Lindental in Weilimdorf Highlandgames werden zum Volksfest

Von Georg Linsenmann 

Die schottischen Wettkämpfe lassen Fußball fast als Randsportart erscheinen. Wir sind bei der Großveranstaltung in Weilimdorf dabei gewesen und haben ein paar Stimmen gesammelt.

Der Baumstamm wird zunächst ausbalanciert, ehe er geworfen wird. Das Ziel: Er muss sich überschlagen. Foto: Georg Linsenmann 13 Bilder
Der Baumstamm wird zunächst ausbalanciert, ehe er geworfen wird. Das Ziel: Er muss sich überschlagen. Foto: Georg Linsenmann

Stuttgart-Weilimdorf - Mit Sackpfeifen und Trommeln ziehen die über hundert Athleten durch eine Traube von Zuschauern ins WM-Stadion ein, das im Lindental aus einer sehr großen Wiese besteht. Hübsch in zwei Teile getrennt, sodass die Wettkämpfe der „Highland Masters’ World Championship“ parallel laufen können.

Tausende Zuschauer säumen die Südseite und sorgen so für eine Kulisse, wie sie die weltbesten Athleten der Schotten-Spiele noch nicht erlebt haben. Egal auf welchem Kontinent sie bisher stattgefunden haben, wie vielfach bestätigt wird. Etwa von Jürgen Stickelbrock, dem Boss der unterm Dach des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) organisierten Traditionssportart: „Einfach phänomenal! Perfektes Wetter, ein toller Platz und Zuschauer, die anfeuern und begeistert mitgehen! Ich war schon oft dabei, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.“ Im Überschwang meint er gar, dass statt nach dem Wesen dieser Randsportart zu fragen, schon bald die Frage gestellt werde: „Was ist eigentlich Fußball?“

Tosende Begeisterung beim Publikum

Gute Laune allenthalben. Auch an den verschiedenen Wettkampfstationen, an denen bärbeißige stämmige Männer und robuste starke Frauen Steine stoßen, Eisengewichte rückwärts über immer höher reichende Latten schleudern oder Eisenkugeln am Holzstiel mit Wucht in die Weite pfeffern. Wenn es aber gilt, 70 Kilogramm schwere Baumstämme mit einem Wurf zum Überschlag zu bringen, müssen die Löcher der Einschläge immer wieder mit Sand gefüllt werden. „Come on, Karyn!“, feuern die Kanadierinnen ihre beste Athletin an. Als sie wegen eines Loches ins Straucheln kommt und den Wurf wiederholen darf, landet ihr Caber per Überschlag perfekt auf 12 Uhr. Tosende Begeisterung beim Publikum. Aber auch in der Athleten-Schar, die sich hier, Wettkampf hin, Wettkampf her, wechselweise anfeuert. Wie in einer großen Familie, über alle Ländergrenzen hinweg.

Ein heißes Eisen im Feuer hat das deutsche Team mit dem Nürtinger Andreas Deuschle. Als er mit dem Hammer, seiner schwächsten Disziplin, den zweiten Platz macht, platzt es aus ihm heraus: „Zweiter war ich schon das letzte Mal. Ich trainiere jeden Tag. Jetzt, bei dieser Heim-WM, will ich endlich gewinnen!“ Als sein schärfster Konkurrent, der US-Amerikaner Dwayne Fowler, ein Super-Ding raushaut, kontert der Texaner auch rhetorisch: „T-Rex ist back!“ Kengo Kubota, der Kämpfer aus Tokio, kommt da nicht ganz ran. Da hilft dann auch die Fluppe nicht, die er sich vor seinem letzten Versuch anzündet.

Bis Mitternacht wird gespielt und gefeiert

Dabei sein ist alles! Ein bisschen gilt das olympische Motto beim Kampf ums Edelmetall auch hier. Bei den ganz Kleinen sowieso, die im Stundentakt ihre Kinder-Games durchspielen. Als die zweijährige Fiann, den Stein auf die 35-Zentimeter-Linie plumpsen lässt, gibt es natürlich Beifall, und ihre Schwester Juna lobt: „Also, das war schon ziemlich gut!“

Ein Fest ist das hier sowieso. Eine Art Volksfest sogar, bei dem man es sich ordentlich gut gehen lassen kann. Beim Whisky-Tasting etwa im Zelt des Mac Kenzie-Clans, mit Guiness und Co. samt einschlägigen Gerichten wie Haggis oder Fish and Chips. Selbst Kässpätzle werden hier schottisch! Und Kilt ist hier nicht nur als Wettkampfkleidung Pflicht, sondern auch beim Publikum Kult. Dazu passt perfekt, wenn die Piper immer wieder durchziehen, wenn irischer Step-Dance und einschlägiges Liedgut aufgelegt wird. Und eine Attraktion im Rahmenprogramm ist auch die Handwerker-Wiese. Am Abend aber läuft alles auf Celtic Folk zu, wenn „Flead“ fast bis Mitternacht spielt und gefeiert wird.

3500 zahlende Zuschauer wurden schon am Samstag gezählt. Und am Sonntag sollten es noch mehr werden. So ist die WM-Chefin Petra Müller zwar „geschafft, aber auch glücklich: „Das Publikum war begeistert, die Athleten loben die beste WM, die sie je erlebt haben. Mehr geht nicht! Das war perfekt!“

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