FC Pipinsried. Das ist ein Verein aus dem Mittelfeld der Bayernliga. Und er steht irgendwie sinnbildlich dafür, wie tief der TSV 1860 München in dieser Saison schon gesunken war. Im Viertelfinale des bayerischen Pokal-Wettbewerbs blamierte sich der traditionsreiche Fußball-Drittligist dort mit 0:1. Die Nicht-Teilnahme am kommenden DFB-Pokal-Wettbewerb war durch das Aus praktisch besiegelt. Denn sich über den Umweg Liga ein Ticket zu sichern (die ersten vier Drittligisten qualifizieren sich), war für die lange Zeit den Abstiegsplätzen bedrohlich nahen Löwen eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.
Ausverkauftes Haus gegen Ulm
Jetzt aber beträgt der Rückstand plötzlich nur noch fünf Punkte, da der aktuell viertplatzierte BVB II am DFB-Pokal nicht teilnehmen darf. Doch Christian Werner will von diesen neuerdings verlockenden Aussichten gar nichts wissen: „Das ist wirklich überhaupt kein Thema für uns“, sagt der neue Geschäftsführer Sport des TSV 1860. Dabei hat sein Team derzeit einen absoluten Lauf. Seit acht Spielen sind die Löwen ungeschlagen, fünf Siege wurden dabei eingefahren. Mit einem weiteren Erfolg am Samstag (14 Uhr/SWR) im ausverkauften Stadion an der Grünwalder Straße gegen den drittplatzierten Aufsteiger SSV Ulm 1846 würde der Rückstand auf Relegationsplatz drei sogar auf sieben Zähler schrumpfen.
„Ich muss das Ganze mal richtig einordnen“, sagt Werner und beginnt seine Ausführungen mit der Darstellung der Ausgangsposition bei seinem Einstieg im vergangenen Januar: „Unruhiger hätte das Fahrwasser nicht sein können. Die Mannschaft hatte acht Mal hintereinander verloren, von daher ist es alles andere als selbstverständlich, dass wir nun ein 14-Punkte-Polster auf einen Abstiegsplatz haben.“
Giannikis war in Aalen
Werners erste Amtshandlung war die Verpflichtung eines Trainers, den in München keiner auf der Rechnung hatte: Argirios Giannikis, von Juli 2018 bis Februar 2019 auch einmal Chefcoach beim VfR Aalen. Als einen „Riesenglücksgriff“ bezeichnet Werner den gebürtigen Nürnberger mit griechischen Wurzeln, weil er diesen für „fachlich, taktisch und menschlich herausragend“ hält.
Eine Überraschung war die Inthronisierung des 43-Jährigen dennoch. Im Gegensatz zu der von Werner. Der 42-Jährige war vom ehemaligen 1860-Finanz-Geschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer (früher Stuttgarter Kickers/künftig Vorstandsvorsitzender bei Rot-Weiss Essen) schon vergangenen September kontaktiert worden, seitdem wurde Werner bei den Löwen gehandelt. Erst als Sportdirektor, dann als Geschäftsführer Sport. Über die Rolle waren sich die Gremien lange Zeit nicht einig.
Angebot aus Hoffenheim
Werner hatte auch andere Angebote vorliegen, doch er entschied sich für das Haifischbecken 1860. Warum? „Weil ich diese herausfordernde Aufgabe extrem reizvoll finde“, sagt er zu seinem Aufstieg, der durchaus bemerkenswert ist. Als Torwart brachte es der gebürtige Hesse bis zur Oberliga. Durch die Lehrertätigkeit am Wirtemberg-Gymnasium in Untertürkheim kam der promovierte Sportwissenschaftler ins Schwabenland.
Dort lernte er den Kollegen Ramon Gehrmann kennen, der ihn als Co-Trainer zum SGV Freiberg lotste. Auch an Werners Wechsel zum österreichischen Zweitligisten Austria Lustenau war sein Freund Gehrmann – Werner ist Patenonkel von Gehrmanns Tochter Juna – nicht unbeteiligt, da er selbst in Vorarlberg Trainer werden sollte und Werner empfahl. „Die Professionalisierung des Clubs in Lustenau, die Entwicklung der Idee, den Verein in die österreichische Bundesliga zu führen, was dann auch realisiert wurde, ist noch höher zu bewerten als die Erfolgsgeschichte mit dem SGV Freiberg“, so Werner.
Voller Fokus auf 1860
Den aktuellen Regionalligisten hatte er nach seiner Zeit in Lustenau als Sportdirektor 2020 auf einem Abstiegsplatz in der Oberliga übernommen. Der Aufstieg 2022, im Kopf-an-Kopf-Rennen vor den Stuttgarter Kickers, war die Krönung seiner Arbeit. Danach fungierte er als Chefscout bei Waldhof Mannheim. Spätestens seit Jahresbeginn liegt sein voller Fokus auf dem TSV 1860, für den Münchner Kultclub gibt der Oberstudienrat seine Tätigkeit im Bereich Begabtenförderung an der Oscar-Paret-Schule in Freiberg auf.
Mit welchem mittelfristigen Ziel? „Das besprechen wir zu gegebener Zeit mit den Gesellschaftern. Aktuell wollen wir möglichst schnell den Klassenverbleib klarmachen“, sagt Werner betont bescheiden. Pipinsried ist eben auch vor dem Knüller gegen Ulm noch im Hinterkopf.