Lokführerstreik in Stuttgart und der Region So lief der erste Streiktag an
Die Menschen in Stuttgart und der Region scheinen sich gut auf den Streik der Lokführer vorbereitet zu haben. Dennoch kam es vereinzelt zu Problemen.
Die Menschen in Stuttgart und der Region scheinen sich gut auf den Streik der Lokführer vorbereitet zu haben. Dennoch kam es vereinzelt zu Problemen.
Am späten Vormittag des ersten Streiktags der Lokführer konnte der Stuttgarter Bahn-Sprecher noch Erfreuliches vermelden: Der zuvor auf der Homepage bahn.de und im DB-Navigator veröffentlichte Notfahrplan sei „verlässlich und stabil angelaufen“. Natürlich habe der Streik erhebliche Auswirkungen auf den Regional- und Fernverkehr, wo das Angebot stark reduziert werden musste. Aber ansonsten laufe alles nach Plan.
Gegen 12 Uhr erreichte die Bahn dann die Nachricht, dass als eines von wenigen nun auch das Stellwerk in Wendlingen bestreikt werde. Das führte dazu, dass die S-Bahn-Linie 1 nicht mehr wie geplant im Ein-Stunden-Takt zwischen Kirchheim/Teck und der Schwabstraße verkehren konnte. Vielmehr endeten die Züge in Plochingen. Die Fahrgäste, die in Deizisau, Wendlingen und Kirchheim zusteigen wollten, warteten vergeblich auf eine Verbindung.
Insgesamt kann man nach dem ersten von geplanten sechs Streiktagen der Lokführer aber feststellen, dass sich die Menschen in der Region Stuttgart mit dem Streik arrangiert und sich auf die Situation eingestellt haben. Wer die Möglichkeit hatte, seine Arbeit im Homeoffice zu erledigen, hat erst gar nicht versucht, zu seinem Arbeitsplatz zu kommen. In der Zeit, in der die S-1 auf dem gesamten geplanten Streckenabschnitt verkehrte, war sie zwar ordentlich ausgelastet, aber nicht überfüllt.
Und auch die SSB als Betreiber des Stadtbahnnetzes meldete keine größeren Probleme im morgendlichen Berufsverkehr. Die Stadtbahnen seien zwar gut frequentiert gewesen, aber, sagt die Sprecherin: „Es ist nicht vorgekommen, dass jemand nicht mitgenommen werden konnte.“
Auch die Zahl und Länge der Staus auf den Straßen war überschaubar. Während die für das Autobahnnetz in der Region Stuttgart zuständigen Polizeipräsidien in Ludwigsburg und Ulm von einem ganz normalen Mittwochmorgen berichteten, gab es in Stuttgart auf der B10/B14, also auf der Uferstraße, einen rund fünf Kilometer langen Stau zwischen dem Hafen und der Poststraße, von 7.30 bis 9.30 Uhr konnte man nur im Schritttempo vorankommen. Von 7 bis 9 Uhr bildete sich zudem auf der B10/B27 zwischen der Stahlhochbrücke und Friedrichswahl ein Stau. Ein Unfall, der zur Sperrung der Rotenwaldstraße zwischen Birkenkopf und Herder-Straße führte, wiederum sorgte für Probleme auf der B 14 zwischen Schattenring und dem Heslacher Tunnel. Im Kreis Ludwigsburg mussten die Autofahrer, die auf der B 27 von Bietigheim nach Ludwigsburg fahren wollten, längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Auch hier führte erhöhtes Fahrzeugaufkommen zu Problemen.
Die Landkreise Böblingen, Rems-Murr, Esslingen und Göppingen melden hingegen keine oder nur geringe Probleme. Im Landkreis Böblingen verkehren momentan auf der Gäubahn wegen Baustellen ohnehin keine Züge. Die Schönbuchbahn wiederum ist von den Streiks nicht betroffen, da die dort eingesetzten Lokführer nicht in der GDL organisiert sind.
Der Landkreis Göppingen ist vom Streik der GDL weniger betroffen, da zwei von drei Zügen je Stunde und Richtung durch das Unternehmen GoAhead betrieben werden. Die Züge des Mex 16 mit stündlicher Verbindung nach Ulm und halbstündlicher nach Stuttgart, verkehren im Regelfahrplan. Lediglich die Züge des RE 5 fallen komplett aus.
Allerdings mussten die Menschen in den Mex-16-Zügen etwas enger zusammenrücken. „Weil die Regionalexpresse von Stuttgart nach Ulm und in die andere Richtung streikbedingt ausgefallen sind, hatten wir ein deutlich erhöhtes Fahrgastaufkommen“, erklärte eine GoAhead-Sprecherin.
Diese Tatsache bereitete ihr aber weniger Sorgen als eine Entwicklung auf der ebenfalls von GoAhead betriebenen Strecke von Stuttgart nach Karlsruhe. Weil der Karlsruher Bahnhof bestreikt wird, können die Züge aus Stuttgart nur bis Durbach fahren – und es ist schon jetzt klar, dass sich daran auch am zweiten Streiktag nichts ändern wird.
Eine erhöhte Nachfrage registriert Flixbus: „Die Nachfrage ist weiterhin hoch“, betont eine Sprecherin. Besonders beliebt seien die Verbindungen zwischen und über Metropolen, wie Berlin, Hamburg, München oder Stuttgart. Aktuell seien aber noch genügend Tickets verfügbar: „Wir sind gerade mit unseren Buspartnern in der Planung, auf welchen Strecken wir zusätzliche Busse benötigen, und werden diese nach Möglichkeit dann einsetzen.“
Keine Auswirkungen hatten dieses Mal die Bahnstreiks auf die Krankenhäuser. Alle Mitarbeiter, so heißt es übereinstimmend aus den Häusern, die auf unsere Nachfrage reagiert haben, seien rechtzeitig zum Dienst erschienen. Weil im Klinikum Stuttgart viele Mitarbeiter auf den ÖPNV umgestiegen sind, übernimmt das Klinikum während der Streiktage die Parkgebühren. Und noch eine erfreuliche Nachricht: Operationen sind wegen des Streiks nicht verschoben worden.