Marie Versini gestorben Für immer Winnetous Schwester Nscho-tschi

Marie Versini als Winnetous Schwester Nscho-tschi Foto: imago images/Mary Evans 6 Bilder
Marie Versini als Winnetous Schwester Nscho-tschi Foto: imago images/Mary Evans

Es war die Kinorolle ihres Lebens: Als Winnetous kleine Schwester Nscho-tschi wurde Marie Versini vor fast sechzig Jahren berühmt. Nun ist die französische Schauspielerin im Alter von 81 Jahren gestorben.

Kultur: Ulla Hanselmann (uh)
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Stuttgart - Eine einzige Filmrolle machte sie zur Legende: Als Winnetous kleine Schwester Nscho-tschi hat sich Marie Versini an der Seite von Pierre Brice und Lex Barker in das Gedächtnis von Millionen Fans der Karl-May-Verfilmungen in den sechziger Jahren eingeschrieben. Am Montag, 22. November, ist die französische Schauspielerin im französischen Guingamp im Alter von 81 Jahren gestorben, wie ihre deutschsprachige Homepage informiert. „ Sie dankt allen ihren Fans für ihre Freundschaft und Loyalität“, heißt es dort weiter. Zunächst hatten die „Bild“-Zeitung und weitere Medien berichtet.

Horst Wendlandt hat sie engagiert

Marie Versini, 1940 in Paris geboren, erhielt ihre Schauspielerausbildung am Conservatoire national supérieur d’art dramatique und begann ihre Karriere am Theater; mit 17 Jahren war sie jüngstes Mitglied der Comédie Française. 1957 wurde sie für ihre erste Filmrolle in „A Tale of Two Cities“ engagiert, in den folgenden Jahren kamen weitere französische und englische Filme hinzu. Nach Deutschland kam sie 1962 durch den Regisseur Rolf Thiele für „Das schwarz-weiß-rote Himmelbett“, wo sie an der Seite von Thomas Fritsch spielte. In dieser Rolle habe sie der Filmproduzent Horst Wendlandt gesehen und für die Rolle der Nscho-tschi engagiert, heißt es auf ihrer Homepage.

Ein Kindertraum wird Wirklichkeit

Damit sei ihr „Kindertraum Wirklichkeit geworden“, denn schon als Siebenjährige habe sie davon geträumt, Nscho-tschi zu sein, nachdem ihr Vater ihr aus Deutschland das „Winnetou“-Buch mitgebracht habe. In dem Kinofilm „Winnetou 1. Teil“ (1963) unter der Regie von Harald Reinl verliebt sie sich unsterblich in Old Shatterhand, gespielt von Lex Barker, und stirbt einen tragischen Tod: Angeschossen vom Schurken Santer (Mario Adorf) liegt sie in den Armen des großen Apachenhäuptling-Freunds und gesteht ihm ihre Liebe, bevor sie für immer die Augen schließt.

Sie spielte noch in vier weiteren Karl-May-Filmen mit, in „Der Schut“ (1964), „Durchs wilde Kurdistan“ (1965) sowie „Im Reiche des silbernen Löwen“ (1965). Als Nscho-tschi erschien sie jedoch noch ein zweites Mal auf der Leinwand – 1966 in „Winnetou und sein Freund Old Firehand“, eine Art Prequel zum ersten Winnetou-Film.

Cover-Star bei „Bravo“

Die junge Französin war ein wesentlicher Teil des Sensationserfolgs der Karl-May-Filme; sie wurde zum Idol von Millionen von Teenagern und zum beliebten Cover-Girl der Jugendzeitschrift „Bravo“. „Die deutschen Medien sind voll des Lobes“, schrieb sie auf ihrer Homepage. „In der Jugendzeitung ,Bravo’ erscheine ich mit Pierre Brice und Lex Barker immer wieder in unzähligen Bildern.“

Für immer Nscho-tschi

1974 heiratete sie den Schriftsteller und Regisseur Pierre Viallet. Versini wirkte 1966 in dem französisch-amerikanischen Kriegsfilm „Brennt Paris?“ mit Jean-Paul Belmondo mit; in ihrem Heimatland Frankreich konnte sie jedoch als Filmschauspielerin nie wirklich Fuß fassen. Nach dem Abebben des Karl-May-Hypes arbeitete sie häufig in Deutschland, wo sie in einer Reihe von Fernsehproduktionen mitspielte („Sergeant Berry“, „Paul Temple“). 2016 war die Französin im ersten Teil des RTL-Dreiteilers „Winnetou – Der Mythos lebt“ in einer kleinen Gastrolle zu sehen. Der Titel ihrer 2003 veröffentlichten Autobiografie lautete „Ich war Winnetous Schwester“ – die Rolle der Nscho-tschi hat Marie Versini nie wieder losgelassen.




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