Mediatoren für Aufarbeitungsprojekt im Gespräch Brüdergemeinde schlägt zwei neue Mediatoren vor

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Die Brüdergemeinde bringt zwei neue Namen in die Debatte ein. Offen ist, ob sie tätig werden. Die betroffenen Missbrauchsopfer bleiben skeptisch.

Detlev Zander mit Erinnerungen an seine Heimzeit in Korntal. Foto: dpa
Detlev Zander mit Erinnerungen an seine Heimzeit in Korntal. Foto: dpa

Korntal-Münchingen - Elisabeth Rohr und Gerd Bauz, beide aus dem hessischen Frankfurt, sollen den Aufarbeitungsprozess in Korntal wieder in Gang bringen. Das geht aus einer Mitteilung der evangelischen Brüdergemeinde hervor. Bauz war Leiter des evangelischen Instituts für Personalberatung, Organisationsentwicklung und Supervision, ehe er im März in den Ruhestand verabschiedet wurde. Rohr ist Erziehungswissenschaftlerin und unter anderem als Supervisorin tätig.

In den Kinderheimen der Gemeinde soll es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts über mehrere Jahre zu Fällen von psychischer und physischer Gewalt gekommen sein. Öffentlich gemacht hatte die Vorfälle Detlev Zander. Er wollte die Brüdergemeinde 2014 auf Schadensersatz verklagen, scheiterte aber zunächst mit seinem Antrag auf Prozesskostenhilfe. Gleichwohl war das Thema damit in der Öffentlichkeit. Ein Aufarbeitungsprojekt unter der Leitung der Landshuter Wissenschaftlerin Mechthild Wolff wurde begonnen, scheiterte aber – auch, weil ihr die Betroffenen um Detlev Zander aufgrund ihrer – tatsächlichen oder vermeintlichen Nähe zur Kirche – das Vertrauen entzogen.

Zurückhaltung bei Betroffenen

Nun sollen es also Rohr und Bauz richten. Der Sprecher der Brüdergemeinde, Manuel Liesenfeld, formuliert es vorsichtiger: „Wir würden uns dies wünschen“ sagt er. Denn alle Beteiligten müssten zu einer Mediation unter diesen Beiden auch bereit sein – um dann, so das Ziel, gemeinsam eine externe Fachkraft zur Aufklärung und Aufarbeitung zu beauftragen.

So weit ist man freilich noch lange nicht. Detlev Zander und seine Mitstreiter etwa haben einen Gesprächstermin mit Rohr Mitte September vereinbart. Danach sehe man weiter, sagt Zander zurückhaltend. Er habe angesichts der jüngsten Mitteilung der Brüdergemeinde nach eigenem Bekunden ein Déjà-vu: „Mich erinnert das an damals, als die Brüdergemeinde Professor Wolff vorgeschlagen hat.“ Just in eine solche Situation, sich etwas oder jemanden diktieren zu lassen, wollten die Betroffenen aber nicht mehr kommen, so Zander.

Neue Klage wird vorbereitet

Wie es in der Mitteilung der Brüdergemeinde weiter heißt, seien Rohr und Bauz auf Empfehlung des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung in Berlin, Johannes-Wilhelm Rörig gewonnen worden. In Berlin heißt es auf Nachfrage hingegen, Rörig habe zwar eine Mediation begrüßt, aber keine Namen genannt. Rörig selbst hat vor wenigen Tagen konkret zum Fall Korntaler Brüdergemeinde folgendes erklärt: „Im Frühjahr 2016 habe ich ausführliche Gespräche mit Betroffenen und der Brüdergemeinde geführt und einen Neubeginn mit Unterstützung einer Mediation vorgeschlagen. Es ist wichtig, jetzt sorgfältig zu klären, wie der Aufarbeitungsprozess zukünftig gestaltet werden kann.“

Während also ein neuer Anlauf in der Aufarbeitung gestartet werden soll, bereiten das Netzwerk Betroffenenforum eine Klage gegen die Brüdergemeinde vor. Laut dem Vorsitzenden des Vereins, Gerald Kammerl, soll damit erreicht werden, dass die Gemeinde zu ihren Zusagen steht. Sie soll etwa den Betroffenen die zugesagten Infrastrukturkosten für die Anmietung eines Büroraums bezahlen.