Marode Schulen in Stuttgart Schulleiter: Nachschlag bei Sanierungen

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Viele Stuttgarter Schulen sind technisch und baulich in einem inakzeptablen Zustand. Das kritisieren die geschäftsführenden Schulleiter. Sie verlangen rasche Nachbesserungen, mehr Personal im Schulverwaltungsamt für die Bauunterhaltung und klare Ansprechpartner.

Nicht nur am Ferdinand-Porsche-Gymnasium muss Hand angelegt werden. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Nicht nur am Ferdinand-Porsche-Gymnasium muss Hand angelegt werden. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Viele Stuttgarter Schulen sind technisch und baulich in einem inakzeptablen Zustand – und der verschlechtere sich von Jahr zu Jahr. Das kritisieren jetzt die geschäftsführenden Schulleiter im Zuge der anstehenden Haushaltsberatungen. In einem gemeinsamen Antrag an die Stadtverwaltung verlangen sie rasche Nachbesserungen, mehr Personal im Schulverwaltungsamt für die Bauunterhaltung und klare Ansprechpartner. Im Schulbeirat am Dienstag begründeten sie, weshalb der Zustand ihnen massive Probleme mache.

„Es kann so nicht weitergehen“, erklärte Michael Hirn, der geschäftsführende Leiter der Sonderschulen stellvertretend für die Kollegen aller anderen Schularten. „Die Prozesse dauern zu lange und sich unübersichtlich für die Schulen“, ergänzte er im Blick auf die komplexen Abläufe in der Stadtverwaltung. Es sei „Teil des Problems, dass wir Teil einer großen Stadtverwaltung sind“, so Hirn. Er und seine Kollegen beantragen deshalb, „die Rahmenbedingungen für eine zügigere, an den pädagogischen Aufgaben ausgerichtete, verlässliche und transparente Verbesserung der baulichen und technischen Verhältnisse der Schulen in Trägerschaft der Landeshauptstadt zu schaffen“, wie es in dem Antrag heißt.

Schulleiter wollen bei kleineren Maßnahmen Handwerker selber beauftragen

Konkret schlagen die Schulleiter vor, „die Bauunterhaltung des Schulverwaltungsamts so mit Mitteln und Stellen auszustatten, dass Schulen, die mehr als ein bis zwei Jahre auf eine größere Sanierung warten müssen, mit kleinen Maßnahmen die Wartezeit überbrücken können“. Als Beispiele nennen sie Malerarbeiten in Klassenzimmern, Fluren, Treppenhaus, Toilettensanierung, den Einbau von Präsentationsmedien, die Erweiterung der EDV-Ausstattung. Die Schulen, so heißt es in dem Antrag weiter, „sollten auch die Möglichkeiten erhalten, derartige Maßnahmen nach Rücksprache mit dem Schulverwaltungsamt eigenverantwortlich mit Loshandwerkern durchzuführen“. Auch Teilprojekte wie etwa eine Elektrosanierung sollen nach dem Wunsch der Schulleiter vorgezogen werden, damit etwa bei der EDV-Ausstattung Zwischenschritte gemacht werden könnten „und die pädagogische Weiterentwicklung der Schule nicht übermäßig gebremst wird“.

Zudem fordern die Schulleiter, die Vorgaben beim Brand- oder Denkmalschutz, Garten- und Friedhofsamt „möglichst so auszulegen, dass die pädagogischen Aufgaben der Schulen nicht mehr als unbedingt und vorgeschrieben behindert werden“. Gegebenenfalls sollten eben die rechtlichen Grundlagen angepasst werden, finden die Schulleiter. Der Zustand vieler Stuttgarter Schulen behindere deren Arbeit erheblich, stellen sie fest. Dies schlage sich nicht nur beim Bildungserfolg nieder, sondern sei auch im Blick auf die Attraktivität der Schulen bedenklich – für Schüler, aber auch für Lehrer. Und hierbei konkurriere Stuttgart mit den Umlandgemeinden. Hinzu komme noch der hohe Wohnungs- und Kostendruck in der Landeshauptstadt.

Bürgermeisterin sieht bei Abläufen in der Stadtverwaltung noch Optimierungsspielräume

Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) räumte ein, sie könne den Antrag nachvollziehen: „Wir hängen bei den Schulsanierungen mit Maßnahmen hinterher, können Zeitpläne nicht einhalten.“ Sie kündigte an, ihr Schulverwaltungsamt umzuorganisieren – beim Aufgabenspektrum, aber auch bei der Zusammenarbeit mit dem Hochbauamt. Auch bei der Stadtverwaltung insgesamt sehe sie im Blick auf die Abläufe bei Sanierungsvorhaben „durchaus noch Optimierungsspielräume“. Allerdings gehe das alles „nicht zum Nulltarif“, so Fezer. Denn personell brauche das Schulverwaltungsamt noch „deutliche Unterstützung“. Iris Ripsam (CDU) stellte klar: „Wir haben seit mehr als zehn Jahren genug Geld im System – es mangelt nicht am Geld, sondern am Personal und an Firmen, die umsetzen.“

Hirns Vorschlag, eine Stabsstelle zur Koordinierung einzurichten, lehnten Ripsam, aber auch Fezer ab, zumal dies nur der OB verfügen könne. „Wir müssen klarere Organisationsstrukturen schaffen“, räumte die Bürgermeisterin ein – aber innerhalb des Schulverwaltungsamts.

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