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InterviewLiedermacherfestival in Stuttgart „Lass uns das mal professionell machen“

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Das Liedermacherfestival im Club Cann am Wochenende ist auch der erste Auftritt des Kulturbüros Sorglos. Dahinter steckt Stefan Kraft, der die Aktionen des Feierabendkollektivs künftig organisiert – und klare Ansichten zur städtischen Kulturförderung hat.

Stefan Kraft will Leute zusammenbringen, bevorzugt mit dem Schwerpunkt Popmusik. Foto: privat
Stefan Kraft will Leute zusammenbringen, bevorzugt mit dem Schwerpunkt Popmusik. Foto: privat

Stuttgart - Am Wochenende feiert ein neues Veranstaltungsformat Premiere in Stuttgart: Das „Pop Up Liedermacher*innen-Festival“ im Club Cann. Das ist nicht nur deshalb interessant, weil da neben Auftritten des allseits beliebten Feierabendkollektivs und der Leipziger Band Lot auch Liedermacher-Workshops und eine Diskussionsrunde zur Stuttgarter Szene stattfinden werden.

Das Event ist gewissermaßen auch der erste Auftritt des Kulturbüros Sorglos. Dessen Gründer Stefan Kraft ist angetreten, um die Singer/Songwriterei in Stuttgart zusammenzubringen. Weil er auch viele gute Ideen hat, wie die Musikszene sich neue Räume in der Stadt erschließen kann, haben wir uns mit dem 32-Jährigen unterhalten.

Stefan, erzähl uns doch zunächst bitte, wie du zum schönen Namen „Kulturbüro sorglos“ kommst.

Stefan Kraft: „Der Name stammt von meinen Mitbewohner Tobias Dellit, der gerade das Studio Sorglos gegründet hat. Die Idee ist, in Stuttgart Kultur zu machen – mit einer gewissen Entspanntheit und Leichtigkeit. Das Motto ist: Wir machen einfach was, eben sorglos.“

Passt zum Feierabendkollektiv.

„Klar, die kenne ich eh alle. Das Feierabendkollektiv hat in den letzten Jahren wirklich viel gemacht und die Events sind quasi von alleine gewachsen – etwa das Vive-la-Vie-Festival oder die Konzertreihe Staub und Sterne. Aber das lief eben immer neben Job und Familie und Alltag. Da habe ich jetzt gesagt: Lass uns das mal professionell machen. Dann ist es für alle entspannter und man lernt, die eigene Arbeit wertzuschätzen.“

Das heißt, du organisierst künftig die Feierabendkollektiv-Events?

„Ich sehe mich höchstens zum kleineren Teil als Konzertveranstalter, der die Musiker und Besucher rankarrt. Mir geht es eher darum, die Handelnden zusammenzubringen. Ich will Musikern den Raum geben sich weiterzuentwickeln und auszuprobieren, Konzepte wie Liedermacherworkshops in Schulen verankern und als Dienstleister Kontakte zur Wirtschaft pflegen. Wir könnten zum Beispiel ein Kulturprogramm für Firmen oder Institutionen aufsetzen – eben gemeinsam mit dem Feierabendkollektiv.“

In Stuttgart wird derzeit eifrig diskutiert, ob kleinere Konzerte wirtschaftlich leistbar sind. Welche Rolle spielt die öffentliche Kulturförderung in deinen Überlegungen?

„Ohne Kulturförderung muss man sehr schnell eine harte Linien fahren – also zum Beispiel hohe Eintrittspreise verlangen. Das ist schade, weil es Leute ausschließt. Ich denke nicht, dass solche Konzepte ohne Förderung möglich sind, und ich kenne das schon von meinem langjährigen Engagement im Theaterbereich. Auf Stuttgart gewendet: Ohne Förderung kann ich kaum mit den Eintrittspreisen geförderter Locations wie dem Merlin, dem Stadtpalais oder anderen mithalten. Vielen ist das vielleicht gar nicht bewusst, wie teuer ein Ticket ohne Förderung wäre. Und ich muss sagen: Man gibt ja für eine Förderung der Stadt was zurück. Kulturförderung macht vieles überhaupt erst möglich.“

Jetzt also das Liedermacherfestival. Wer hilft und fördert da?

„Darko Veric vom Club Cann hatte ursprünglich die Idee. Er hat uns auch in seine Räume eingeladen. Das Popbüro unterstützt uns finanziell. Für eine Förderung der Stadt kam das alles zu kurzfristig. Da kann man auch fragen, ob man zumindest für den Popbereich hier nicht umstrukturieren kann. Die Türen gehen in der Popmusik schneller auf und wieder zu als in anderen Sparten.“

Wie glaubst du ist die Stimmung in der Stadt, was Popförderung angeht? Da gab es Ende 2017 ja böses Blut, als über die Förderung für das New-Fall-Festival diskutiert wurde.

„Mir fallen die zahlreichen Überlegungen auf, Räume für Kunst und Musik zu fördern – von der Villa Berg über die Agenda Rosenstein bis zum Österreichischen Platz. Ich stoße da bei meinen Gesprächen gerade auf weniger Wände als früher, deshalb versuche ich, hier meinen Teil beizutragen.“

Welche Art von Veranstaltungen willst du anbieten?

„Derzeit sind neben dem Liedermacherfestival und der Reihe Staub und Sterne die Release-Party meines Mitbewohners Tobias Dellit im November in Stuttgart sowie weitere Konzerte geplant. Mir liegen außerdem die Workshops sehr am Herzen, auch weil im Theater quasi jeden Tag Workshop ist und irgendwann eben die Aufführung. Mir ist wichtig, dass die Leute ins Musik- und Liedermachen einsteigen und Musiker sich künstlerisch weiterentwickeln können.“

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