Mediziner im Südwesten Telemedizin kann Ärzte entlasten

Von Bernhard Walker 

Die Baden-Württemberger werden in 20 Jahren deutlich mehr medizinische Versorgung benötigen. Besonderes auf Augenärzte, Urologen und Hausärzte kommt einer Studie zufolge Mehrarbeit zu. Telemedizin verspricht hierbei Entlastung.

Augenärzte werden in Zukunft noch gefragter sein als bisher. Foto: KGS Presse
Augenärzte werden in Zukunft noch gefragter sein als bisher. Foto: KGS Presse

Buttgart - is zum Jahr 2035 werden Patienten in Baden-Württemberg deutlich mehr ärztliche Versorgung benötigen. Vor allem Urologen, Augenärzte, Fachinternisten und Hausärzte werden wesentlich stärker beansprucht sein. Das ergibt sich aus einer Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung. Um den Wandel meistern zu können, plädiert die Techniker Krankenkasse Baden-Württembergs (TK) für eine konsequente Nutzung der Telemedizin.

Aufgrund des demografischen Wandels und des Zuzugs vieler Menschen in Städte und Ballungszentren wird in Baden-Württemberg die Beanspruchung von Urologen bis 2035 um 31 Prozent steigen. Bei Augenärzten ergibt sich gegenüber dem Vergleichsjahr 2012 ein Plus von 27 Prozent, bei Fachinternisten von 23 Prozent. Für die Hausärzte erwartet die Modellrechnung der Studie eine Zunahme der Beanspruchung von 16 Prozent.

Hoher Bedarf in Südbaden

Besonders deutlich wächst der Bedarf im Bodenseekreis, in Breisgau-Hochschwarzwald und im Kreis Emmendingen. Die Erhebung zeige, dass die Vorstellung davon, welche Region als über- oder unterversorgt gilt, überprüft werden müsse, sagt Dominik von Stillfried, der Geschäftsführer des Zentralinstituts: „Das gilt besonders dann, wenn berücksichtigt wird, dass der medizinische Fortschritt immer mehr ambulante Behandlungen möglich und immer weniger Krankenhausbehandlung notwendig macht.“

Andreas Vogt, der Chef der Techniker Krankenkasse in Baden-Württemberg, betont, dass der demografische Wandel einen erhöhten ärztlichen Bedarf mit sich bringe. Er warnt aber davor, die heutige Versorgungsstruktur einfach nur fortzuschreiben: „Wegen der Digitalisierung und der Telemedizin wird die Versorgung im Jahr 2035 ganz anders aussehen als heute.“ Telemedizin könne den Arztbesuch nur selten ersetzen: „Sie kann diesen aber sinnvoll unterstützen und ergänzen.“

Sprechstunde per Video

So hat die TK hat mit dem Berufsverband der Dermatologen ein Projekt zur Erprobung von Online-Videosprechstunden gestartet. War ein Patient schon zu einer Eingangsuntersuchung in der Praxis, könne zur Nachkontrolle eine Konsultation über PC oder Laptop ausreichen, meint Vogt. Damit würden Ärzte entlastet, was dazu beitrage, den steigenden Bedarf an ärztlicher Versorgung zu erfüllen. Vogt verweist darauf, dass die Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung im Südwesten einen Strukturfonds gebildet haben, der Projekte zur Sicherung der ambulanten ärztlichen Versorgung bezahlt. Dazu zählen beispielsweise auch Zuschüsse für Mediziner, die eine Praxis übernehmen oder gründen wollen. Die Mittel des Fonds sollten auch genutzt werden, um zu erproben, wie die Telemedizin dazu beitragen kann, dass im ganzen Land eine gute ärztliche Versorgung sichergestellt bleibt.