Lufthansa Keine „Damen und Herren“ an Bord

Lufthansa:  künftig mit Gästen statt mit Damen und Herren unterwegs Foto: dpa/Boris Roessler
Lufthansa: künftig mit Gästen statt mit Damen und Herren unterwegs Foto: dpa/Boris Roessler

Die Lufthansa verzichtet künftig auf die Begrüßung „Damen und Herren“. Um auch wirklich alle Gäste an Bord anzusprechen, wie eine Sprecherin betont.

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Frankfurt/Main - Sprachgewohnheiten verändern sich, in diesen Tagen ganz besonders schnell. Nachdem mehrere Nahverkehrsbetriebe am vergangenen Freitag erklärt hatten, den Begriff „Schwarzfahren“ nicht mehr zu verwenden, kündigte die Lufthansa nun an, dass sie in Zukunft an Bord ihrer Maschinen auf die Begrüßungsformel „Sehr geehrte Damen und Herren“ verzichten werde. Gleiches gilt für das englische Pendant „Ladies and Gentlemen“.

„Uns ist es wichtig, dass sich jeder angesprochen fühlt. Künftig werden die Crews die Passagiere daher mit geschlechtsneutralen Formulierungen willkommen heißen“, bestätigte eine Unternehmenssprecherin am Dienstag. „Wir haben internationales Personal und viele diverse Gäste, daher ist Vielfalt seit Jahren ein großes Thema für uns“, betonte sie. „Gendergerechte Sprache ist ein weiterer Schritt. Unsere Gäste sollen sich in ihrer ganzen Vielfalt angesprochen fühlen.“ Statt „Damen und Herren“ erklingen durch die Bordlautsprecher in Zukunft Formulierungen wie „Guten Tag“, „Guten Abend“, „Liebe Gäste“ oder auch einfach „Herzlich willkommen an Bord“.

Gäste statt Damen und Herren

Die Regelung gilt für alle Airlines des Konzerns einschließlich Austrian, Swiss, Eurowings und Brussels Airlines. Die Mitarbeiter seien Ende Mai darüber informiert worden, einen wirklichen Stichtag gebe es aber nicht, sagte die Sprecherin. Auch könne sie nicht ausschließen, dass die Passagiere ab und zu noch ein „Sehr geehrte Damen und Herren“ hören würden. „Uns wäre es aber lieber, wenn die Crews gendergerechte Sprache verwenden.“ Bisher habe es noch keine negativen Reaktionen gegeben: „Wer sollte sich an ‚Liebe Gäste‘ auch stören?“

Vier Tage zuvor hatten die Nahverkehrsbetriebe in München, Nürnberg und Berlin angekündigt, statt „Schwarzfahren“ den Begriff „Fahren ohne gültigen Fahrausweis“ zu verwenden. Gedacht, um dem Vorwurf des Rassismus zu entgehen, wobei der Begriff „Schwarzfahren“ nichts mit der Hautfarbe zu tun hat und auf das jiddische Wort für arm – „shvarts“ – zurückgeht. Die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) begrüßte die Ankündigung der drei Nahverkehrsbetriebe. „Auch wenn Schwarzfahren überhaupt nicht rassistisch angelegt war, ist trotzdem die Wirkung bei Betroffenen, dass Schwarz für etwas Negatives steht, für Kriminalität etwa oder Illegalität“, erklärte Sprecher Tahir Della.

Nahverkehr und Bahn vermeiden „Schwarzfahren“

Auch die Deutsche Bahn verzichtet auf den Ausdruck. „Wir vermeiden den Begriff. Stattdessen sprechen wir in diesem Zusammenhang von ‚Fahren ohne gültigen Fahrausweis‘. Das ‚Schwarzfahren‘ ist kein offizieller Begriff, zumal das Wort als solches nicht selbsterklärend ist“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Und was ist mit den Damen und Herren? Vielfalt und Toleranz seien Teil der Unternehmensidentität der Bahn, „daher sprechen wir auch eine Sprache, von der sich niemand diskriminiert fühlt“.

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