Krimikolumne

Mark Allen Smith: „Der Experte“ Mit Hämmern und Hornissen

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Um an Fakten zu kommen, setzen die Profifolterer in Mark Allen Smith’ „Der Experte“ schon mal Hornissen ein. Liebhaber wespenbrummender Qualszenen werden an dem Buch ihre Freude haben. Andere Leser können aber durchaus auch was anderes lesen.

Hornissen – hier frisst eine gerade eine Biene – sind ausgesprochen interessante Geschöpfe. Mark Allen Smith setzt sie sogar in seiner Folterkammer ein. Foto: dpa
Hornissen – hier frisst eine gerade eine Biene – sind ausgesprochen interessante Geschöpfe. Mark Allen Smith setzt sie sogar in seiner Folterkammer ein. Foto: dpa

Stuttgart - Geiger ist kein Mann, der nach dem Motto „kurz und schmerzlos“ handelt. Geiger ist emeritierter Informationsbeschaffer, man könnte auch Folterer sagen. Wo immer wer bestimmte Infos brauchte und über die Möglichkeiten verfügte, einen wie Geiger zu engagieren, bekam er sie auch. Wie es in dieser Branche zugeht, beschreibt Mark Allen Smith in seinem Thriller „Der Experte“, dem neuen Roman um den zuerst in „Der Spezialist auftauchenden Geiger, mit großer Detailfreude. Er erzählt auch, weshalb Geiger seinen Job an den Nagel hängte und wie böse Mächte ihn zurück in die Folterkammer zwingen wollen.

Das ist gewiss nicht unspannend erzählt, Liebhaber des Genres werden ihre Freude an den Methoden haben, mit denen die Protagonisten sich und anderen wehtun: Skalpelle, Hämmer, Hornissen et cetera. Aber trotz einiger halbphilosophischer Ausführungen über das Wesen des Schmerzes bleibt das Buch im Ungefähren hängen. „Der Experte“ trägt keinen nennenswerten Ballast tieferer Einsichten mit sich, was für so ein Stück Unterhaltungsliteratur ja auch keineswegs Vorschrift wäre. Aber so steht am Ende des Gemetzels ein freundlich-reserviertes „So what?“ – schließlich wartet schon das nächste Buch auf dem Stapel.

Nur eins vielleicht noch: Mr. Smith sollte möglicherweise nicht nur „bei jeder sich bietenden Gelegenheit Musik machen oder Softball spielen“, wie uns der Klappentext verrät. Er wie auch der Übersetzer, die Textredakteurin und der Lektor könnten hin und wieder mal einen Blick in ihre alten Französischfibeln werfen, auf dass die Zahl der Schnitzer (nur ein Beispiel: „Tu m’avez manqué“ – „Du haben mir gefehlt“) etwas kleiner werde.

Mark Allen Smith: „Der Experte“. Roman, aus dem Englischen von Dietmar Schmidt. Bastei Lübbe, Köln 2013. Paperback, 445 Seiten, 14,99 Euro. Auch als E-Book, 11,99 Euro.