Lokaltermin im Belsers in Nürtingen Besonders zart, besonders fest

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In dem Nürtinger Restaurant Belsers kocht der Chef persönlich – und das auf hohem Niveau. Ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle, meint unser Tester Achim Wörner.

Christian Belser versteht sich auf gute Küche. Foto: Horst Rudel
Christian Belser versteht sich auf gute Küche. Foto: Horst Rudel

Nürtingen - Ein Ausflug nach Nürtingen im Kreis Esslingen lohnt sich allemal, allein der schönen historischen Altstadt wegen. Auch kulinarisch hat der 40 000-Einwohner-Ort etwas zu bieten – seit geraumer Zeit namentlich im Belsers.

Christian Belser, einst im saarländischen Sterne-Restaurant Hämmerle’s in die Lehre gegangen und nach internationalen Stationen unter anderem bei Lea Linster zuletzt als Souschef im Stuttgarter Le Méridien in Diensten, hat sich direkt am Marktplatz den Traum vom eigenen Restaurant verwirklicht und kocht mit entsprechender Leidenschaft. Dabei fährt der 29-Jährige, dessen großelterliche Wurzeln in Nürtingen liegen, zweigleisig, indem er in der Brasserie im Keller kleine Gerichte, darunter Flammkuchen, anbietet – und im Restaurant im Erdgeschoss mit Blick aufs Rathaus gehobene, französisch-mediterran geprägte Gastronomie. Dabei ist auch ein täglicher Mittagstisch im Angebot.

Der Chef schaut bei den Gästen vorbei

Wir sind an einem Freitagabend unterwegs und zunächst vom geschmackvoll-modernen Interieur mit flauschigen Fellen über den Stühlen angetan. Beim Service läuft derweil nicht alles ganz perfekt. Das Personal ist zwar sehr charmant, im Organisatorischen aber offenbaren sich – das Haus ist voll – kleinere Mängel. Grund zur Klage gibt es dennoch nicht, denn Fehler, wie die verspätet an die Küche weitergereichte Bestellung, werden vom Ober angesprochen. Die Wartezeit hält sich trotzdem sehr im Rahmen – und wird am Ende sogar mit einem Extragruß aus der Küche versüßt. Dazu passt, dass der Chef persönlich sich nach getaner Arbeit an den Tischen seiner Gäste sehen lässt. Das hat Stil.

Nicht zuletzt daran wird deutlich, dass Belser gute Schulen genossen hat – was im Übrigen auch und gerade für die Küche selbst gilt. Der Feldsalat mit Datteln im Speckmantel und karamelisiertem Ziegenkäse (13,20 Euro) überzeugt ebenso wie die Kartoffel-Sellerie-Cremesuppe (7,50), die durch getrockneten Thymian eine besondere Note erhält. Ein regelrechtes Gedicht ist der Skrei-Kabeljau, dessen weißes, festes, feines Fleisch harmoniert mit der Pestosoße und dem lauwarmen Couscous-Salat, im Glastöpfchen serviert (25,50). Überhaupt bietet Belser auch etwas fürs Auge, wie bei der Rinderbacke samt Barolojus (23,50): zart das Fleisch, auf der Gabel zerfallend, die Soße schön sämig und kräftig abgeschmeckt, angerichtet mit hellgrün eingefärbter Spinat-Kartoffel-Mousseline und zarten, orangenfarbenen Bundkarotten – ein Schmaus in jeder Hinsicht.

Sehr guter Gesamteindruck

Dazu findet sich in der Karte eine ordentliche Auswahl an Getränken – vom Nürtinger Bürgerbräu über Gewächse heimischer Wengerter (Weingut Dolde, Schnaitmann) bis hin zu internationalen Weinen. Keine Abstriche gibt es schließlich auch beim Dessert. Die Crème brûlée (8,50) ist mit Birnenstücken und Haselnüssen versetzt und wird mit einem erfrischenden, leicht säuerlichen Cranberry-Sauerkirsch-Sorbet serviert; und die Apfelbeignets im Weinteig (8,70), die fein nach Zimt und Zucker duften, runden den sehr guten Gesamteindruck ab. Ein Ausflug nach Nürtingen? Der könnte sich lohnen – nicht nur der historischen Altstadt wegen.

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