Lufthansa & Co. Wachsende Lust am Aufbegehren

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Ob Lokführer, Luftsicherheitskräfte oder Lufthansa-Beschäftigte: Streiks werden zu einer dauerhaften Begleiterscheinung des Alltags. Dies ist nicht nur eine Frage des Geldes, meint Matthias Schiermeyer.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Jetzt ist die Zeit! Nach diesem Motto rollt seit einigen Wochen eine gewaltige Streikwelle über die Republik – sei es bei der Deutschen Bahn, den Luftsicherheitskräften und an mehreren Stellen bei der Lufthansa, sei es im Nahverkehr der Kliniken. Die Motivation der Beschäftigten ist klar: Die Inflationsrate sinkt, doch entwerten die nach wie vor hohen Preise die Reallöhne – der Ansporn, für bessere Einkommen zu sorgen, ist gerade bei den weniger gut verdienenden Beschäftigten enorm. Je geringer das Einkommensniveau, desto höher ist die Konfliktbereitschaft.

 

Mit gewachsenem Selbstbewusstsein auf die Straße

Doch es kommt noch ein Momentum hinzu. Es ist das bei vielen Beschäftigten gewachsene Gefühl, dass der Einzelne einer als ungerecht empfundenen Situation nicht mehr ausgeliefert ist, sondern dass sich individuelle Gegenwehr lohnen kann. So gehen nicht nur mehr Menschen ermutigt auf die Straße, sie treten auch verstärkt in die Gewerkschaften ein, um in Gemeinschaft noch mehr zu bewirken. Dass diese ihre Konfrontationsstrategie dadurch noch bestärkt sehen, versteht sich von selbst. Insofern wurde da eine Dynamik losgetreten, die von Dauer sein dürfte.

Nun halten den Gewerkschaften zugeneigte Wissenschaftler weiterhin dagegen, dass Deutschland bezüglich der Streikhäufigkeit noch immer im europäischen Mittelfeld liegt. Alles im Normalbereich, lautet die Botschaft. Ist es das? Wenn Werneke, Weselsky & Co. unbeirrt offensiv vorangehen und sich konkurrierende Gewerkschaften auch künftig gegenseitig befeuern, woran kein Zweifel bestehen kann, dann wird dieses Argument immer schwächer. Ohnehin gibt die Streikstatistik keinen wirklichen Aufschluss über die Anfälligkeit des alltäglichen Lebens in der öffentlichen Daseinsvorsorge. Ausfälle etwa im Verkehrsbereich spüren die Menschen sofort – und gerade da wird ihre Leidensfähigkeit immer öfter arg strapaziert.

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