfrei, so soll ein Radschnellweg grundsätzlich Durchschnittsgeschwindigkeiten von 20 Kilometern pro Stunde möglich machen. Foto: dpa

Esslingen - Zwei beiläufig geäußerte Sätze nur, und der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen) hatte die Bedeutung des Themas beinahe schon unfreiwillig auf den Punkt gebracht. Ja, er habe sich verspätet, weil sich die Debatte über die Feinstaubproblematik im Stuttgarter Landtag hingezogen habe. Und nein, er habe auf dem Weg nach Esslingen nicht im Stau gestanden. Von der Feinstaubproblematik über den Dauerstau im Neckartal führt eine direkte Linie zum geplanten Bau eines Radschnellwegs von der Kreisgrenze bei Reichenbach über Plochingen durch das Neckartal nach Stuttgart. Dessen Umsetzung ist am Mittwoch ein Stück näher gerückt.

Machbarkeitsstudie soll den Trassenverlauf aufzeigen

Der Verkehrsminister, der Esslinger Landrat Heinz Eininger und die Rathauschefs der beteiligten Städte und Gemeinden Esslingen, Altbach, Plochingen, Deizisau und Reichenbach haben im Landratsamt Esslingen ihren Willen zur Zusammenarbeit im Rahmen einer Mitwirkungserklärung besiegelt. Nach dem demonstrativen Schulterschluss der Akteure – zum Auftakt war viel von „Leuchtturmprojekt“ und „Schrittmacherfunktion“ die Rede – soll nun eine Machbarkeitsstudie klären, auf welcher Trasse die rund 18 Kilometer lange Radlerautobahn künftig verlaufen könnte. Bis zum Ende des Jahres will das Frankfurter Planungsbüro Radverkehr-Konzept die beste Variante vorgestellt, die Baukosten hochgerechnet und einen Zeitplan für die Umsetzung ermittelt haben.

Von der Schnellverbindung versprechen sich das Land, der Landkreis, die Städte und Gemeinden eine Entlastung der viel befahrenen Neckartal-Achse. Parallel zu dem jetzt in den Sattel gelupften Projekts im Kreis Esslingen wird derzeit auch im Kreis Böblingen in kommunaler Regie an der Umsetzung eines, wenn auch wesentlich kürzeren Radschnellweges gearbeitet.

Bis zum Jahr 2025 sollen die Pendler den Plänen der Landesregierung zufolge auf zehn neuen Radschnellwegen gegen den drohenden Verkehrskollaps anradeln. Das Land selbst treibt laut Hermann drei Pilotprojekte voran – neben dem Neckartalschnellweg sind das die Verbindungen zwischen Heidelberg und Ludwigshafen und zwischen Heilbronn und Bad Wimpfen. Die grün-schwarze Landesregierung hat im Doppelhaushalt 2018/2019 sechs Millionen Euro für die Förderung von Radschnellwegen zur Verfügung gestellt.

Zielgruppe Berufspendler

Langfristig sollen die „Autobahnen für Radfahrer“ das Land dem erklärten Ziel näher bringen, 20 Prozent aller im Ballungsgebiet zurückgelegten Wege auf das umweltfreundliche Verkehrsmittel Fahrrad zu verlagern. Vor allem Berufspendler sollen von der schnellen, kreuzungs- und schlaglochfreien Verbindung profitieren. Auf der Neckartalachse gehen die Planer von einem Potenzial von rund 2000 Radfahrern täglich aus. Den jüngsten Erhebungen zufolge sind auf der Strecke zwischen Plochingen und Stuttgart täglich rund 166 200 Ein- und Auspendler unterwegs.

„Mit der Mitwirkungserklärung setzen wir ein wichtiges Signal“, sagte Eininger. In einem Landkreis mit 530 000 Einwohnern sei es nicht leicht, das wachsende Mobilitätsbedürfnis einerseits und die Belange der Umwelt andererseits unter einen Hut zu bringen. Dass das Land die Bauträgerschaft für den Schnellweg übernommen habe, lasse die Zuversicht wachsen, dass das Projekt gelingen werde. Wie, das hat Hermann zum Abschied der Versammlung mit auf den Weg gegeben. „Wir müssen das umsetzungsorientiert angehen und Rechthaberdebatten umgehen“, so der Minister.




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