Lokaltermin in Ohmden Landgasthof am Königsweg: Ambitioniertes auf dem Lande

Von Anja Wasserbäch 

Der schwäbische Rostbraten kommt hier in der Luxusvariante auf den Teller, als Filet. Dennoch haben die Grampps im Landgasthof am Königsweg in Ohmden keinesfalls die Bodenhaftung verloren. Unsere Kritikerin schwärmt förmlich vom Menü! Aber ein paar Abzüge gibt’s auch.

Ambitionierte schwäbische Küche: Jennifer und Sascha Grampp Foto: Ines Rudel 7 Bilder
Ambitionierte schwäbische Küche: Jennifer und Sascha Grampp Foto: Ines Rudel

Stuttgart - Es gibt da diesen schwäbischen Witz. Der Koch fragt: „War’s recht?“ Der Gast antwortet: „Ja, recht wenig.“ Auch Jennifer Grampp, die aufmerksame und freundliche Gastgeberin im Landgasthof am Königsweg, stellt zum Schluss die schwäbischste aller Fragen – und man kommt nicht umhin, ihr ausführlich vorzuschwärmen, wie gut das Essen hier war.

Der Landgasthof am Königsweg in Ohmden stand nun zwei Jahre leer. Vormals hatte Fritz Richter hier zwei Dekaden auf Sterneniveau gekocht. Jetzt wurde renoviert. Hell und schön ist der Gastraum, in dem 40 Gäste Platz haben. Das Erbe für die neuen Wirte im 400 Jahre alten Fachwerkhaus ist groß. Doch um Auszeichnungen geht es dem Wirtsehepaar Jennifer und Sascha Grampp nicht, sondern um ambitionierte schwäbische Küche mit vorwiegend regionalen Produkten. Auf der übersichtlichen Karte: eine Menü-Empfehlung des Küchenchefs, zwei Vorspeisen, fünf Hauptgänge wie etwa Wiener Schnitzel oder Tranchen von der Fasanenbrust und zwei Desserts. Als Tagesgericht auf der Tafel: Nudeln aus dem Via-Aurelia-Käselaib. Das war’s – und das ist gut so.

Abzug für die Temperatur

Vorneweg gibt es Brot, Olivenöl, Salz, Basilikumbutter und Griebenschmalz auf einer Etagere. Aufmerksam sind sie hier. Und gehen auch auf Sonderwünsche ein. Die getrüffelten Steinpilzravioli bekommen wir als Vorspeisenvariante (eine habhafte Portion für 12 Euro). Bei dem Viergangmenü (sensationelle 46 Euro) geht es mit einem schmackhaften Kürbiscremesüppchen los, bei dem man ob der Regionalität konsequent auf die Garnelen verzichten würde. Bei der schwäbischen Burrata mit Urtomaten sind wir versöhnt. Und das Ragout vom heimischen Reh mit Kräuterseitlingen und Haselnussspätzle ist sehr gut abgeschmeckt. Der Rostbraten wird den Urschwaben vielleicht verstören, wir sind verzückt von dem guten Stück vom Filet (diese Variante kostet 30 Euro), das mit Spätzle, dreierlei Zwiebeln und einer dick- ­feisten Soße daherkommt. Leider ist das ­Gericht nicht ganz warm, doch der Wunsch nach mehr Soße, so schwäbisch muss es doch sein, wird schnell erfüllt. Die Desserts sind perfekt: die Pannacotta wie auch das Schokoladentörtchen mit flüssigem Kern (9 Euro). Ja, das hier war alles mehr als recht.

Landgasthof am Königsweg