Die Nachfrage nach Heizlüftern, Infrarotheizungen und Ölradiatoren steigt. Aber lohnen sich solche Stromheizungen im Vergleich zur Gasheizung überhaupt?

Digital Unit: Lukas Böhl (lbö)

Die durchschnittlichen Kosten für Erdgas in Deutschland haben sich laut der aktuellen Gaspreisanalyse des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) im Vergleich zum letzten Jahr nahezu verdoppelt. Dafür ist neben der gestiegenen Nachfrage auf dem Weltmarkt auch die angespannte Versorgungslage durch den Ukraine-Krieg verantwortlich.

Angesichts dieser Umstände sehen sich viele Verbraucher im Moment nach günstigen und unkomplizierten Alternativen zur Gasheizung um. Seit Mitte Juni sind die Suchanfragen für Elektroheizungen auf Google laut Google Trends stark angestiegen. Kein Wunder, denn diese lassen sich ohne großen Aufwand sofort in jeder Wohnung nachrüsten. Aber lohnt sich so eine strombetriebene Heizung überhaupt?

Lohnt sich das Heizen mit Strom?

Die Hersteller von Elektroheizungen werben oft mit Worten „energiesparend“ oder „effizient“. Die Verbraucherzentralen mahnen aber schon seit Jahren zur Vorsichtig bei solchen Werbeversprechungen. So könne insbesondere bei schlecht gedämmten Gebäuden eine regelrechte „Kostenexplosion“ drohen. Ein Vergleich der aktuellen Strom- und Gaspreise verrät, warum. Der durchschnittliche Gaspreis für 1 kWh Gas lag 2022 bei etwa 13 Cent. Strom dagegen hat derzeit einen Durchschnittspreis von 37,14 Cent pro kWh und ist damit fast dreimal so teuer Gas.

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Stromkosten für Elektroheizung: Beispiel

Angenommen man kauft sich eine Infrarotheizung, die für eine Raumfläche von 25 m² ausgelegt ist und lässt diese 8 Stunden am Tag auf voller Leistung mit 1000 Watt laufen.

  • 1000 Watt pro Stunde = 1 kWh pro Stunde
  • 1 kWh = 0,3714 €
  • 8 kWh = 2,9712 €

Pro Tag würde man also mindestes 2,97 € für den Betrieb der Elektroheizung bezahlen. Auf die volle Heizperiode von Oktober bis April hochgerechnet entsprächen das 540,54 €. Und das nur für einen Raum. Schlecht gedämmte Räume (vor allem in Altbauten), längere Heizzeiten und das individuelle Kälteempfinden könnten den Preis nochmal deutlich anheben. Selbst die vergleichsweise günstigen Anschaffungskosten für Heizlüfter, Infrarotheizungen und Co würden hier schnell wieder von den Betriebskosten aufgefressen werden.

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Könnten die Gaspreise weiter ansteigen?

Die Bundesnetzagentur nennt die Marktsituation in Deutschland in ihren aktuellen Lageberichten angespannt. Zwar sei die Versorgungssicherheit im Moment gewährleistet, Unternehmen und Verbraucher müssten sich aber auf „deutlich steigende Gaspreise“ einstellen. Aus diesem Grund unterstützt die Bundesnetzagentur die Aufforderung der Bundesregierung so viel Gas wie möglich einzusparen. Eine genaue Prognose zur Gaspreisentwicklung kann im Moment jedoch niemand geben. Die Lage ist schlicht zu unsicher.

Fakt ist aber, dass der Strom nach wie vor sehr viel teurer ist als Gas. Zudem rechnet die Verbraucherzentrale damit, dass auch die Strompreise durch den Ukraine-Krieg weiterhin stark ansteigen werden. Aktuelle Schätzungen gehen von 30 bis 50 % Mehrkosten für Haushaltsenergie aus. Angesichts dieser Zahlen sieht die Bilanz für die Stromheizungen im Moment schlecht aus. Falls Sie weiterhin über die Anschaffung einer Elektroheizung nachdenken, könnte Ihnen die Energieberatung der Verbraucherzentrale helfen, die individuellen Vor- und Nachteile abzuwägen.