Missbrauch im Säuglingsheim Kirche will Missbrauchsfälle aufklären

Politik/Baden-Württemberg: Rüdiger Bäßler (rub)

Opfer: Eine Fachkommission der Deutschen Bischofskonferenz und der Deutschen Ordensobernkonferenz hat bundesweit bisher 579 Anträge auf Schmerzensgeld im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch bearbeitet. Laut einem Sprecher sind 569 dieser Anträge, mit einer Empfehlung zur Schadensbegleichung, an die zuständigen Diözesen weitergeleitet worden. Bei der Diözese Rottenburg-Stuttgart haben sich laut dem Bericht der Kommission sexueller Missbrauch 81 Personen als Opfer zu erkennen gegeben. 35 haben bisher formelle Anträge auf eine finanzielle Anerkennung gestellt. 30 dieser Fälle stehen, wie es heißt, kurz vor der Auszahlung.

Täter: Die Diözese unter Bischof Gebhard Fürst führt im neuesten Bericht 64 Beschuldigte auf, gegen die ermittelt wurde oder noch wird: Priester, Laien und Ordensangehörige. Acht dieser Beschuldigten erwiesen sich laut Kirche als unschuldig, 30 sind verstorben. Es gab im Fall überführter Täter Entlassungen, Versetzungen, Bezugskürzungen oder so genannte Monitiones, das sind kirchenrechtliche Verwarnungen. Die Deutsche Bischofskonferenz gibt keine überregionalen Zahlen über Täter und Verdächtige bekannt.

Auslöser: Anfang 2010 löste der Brief von Pater Klaus Mertes über den Missbrauch am Berliner Canisius-Kolleg eine Welle schockierender Enthüllungen aus, die unter anderem das Odenwald-Internat betraf. Erst durch eine Reihe von Publikationen im ganzen Land wurden Opfer ermutigt, sich zu melden, obwohl die Taten oft Jahrzehnte zurücklagen. Die Bundesregierung gründete einen Runden Tisch "Sexueller Kindesmissbrauch". Die Austritte aus der katholischen Kirche stiegen dramatisch an.

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