Mangel bei der Feuerwehr Junge Kameraden finden oft keine Wohnung

Von Patrick Steinle 

Dass der Immobilienmarkt auf den Fildern angespannt ist, macht sich auch in den Reihen der Feuerwehren bemerkbar. Denn wenn der Nachwuchs keine Wohnung findet, zieht er weg.

Der Wohnraummangel bereitet den Feuerwehren Kopfzerbrechen. Foto: 7aktuell.de/Andreas Friedrichs
Der Wohnraummangel bereitet den Feuerwehren Kopfzerbrechen. Foto: 7aktuell.de/Andreas Friedrichs

Filder - Auf der Feuerwehr-Homepage wird jetzt sogar schon nach freien Wohnungen gefahndet. „Immobilien gesucht!“ steht da präsent auf der Startseite der Freiwilligen Feuerwehr Degerloch-Hoffeld. Gesucht wird für Kameradinnen und Kameraden. Dass sich meist nur schwer etwas finden lässt, dieses Problem kennt Frank Althoff nur zu gut.

Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Degerloch-Hoffeld muss oft Abschied von jungen Kollegen nehmen. Grund für die Abgänge seien Studienplätze oder dass das Interesse am Hobby schwinde. Doch das Hauptproblem ist ein anderes, denkt Althoff. „Jeder will irgendwann von zu Hause ausziehen“, sagt er. Doch die Mieten auf den Fildern seien zu hoch, der Wohnraum zu knapp.

Schrumpfende Mitgliederzahlen durch den Engpass

Die Freiwillige Feuerwehr spürt diesen Engpass an schrumpfenden Mitgliederzahlen. Weil die jungen Leute wegziehen. Das beste Beispiel kommt aus der eigenen Familie: Sein Sohn, Julian Althoff, sagt: „Ich wollte nicht weg.“ Er sei bereits zweimal innerhalb von Degerloch umgezogen, das sei ihm nur durch persönliche Kontakte gelungen. Als er mit seiner Freundin zusammenziehen wollte, fand er nichts Passendes. „In Degerloch und Umgebung gab es keine Wohnung in entsprechender Größe, zumindest nicht bezahlbar“, erzählt Julian Althoff. Deshalb zog es das Paar 2018 in den Landkreis Böblingen.

Die Feuerwehrarbeit in Degerloch wurde damit unmöglich. Wieder ein Verlust für die Abteilung. Der Abschied fiel Julian Althoff schwer: „Die Kameradschaft, auch außerhalb des Dienstes, ist super.“ Dennoch musste er nach 18 Jahren aufhören.

Viele treten am neuen Wohnort der Feuerwehr bei

Weil das kein Einzelfall sei, wünscht sich sein Vater Frank Althoff Hilfe von der Stadt. Christopher Haigis, Sprecher der Feuerwehr Stuttgart, gibt Althoff recht. Das Problem sei nicht zu übersehen. Jedoch beschäftige das nicht nur die Feuerwehr. In Stuttgart suchten viele Menschen Wohnungen. „Wo fangen wir an? Wo hören wir auf?“, so Haigis. Feuerwehrmitglieder können deshalb nicht bevorzugt werden. Außerdem: „Leute, die wegziehen, gehen dort dann oft wieder zur Feuerwehr“, sagt er. Auch hier taugt erneut Julian Althoff als Beispiel. Am neuen Wohnort ist er sofort der Freiwilligen Feuerwehr beigetreten. Das habe für ihn sogar eine entscheidende Rolle bei der Wohnungssuche gespielt, sagt er. Die Krux: In Stuttgart kommt trotzdem wenig Nachwuchs dazu.

Nicht nur in Stuttgart ist das Zusammenspiel von Wohnraummangel und Schwund bei der Feuerwehr ein Thema; auch Jochen Thorns kennt das Problem. Der Kommandant aus Filderstadt hat bisher zwar nur von Einzelfällen gehört, es sei aber eine „Aufgabe für die Zukunft“. Vor allem wenn sie Familie gründen, würden Mitglieder wegziehen, so Thorns. Für ihn steht fest, dass man bezahlbaren Wohnraum schaffen müsse. Auch städtische Wohnungen für Mitglieder oder Sozialpunkte für den Immobilienerwerb in Neubaugebieten seien denkbar. Thorns erzählt, er sei bereits Ende 2019 auf die Stadt Filderstadt zugegangen. Diese habe sich den Ideen des Kommandanten gegenüber aufgeschlossen gezeigt.

Die Kartei an Wohnungssuchenden ist groß

Für Filderstadts OB Christoph Traub ist die Feuerwehrarbeit „ein besonderes Ehrenamt“, wie er sagt. Weil sich die Mitglieder zum Wohl der Bevölkerung selbst in Gefahr brächten. Jedoch dürfe man auch andere Menschen dabei nicht vergessen. „Die Kartei an Wohnungssuchenden in der Stadt ist groß“, sagt Traub.

Im Gespräch sei deshalb nicht nur das Thema Wohnraum, sondern auch andere Vorteile für Ehrenamtliche. Zum Beispiel Vergünstigungen für die Stadtbibliothek oder Sport- und Fitnessangebote. „Einige Bausteine sind realistisch. Nun müssen wir schauen, wo es rechtliche und steuerliche Grenzen gibt“, erklärt Christoph Traub. Bis November soll hier mehr Klarheit herrschen.

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