Bernd und Stefanie Maier lieben ihren Beruf und legen Wert auf die gute Qualität ihrer Lebensmittel. Foto: Eibner-Pressefoto/Michael Memmler
Sonntags spontan grillen? Kein Problem in Weil im Schönbuch. Dort hat die Metzger-Geiser-Filiale Tag und Nacht geöffnet – mit Selbstbedienung. Das Metzgerehepaar Maier erklärt, warum der Schritt nötig war und weshalb er Zukunft hat.
Ein Kunde betritt den neuen Selbstbedienungsladen und blickt sich um. Dann findet er, was er sucht: Paprikalyoner. Er nimmt sich eine 100-Gramm-Packung aus dem Kühlschrank, legt sie auf die Kassenablage und hält sein Handy an den Scanner. „Den Kassenbeleg bekommen Sie als E-Mail zugeschickt“, erklärt ihm die Metzgerin Stefanie Maier, die ausnahmsweise im Laden ist und unsichere Kunden wie Heinz-Werner Rohrßen bei ihrem ersten selbstständigen Einkauf gerne unterstützt. „Mit Bedienung fand ich es schöner, aber so ist es besser als gar keinen Metzger zu haben“, sagt der Weilemer Kunde.
Stefanie Maier und ihr Mann Bernd teilen die Meinung ihres Kunden: Viel lieber hätten sie den alteingesessenen Metzgerladen in Weil im Schönbuch mit Bedientheke, den sie 2018 von Axel Geiser übernommen haben, erhalten. Doch die Personalnot machte dies unmöglich. Erst im März 2023 hatte das Metzgerehepaar die Filiale in Dettenhausen schließen müssen – ebenfalls aus Personalmangel. In Weil im Schönbuch reduzierten sie sukzessive die Öffnungszeiten, doch als sich kürzlich eine Fachverkäuferin in den Ruhestand verabschiedete, war den beiden klar, dass die Filiale im Stammhaus nicht mehr zu halten ist – zumindest nicht mit klassischem Bedienverkauf. Und nur mit ungelernten Verkäufern wollten die Maiers den Laden auf keinen Fall weiterführen. „Beim Bedienen braucht es Fachpersonal, das Ahnung hat und kompetent beraten kann“, sagt Stefanie Maier. Wenn Kunden fragten, wie lange ein gefüllter Braten im Ofen braucht, wie ein Roastbeef richtig aufgeschnitten wird oder welche allergenen Stoffe in der Wurst enthalten sind, dann brauche es Fachwissen.
Ein Vertriebsweg, der Zukunft hat
Ganz aufgeben wollten Stefanie und Bernd Maier aber nicht, zumal das Geschäft gut lief. „Wir sind noch jung, wir wollen hier weitermachen“, betont der 35-Jährige. Da klar gewesen sei, dass das Personalproblem sich in den nächsten fünf Jahren nicht in Luft auflösen würde, suchten die beiden einen neuen Vertriebsweg. „Wir haben eine Lösung gesucht, die auch in Zukunft funktioniert“, sagt Maier. Deshalb entschieden sie sich, die Filiale in Schönaich als großes Fachgeschäft zu erhalten und das Stammhaus in Weil im Schönbuch in einen 24/7-Selbstbedienungsladen umzuformen. Der Bedienverkauf in Schönaich soll das Fundament bilden, denn: „Klar ist, es braucht ein Fachgeschäft, wo die Kunden beraten werden.“ Im Idealfall könnten im näheren Umkreis nach und nach weitere Selbstbedienungsläden hinzukommen. „Das hier ist ein Test, ob die Kunden es annehmen“, sagt Stefanie Maier. Bisher sind sie und ihr Mann mit der Kundenresonanz zufrieden, auch wenn anfangs einige skeptisch gewesen seien. „Es ist eine Umgewöhnung für die Kunden, aber sie nehmen es an“, sagt die Metzgermeisterin und erzählt von einer 80-jährigen Stammkundin, die ihr stolz berichtet habe, dass sie den ganzen Einkauf alleine hinbekommen habe.
Das neue System funktioniert so: Wer den Laden betreten möchte, muss sich vorab registrieren und dabei E-Mail-Adresse und Kontodaten hinterlegen. Das ermöglicht das bargeldlose und zettellose Bezahlen über einen QR-Code im Handy. Ältere Kunden, die damit nicht gut zurechtkommen, können sich eine Kundenkarte ausstellen lassen. Die Ladentür öffnet sich nur dann, wenn entweder Handy oder Kundenkarte an den Türöffner gehalten werden – sie fungieren wie ein Schlüssel, „damit nicht jeder rein- und rausspazieren kann“. Wer seine Waren zusammengesucht hat, legt sie alle zusammen auf die Kassenablage, wo alle Produkte über ein sogenanntes RFID-System eingescannt werden. „Der Vorteil davon ist, dass der Kunde nicht jedes Produkt einzeln scannen muss“, sagt Bernd Maier.
Bezahlt wird per Handy oder Kundenkarte. /Michael Memmler
Einen Servicegewinn des Selbstbedienungsladens sieht das Metzgerehepaar darin, dass ihre Kunden nun 24/7, also täglich und bei jeder Tages- und Nachtzeit, die Möglichkeit haben, einzukaufen. Spontan sonntags grillen? Kein Problem. „Vor allem jüngere Leute, die nach der Arbeit noch einkaufen wollen, können davon profitieren“, sagt Bernd Maier. Über ein Computersystem ist er immer auf dem Laufenden, was er nachfüllen muss. Verkaufsschlager gebe es bisher noch keine, jede Woche werde etwas anderes nachgefragt, „aber Lyoner und Kartoffelsalat gehen immer“. Jenseits der klassischen Metzgerprodukte wie Wurst, Fleisch und Maultaschen, die in unterschiedlichen Verpackungsgrößen angeboten werden, bieten die Maiers auch Nudeln, Eier, Soßen, Öle, Sauerkraut, Marmelade und ähnliches zum Verkauf an, nahezu alles stammt von regionalen Erzeugern. Demnächst soll noch Eis sowie Müsli und Mehl von der Altdorfer Mühle hinzukommen.
Am Standort erhalten bleibt die Heißtheke mit dem Verkauf eines Tagesgerichts jeweils dienstags bis freitags zwischen 11 und 13 Uhr. Das Essen wird in der Küche vor Ort zubereitet. Auch für den Partyservice, ein wichtiges Standbein der Maiers, wird weiterhin am Standort Weil im Schönbuch gekocht und angerichtet. „Das findet hier statt, wir arbeiten hier im Hintergrund“, sagt Stefanie Maier. Ihr Fazit: „Es war eine Riesenentscheidung, aber wir haben uns gesagt: Das ist das Zukunftsmodell.“
Personalnot auch im Bäckerladen
Reduzierte Öffnungszeiten „Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen“, steht auf einem Schild an der Bäckerfiliale von Wuschel’s Backstub in Darmsheim. Das bedeutet: Nachmittags bleibt der Laden künftig zu, geöffnet wird nur noch von 6 bis 12 Uhr. Der Grund: Fachkräftemangel. „Wir haben uns dazu entschlossen, um zu gewährleisten, dass der Betrieb regelmäßig geöffnet hat, statt bei Krankheitsfällen kurzfristig schließen zu müssen“, sagt Junior-Chef Tim Wunschik.
Perspektive Der Bäckermeister hofft, dass es sich um eine Übergangslösung handelt. „In dem Moment, wo wir gutes Personal finden, öffnen wir auch wieder länger“, sagt Wunschik. Er sei froh, dass die Kunden Verständnis für die Maßnahme zeigten.