Ludwigsburg - Am 26. Mai wird das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig darüber entscheiden, ob es in Ludwigsburg ein Dieselfahrverbot geben wird. Und etwa einen Monat davor herrscht viel Aktionismus in der Stadt: Zunächst wurde an der Schlossstraße eine große Messstation aufgebaut, die eine kontinuierliche Messung von Luftschadstoffen erlaubt. Demnächst will die Stadt zehn weitere Messgeräte sowie zehn Luftfiltersäulen vor allem an der Schlossstraße installieren. Doch nichts davon stehe in Zusammenhang mit dem von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) angestrengten Prozess, erläutern die Beteiligten. Dass sich die Aktionen bündeln, sei reiner Zufall.
Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) erfasst die Daten für die Schadstoffmessungen. Dafür stand bis März 2020 an der Friedrichstraße eine große Anlage zur Messung von Feinstaub- und Stickoxidwerten in der Luft. Dann wurde sie abgebaut und seither gab es dafür Kritik sowohl von der Stadt Ludwigsburg als auch von der DUH. Der Abbau war damit begründet worden, dass an der Friedrichstraße eine Dauerbaustelle ist, weshalb dort nur falsche Werte ermittelt werden könnten. Nach Ansicht von DUH-Chef Jürgen Resch ist das ein „fadenscheiniger Grund“. Er meinte im Sommer 2020, die Regierung solle lieber die Probleme lösen und nicht den Übermittler der schlechten Botschaften eliminieren.
In Ludwigsburg fehlte es an aussagekräftigen Werten
Auch Matthias Knobloch, der Leiter des Fachbereichs Nachhaltige Mobilität, meint: „Es wäre nach unserer Auffassung das einfachste gewesen, die Anlage an der Friedrichstraße ab- und sie an der Schlossstraße wieder aufzubauen.“ Denn seit Anfang 2020 sei auch klar gewesen, dass die Luft auf der B 27 im Bereich des Schlosses besonders schlecht sei. Doch an dieser Stelle gab es seither nur eine Reihe sogenannter Passivsammler – sehr viel kleinere Geräte, die nur monatliche und damit keine aussagekräftigen Ergebnisse liefern. Genau das aber wäre nötig, um feststellen zu können, zu welchen Zeiten und bei welcher Witterung die Luftwerte besonders kritisch sind.
Dass die LUBW nun etwas über ein Jahr später in Ludwigsburg doch wieder eine große Messstelle installiert, habe nichts mit dem anstehenden Gerichtstermin in Leipzig zu tun, versichert Pressesprecherin Tatjana Erkert. „Wir entscheiden nicht selbst, wo wir messen.“ Das geschehe im Auftrag von Regierungspräsidium und Verkehrsministerium. Auch hier gebe es eine Prioritätenliste, denn solche Messstation seien auch teuer.
Modellprojekt gemeinsam mit Bosch
Und nicht nur das. Offenbar stellt auch die dafür nötige Technologie schon die Hersteller vor große Herausforderungen. Das hat auch bei einem Modellprojekt der Stadt Ludwigsburg mit der Firma Bosch zu Verzögerungen geführt: Seit anderthalb Jahren sollen an neuralgischen Punkten in der Stadt zehn neu entwickelte Messgeräte aufgestellt werden.
„Doch die Geräte haben nicht richtig funktioniert“, sagt der städtische Mobilitätsmanager. „Die Sache ist natürlich auch sehr diffizil, denn sie müssen ja milliardstel Teilchen von Feinstaub oder Stickoxiden messen.“ Mittlerweile aber scheint die Technik so weit gereift. In zwei Wochen sollen die zehn Bosch-Messstationen aufgestellt werden. „An der Schlossstraße, aber auch an anderen Stellen in der Stadt“, sagt Matthias Knobloch.
Filtersäulen zur Abwehr eines Fahrverbots
An der Schlossstraße könnte es damit bald eng werden. Denn zu den Messgeräten von Bosch und dem von der LUBW werden sich bald noch zehn Filtersäulen der Firma Mann + Hummel gesellen. Auch diese Säulen – eine Art Staubsauger, die die Schadstoffe aus der Luft holen – sollten ursprünglich an der Friedrichstraße installiert werden. Ende 2020 hat der Gemeinderat zugestimmt, dass diese großen Filter nun an die B 27 kommen.
Die Installation dieser Luftreiniger ist Teil einer Liste von Maßnahmen, die Ludwigsburg angestrengt hat, um einem Fahrverbot zu entgehen. Die zusätzliche Messgeräte von Bosch hätten jedoch nichts mit der am Verwaltungsgericht anhängigen DUH-Klage zu tun, versichert Knobloch: „Bei diesem Modellversuch geht es vor allem darum, Verkehrsbelastungen zu erfassen. Es geht um Informationen für uns.“