CVJM übernimmt wieder die Koordination
Der CVJM übernimmt bei der Neuauflage von „Fellbach liefert“ erneut die Koordination. In den Vereinsräumen in der Gerhart-Hauptmann-Straße 32 ist sozusagen die Schaltzentrale des ehrenamtlichen Einkaufsservice in Fellbach. Zu festen Uhrzeiten können sich dort per Telefon ältere und vorerkrankte Menschen melden, für die das Einkaufen angesichts der Pandemie bedrohlich sein kann. Kurt Schmauder und sein Team vermitteln dann Einkäufer, die möglichst in der Nähe des Betroffenen wohnen.
Dass Helfer und Bedürftige oft nicht weit voneinander entfernt leben, brachte einen Effekt mit, den Kurt Schmauder mit Freude verfolgt. Viele hätten sich – unabhängig vom Einkaufsservice „Fellbach liefert“ – einfach weiter um die Bedürftigen gekümmert, berichtet der Jugendreferent. „Das zeigt, dass in Fellbach die Nachbarschaften oft schon sehr gut sind.“
Fellbach und Waiblingen tauschen sich aus
Mit dieser Erfahrung ist Kurt Schmauder nicht alleine. Ähnliches berichtet auch die Gemeindediakonin im evangelischen Kirchenbezirk Waiblingen aus der Nachbarstadt. Hanna Fischer ist Gesamtkoordinatorin von „Waiblingen liefert“. „Viele haben sich über den Sommer eigene Netzwerke aufgebaut und eine Nachbarschaftshilfe daraus gemacht“, sagt Hanna Fischer. „Es kann uns nur recht sein, was auf informellem Weg an Unterstützung entsteht“, sagt sie. Diese direkte Nachbarschaftshilfe sieht Hanna Fischer auch als einen Grund, weshalb die Anfragen von Bedürftigen bisher relativ gering sind. Kurt Schmauder, mit dem sie sich immer wieder austauscht, vermeldet ähnliches. Dennoch macht Hanna Fischer deutlich, sei es wichtig, dass ein verlässliches Angebot angesichts der steigenden Infektionszahlen da sei. „Heute Morgen habe ich einen Anruf bekommen von jemandem, der plötzlich in Quarantäne musste“, erzählt sie. Der Betroffene wäre ohne „Waiblingen liefert“ wohl im Regen gestanden.
Ein Ausweis für mehr Sicherheit
Viele Gedanken haben sich die Organisatoren um die Sicherheit des Angebots gemacht, damit die „Kunden“ dem Ganzen vertrauen können. So gibt es einen Ausweis – Fellbach und Waiblingen haben das gleiche Logo mit einem schwungvollen Band um den Ortsnamen. „Der Einkäufer hat diesen dabei, und außerdem meldet er sich vor der Haustüre noch mal per Telefon, dass er da ist“, berichtet Kurt Schmauder.
Zudem, so der Jugendreferent, würden alle Helfer im Datenschutz unterwiesen. „Das Erfassen der Adresse der Hilfsbedürftigen darf nicht zu anderen Zwecken missbraucht werden, darauf weisen wir natürlich hin.“ Besondere Hinweise zu Verhaltensregeln gebe es, wenn Helfer zu Haushalten kommen, die in Quarantäne sind. Schließlich sei ein Drittel, die den Einkaufsservice bisher genutzt hätten, in Quarantäne gewesen.
Kurt Schmauder hat sehr unterschiedliche Fälle bei „Fellbach liefert“ erlebt. „Eine Dame wollte dem Ehrenamtlichen ihre Scheckkarte mit PIN-Nummer mitgeben“, erzählt er, „das geht natürlich gar nicht.“ Denn viele hätten wenig Bares im Haus, insbesondere wenn sie in Quarantäne seien. Daher hat der CVJM darauf reagiert und gehe bei dem Einkauf in Vorleistung, die Kundin oder der Kunde bekomme dann eine Abrechnung geschickt.
Eine Bestellung ging aus Australien ein
Beim ersten Lockdown gingen auch Bestellungen aus Australien ein. „Der Sohn wohnt in Australien. Seine Mutter in Fellbach mit ihrer Pflegerin, die über 60 ist, gingen nicht mehr raus beim ersten Lockdown“, so Schmauder. Der Sohn habe dann per E-Mail bei „Fellbach liefert“ ein Konto eingerichtet und die Bestellungen von Australien aus erledigt.
Einzelne Aussagen seien auch etwas irritierend bei den Älteren angekommen – besonders in der ersten Zeit des Lockdowns. „Manche dachten, sie dürfen gar nicht mehr aus dem Haus. Da habe ich nachgefragt, ob sie denn wenigstens schon im Garten waren“, sagt Schmauder. Bei der jetzigen zweiten Runde im Teil-Lockdown sei das anders. „Die Senioren entscheiden bewusster, was sie sich zumuten und was nicht.“ Und wer kauft ein? Stephanie Seidel ist eine der Engagierten. „Ich verbinde den Einkauf mit meinen privaten Erledigungen“, sagt die 37-Jährige aus Fellbach. Sie ist von Anfang an bei „Fellbach liefert“ dabei und betreut zwei oder drei Haushalte. „Den Menschen ist die Kontinuität wichtig“, berichtet sie. Die Dame, der sie am Samstag im Lindle ihre Bestellungen vorbeigebracht hat, kenne sie bereits seit Frühjahr.
Kurt Schmauder weiß, dass ein Großteil der Helfer in Fellbach aus den Reihen des CVJM, des TSV Schmiden und des TV Oeffingen kommen. Trinkgeld dürften die Helfer wegen der Gleichbehandlung nicht annehmen. Doch er kündigt an: „Der CVJM wird sich an Weihnachten bei den Engagierten bedanken.“
Fellbach und Waiblingen liefern
Einkaufsservice
Der ehrenamtliche Einkaufsdienst wird in Fellbach, aber auch in der Nachbarstadt Waiblingen angeboten. Folgende Kontaktmöglichkeiten werden geboten: Der Service „Fellbach liefert“ ist telefonisch erreichbar montags bis freitags in der Zeit von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr unter der Nummer 0711/300 30 08 oder per E-Mail an: einkaufshilfe@cvjm-fellbach.de. Die Einkäufe werden von Montag bis Samstag erledigt.
Informationen Zum Service „Waiblingen liefert“ gibt es weitere Informationen über die evangelischen Pfarrämter in Waiblingen, bei Rat und Tat auf der Korber Höhe unter der Nummer 0 71 51/24 39 8, über die E-Mail: post@waiblingen-liefert.de. Weitere Fragen beantwortet Hanna Fischer, Gemeindediakonin im evangelischen Kirchenbezirk Waiblingen und Gesamtkoordinatorin von „Waiblingen liefert“, unter 0 71 51/502 04 40.