Martin Strobel zur Handball-EM „Ungarn wird das Spiel der Spiele“

Martin Strobel (li.) in seiner Funktion als DHB-Elite-Mentor bei der U-21-WM mit Nils Lichtlein. Foto: imago//Marco Wolf

Martin Strobel war früher der Denker und Lenker in der Handball-Nationalmannschaft. Vor dem EM-Spiel gegen Ungarn spricht der Ex-Balinger über die Defizite im deutschen Angriff, Spielmacher Juri Knorr und die Chancen der DHB-Auswahl.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Die deutschen Handballer wollen mit einem Sieg an diesem Montag (20.30 Uhr/ZDF) ihre Chance aufs EM-Halbfinale wahren. Martin Strobel (37), der langjährige Spielmacher der Nationalmannschaft und des HBW Balingen-Weilstetten, gibt seine Einschätzung ab.

 

Herr Strobel, wo lag das Problem im deutschen Angriff beim 22:22 gegen Österreich?

Zunächst einmal haben die Österreicher gut, aggressiv und flexibel verteidigt. Sie haben auch unserem Kreisläufer Johannes Golla wenig Räume gelassen, er kam zu wenig Abschlüssen. Und ihr Keeper Constantin Möstl hat eine Wahnsinnsleistung gezeigt.

Das DHB-Team muss sich doch aber an die eigene Nase fassen?

Wir waren zu statisch, es fehlte die Bewegung, das Spiel war zu wenig in der Breite angelegt und das mutige Tempospiel ging uns auch ab. Und natürlich hat die Mannschaft auch viele gut herausgespielte Chancen fahrlässig vergeben. Es war eine Mischung aus zu vielen technischen Fehlern und der Abschlussschwäche.

Handball ist ein Sport der Automatismen. Doch einstudierte Spielzüge, Laufwege, Passkombinationen sind nicht zu erkennen.

Gegen Österreich hat es nicht funktioniert, da hatten wir Riesenprobleme im gebundenen Spiel, es kam auch viel zu wenig aus dem rechten Rückraum. In den Spielen davor hat es besser geklappt, das betrifft speziell auch die Kooperation mit dem Kreis.

„Halben besser einbinden“

Viel prasselt auf Spielmacher Juri Knorr ein. Was geht in ihm vor?

Ich kann mich gut in ihn reinversetzen. Er ist ein Leistungssportler, auf dem der Fokus liegt und der das Optimale herausholen will. Er ist sehr gut ins Turnier gestartet ist. Jetzt aber wächst der Druck vor dieser mega Kulisse in Köln, die ich gegen Österreich selbst in der Lanxess-Arena erleben durfte. Er wird daraus lernen und versuchen, die Rückraum-Halbspieler besser ins Spiel einzubinden. Absolut positiv ist, dass er Verantwortung übernimmt, nie aufgegeben hat, immer wieder versucht hat, in die Lücken zu gehen.

Sie sind beim DHB als Elite-Mentor für die Entwicklung der Top-Talente zuständig. Haben Sie während der EM Kontakt zu den U-21-Weltmeistern?

Nein, während des Turniers lasse ich sie in Ruhe. Wir hatten vor der EM Kontakt und werden nach dem Turnier gemeinsam Rückschau halten. Dabei gebe ich mein Feedback. Wir sammeln die Erkenntnisse dann für die jeweiligen Trainer. Es freut mich sehr, dass fünf junge Spieler dabei sind, sie müssen ihre Rolle in der A-Nationalmannschaft noch finden.

Wie läuft’s gegen Ungarn?

Die Truppe ist körperlich enorm stark. Das wird eine ähnliche Partie wie gegen Österreich. Das wird das Spiel der Spiele. Wir müssen gewinnen, wir werden gewinnen. Und ich glaube auch an die Schützenhilfe von Frankreich gegen Österreich, auch weil sich ihr breiterer Kader immer mehr auszahlen wird, je länger die EM geht.

Wer holt den Titel?

Dänemark setzt sich im Finale gegen Frankreich knapp durch.

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