Lufthansa und Germanwings Lufthansa überlässt Germanwings Europa

Von Jörg Nauke 

Mehr Fluggäste und gleichzeitig weniger Fluglärm: Die neue „Lufthansa Group“ hat große Pläne für den Stuttgarter Flughafen.

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Stuttgart - Die Lufthansa und ihre Tochter Germanwings teilen sich künftig die Aufgaben im Flugverkehr. Mit einem gemeinsam beworbenen Auftritt unter dem Titel „Lufthansa Group“ wollen sie das Angebot für die Kunden um 30 Prozent erhöhen – bei zehn Prozent weniger Lärm durch den Einsatz leiserer Flugzeuge. Berührungsängste gibt es nicht. Die Geschäftsmodelle hätten sich längst angenähert. So wie Lufthansa günstige Tickets anbiete, habe die Billigflugtochter ihren Service erhöht und biete Sitze mit mehr Beinfreiheit und Essen à la carte an, sagte Lufthansa-Vorstandsmitglied Carsten Spohr. Mit einem Marktanteil von fast 40 Prozent sei man künftig Marktführer in Stuttgart. Derzeit ist das noch Air Berlin.

Die Verzahnung beider Marken beginne in Stuttgart. Der Flughafen habe für die Lufthansa eine Vorbildfunktion. Die Kooperation diene 2012 als „Blaupause“ auch für andere Standorte. Das „Modell Stuttgart“ sieht vor, dass Germanwings von Februar an London (mit dem Airbus A 319 erhöht sie die bisherige Sitzzahl pro Flug um 50 Prozent auf 150) und im Laufe des Sommers dann die übrigen vier europäischen Ziele Bilbao, Brüssel, Manchester und Mailand-Malpensa für die Lufthansa ab Stuttgart bedienen wird.

Venedig, Catania und Dubrovnik

Außerdem nimmt Germanwings Venedig, Catania und Dubrovnik neu in seinen Flugplan auf und erhöht so die Zahl der Ziele von 39 auf 48. Dafür werden zehn Maschinen in Stuttgart stationiert. Das Unternehmen will 110 Mitarbeiter neu einstellen. Es erhofft sich eine Steigerung der jährlichen Passagierzahl in Stuttgart von zwei Millionen auf 2,7 Millionen – und dies ohne zusätzliche Starts und Landungen, sondern nur über den Einsatz größerer Maschinen. Die Lufthansa kalkuliert mit einem Rückgang von 200.000 Fluggästen.

Innerdeutsche Linien würden weiterhin von beiden Gesellschaften bedient. So werden die Flughäfen Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München exklusiv von Lufthansa angeflogen, während Germanwings nach Dresden, Hannover, Rostock, Leipzig und künftig auch nach Bremen fliegt. Berlin werde von beiden Airlines angesteuert, allerdings stimme man künftig die Angebote untereinander ab.

Als Gewinner darf sich der Flughafen Stuttgart fühlen. „Das ist für uns eine Riesenchance“, sagte Geschäftsführer Georg Fundel. Das Angebot werde attraktiver, die Passagierzahlen würden steigen – und dies ohne zusätzliche Flugbewegungen. Verlierer der Marktbereinigung ist die Contact Air, die mit sechs ihrer acht kleinen Fokker-Maschinen bisher im Auftrag der Lufthansa die europäischen Ziele von Stuttgart aus angeflogen hat. Der Vertrag mit Lufthansa werde nicht verlängert, bestätigte Carsten Spohn. Das 1974 gegründete Unternehmen hat seinen Sitz in Filderstadt. Nach Firmenangaben sind 330 Mitarbeiter für Contact Air tätig: darunter 83 Piloten, 90 Flugbegleiter, 117 Mitarbeiter in Technik und Werft sowie 40 in Verwaltung und Flugbetrieb. Die Geschäftsführung war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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