Mensaessen in Waiblingen Putenragout statt Schweinshaxe

Von Annette Clauß 

Ein Vater und AfD-Politiker kritisiert den Speiseplan in der Mensa des Waiblinger Staufer-Schulzentrums – und vermutet in der Zusammenstellung eine unterschwellige Islamisierung des Landes.

Die Schonfrist für Schweine läuft ab. Entsprechende Fleischprodukte sollen demnächst wieder auf dem Menüplan der Mensa des Waiblinger Stauferschulzentrums stehen. Foto: dpa
Die Schonfrist für Schweine läuft ab. Entsprechende Fleischprodukte sollen demnächst wieder auf dem Menüplan der Mensa des Waiblinger Stauferschulzentrums stehen. Foto: dpa

Waiblingen - Eine große Schweinerei – aber nur im übertragenen Sinn – könnte zurzeit am Staufer-Schulzentrum am Laufen sein, vermutet Günter Geng. In einer E-Mail hat der Waiblinger einen entsprechenden Verdacht geäußert und diesen nicht nur an unsere Zeitung, den Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky sowie weitere Angehörige der Verwaltung in Waiblingen geschickt, sondern auch an den Kultusminister Andreas Stoch, an Alexander Bonde, den Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, und an den Deutschen Fleischerverband, den Bauernverband oder die Landfrauen.

Günter Geng beklagt, dass vom Speiseplan der Mensa der Staufer-Gemeinschaftsschule, die von allen Schülern des Staufer-Schulzentrums besucht werden kann, seit Beginn des Schuljahrs „viele lieb gewordene Speisen ersatzlos gestrichen wurden“ und zählt namentlich auf, was den Schülern vorenthalten werde: „Schweinegulasch, Schweineschnitzel, Schweinehäxle, Schweinswürstel, Holzfällersteak vom Schweinehals, Schweinebraten. . .“ Gengs Fazit: „Sechs Wochen Menüplan und kein einziges Milligramm vom Schwein. Da stimmt doch was nicht.“

Metzger und Schweinezüchter „in ihrer Existenz bedroht“

Einigen Eltern sei dies aufgefallen, aber „keiner traut sich nachzufragen“, schreibt Geng, dessen Nachwuchs ebenfalls die Mensa nutzt und derzeit mit Gerichten wie Spaghetti Bolognese vom Rind, gebackenem Seelachsfilet, Putenragout mit Champignonrahm oder Hühnerfrikassee vorlieb nehmen muss.

Geng, der bei den Kreistagswahlen im vergangenen Jahr als Kandidat für die Partei Alternative für Deutschland (AfD) im Wahlkreis Waiblingen angetreten war, hat einen Verdacht: „Will man womöglich der ständig verneinten Islamisierung unseres Landes unterschwellig und in vorauseilendem Gehorsam den Weg bereiten?“ Zudem befürchtet er, dass infolge von Speiseplänen dieser Art „Bauernverbände, Schweinezüchter und Metzger im Land diskriminiert und mittel- bis langfristig in ihrer Existenz bedroht“ werden könnten.

Wilfried Härer, der Fachbereichsleiter Bildung und Erziehung bei der Stadt Waiblingen, bestreitet auf Nachfrage hingegen jegliche Diskriminierungsabsichten der Verwaltung. Der Anbieterwechsel zum neuen Schuljahr sei das Ergebnis einer ganz normalen öffentlichen Ausschreibung gewesen. Der Vertrag mit der bisherigen Cateringfirma, der „Küche im Schloss“ der Diakonie Stetten, sei ungefähr zehn Jahre gelaufen, damals aber nicht ausgeschrieben worden. Damit alles mit rechten Dingen zugehe, habe man nun eine öffentliche Ausschreibung vorgenommen.

Aus dieser sei die Firma Sander Catering, die rund 130 Schulen im süddeutschen Raum beliefere, als Gewinner hervorgegangen. „Die Firma hat uns gesagt, dass viele Schulen kein Schweinefleisch möchten“, so Härer. Die Stadt Waiblingen wiederum habe in ihrer Ausschreibung vermerkt, dass Caterer neben einer vegetarischen obendrein eine fleischhaltige Alternative anbieten müssen – für den Fall, dass auf dem Speiseplan an einem Tag Schweinefleisch steht.

Die Schulleitung spricht von „keinerlei Beschwerden“

Man habe den Speiseplan mit dem Hort am Staufer-Schulzentrum abgestimmt, denn dieser ordere die größte Anzahl der Essen, erklärt Härer. Die schriftliche Klage von Herrn Geng sowie eine mündliche Beschwerde einer Mutter seien die einzigen negativen Rückmeldungen, von denen er bislang gehört habe, sagt der Fachbereichsleiter. Mehr noch: „Die Anzahl der bestellten Essen ist um rund 30 gestiegen, seit wir den neuen Anbieter haben.“ Ein positives Feedback habe er zudem von der Schulsozialarbeit bekommen. Auch die Rektorin der Staufer-Gemeinschaftsschule, Eva-Maria Schäfer, bestätigt gegenüber unserer Zeitung: „Es gab keinerlei andere Beschwerden."

Wilfried Härer versichert, die Stadt tue dennoch ihr Möglichstes, den Schweinefleisch-Engpass zu beseitigen: „Wir haben den Caterer gebeten, nicht ganz auf Schweinefleisch zu verzichten.“ Die Firma passe ihre Speisepläne nun an. In absehbarer Zukunft haben die Schüler sie also wieder auf dem Teller – die Schweineschnitzel und die Schweinswürste, den Schweinehals und den Schweinsbraten.