Lokale Agenda 21 in Gerlingen Mit siebzig Jahren noch zu den Jungen gehören

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Die Lokale Agenda sucht dringend neue Mitstreiter – auch junge Ruheständler. Viele Aktivitäten sind denkbar, vom Repaircafé über Streuobstwiesen bis hin zum Arbeitskreis Energie.

Hans Wörner und Thomas Bleicher (rechts) werben um  Mitstreiter. Foto: factum/Granville
Hans Wörner und Thomas Bleicher (rechts) werben um Mitstreiter. Foto: factum/Granville

Gerlingen - Der Einzelne rettet die Welt nicht, aber jeder muss sich bewusst sein, was er tut: Das ist Hans Wörners Wahlspruch für sein Engagement in der Lokalen Agenda. Vor gut 16 Jahren ist er zum Arbeitskreis Energie der Agenda in Gerlingen (AK) dazu gekommen, als er sich ein sinnvolles Betätigungsfeld für den Ruhestand suchte. Nun ist er 78, seine Mitstreiter sind in den Achtzigern – und der AK sucht dringend Leute, die mitmachen. Betätigungsfelder gebe es genug. „Die Überalterung ist ein Problem“, sagt Wörner. Und Thomas Bleicher, der Sprecher der gesamten Agenda, pflichtet ihm bei. „Es ist überall dasselbe, ob im Sport oder der Kultur. Wir suchen junge Ältere. Wer mit 70 erleben will, dass er zu den Jungen zählt, kann gerne zu uns kommen.“

Vier Arbeitskreise sind aktiv

Der Bereich Energie ist einer von vier aktiven Arbeitskreisen der Agenda. Die anderen sind das Repaircafé (nächster Termin ist am 23. September), der AK Streuobstwiesen (die Apfelernte fällt in diesem Jahr wegen des Frosts im April mau aus, die Helfer reichen aus) und der AK Interkulturelle Vielfalt – er hat sein Jahresfest im Mai gefeiert. „Wir werden oft als Verein der Grünen angeschaut“, sagt Bleicher, der in der SPD ist, „wir sind auch kein Laden der SPD, das ist dummes Zeug. Die Lokale Agenda ist politisch neutral.“ Sie vertritt dennoch einen Standpunkt: Den der Nachhaltigkeit. Das wurde so bei der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung 1992 beschlossen. Danach gründeten sich auch in Deutschland die örtlichen Gruppen der Agenda 21.

Natürlich sei Nachhaltigkeit ein Modewort geworden, sagen Bleicher und Wörner, aber man müsse darüber nachdenken. Ein gutes Beispiel sei das Repaircafé – dort werde verhindert, dass kaputte Dinge gedankenlos weggeworfen werden. Oder die Altpapiersammlung, eines der Standbeine des AK Energie. 1999 habe man damit angefangen, erzählt Wörner, „es ist Mittel zum Zweck“. Gut 2000 Euro werden damit im Durchschnitt pro Jahr erlöst und den Schulen gespendet. Bei den drei Sammlungen im Jahr kommen Dutzende Tonnen Papier zusammen, Freiwillige stapeln die angelieferten Mengen in Container. Auch einige Flüchtlinge würden mithelfen – nur sie belohne man mit wenigen Euro. Alle andere Mitarbeit sei unentgeltlich.

Wie die Leute anlocken?

Deshalb verwahren sich Wörner und Bleicher auch gegen die Frage, ob man Freiwilligen die Mitarbeit mit einer kleinen Aufwandsentschädigung attraktiver machen könne. Aber wie die Leute anlocken? „Die Jüngeren fragen immer sofort, ‚was kriege ich’“, sagt Bleicher.

Hans Wörner und seine fünf Kollegen im AK sind schon sehr zufrieden, wenn sie Kindergartenkindern erklären, wie die Elemente in der Umwelt zusammenhängen. 40 Termine stehen bis Mitte Dezember an. „Es ist doch nicht wichtig, dass Kinder in einer virtuellen Welt unterwegs sind. Sie müssen sehen, wie die Welt wirklich ist.“

Bleicher will die Agenda bekannter machen und neue Mitstreiter gewinnen, und er möchte die Agenden stärker vernetzen. 2018 könnte es etwa die Einladung zu einer Konferenz in Gerlingen geben. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden.“




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