Mitarbeiter-Rochade im Gerlinger Technologiekonzern Bosch erweitert den Hauptsitz Schillerhöhe

Am Hauptsitz von Bosch auf der Gerlinger Schillerhöhe wird bald umgebaut. Foto:  
Am Hauptsitz von Bosch auf der Gerlinger Schillerhöhe wird bald umgebaut. Foto:  

In Gerlingen will Bosch bis zu 900 Angestellte am Hauptsitz des Unternehmens ansiedeln, während der Standort Rutesheim aufgegeben und in Bietigheim die Zahl der Mitarbeiter reduziert wird.

Politik: Rafael Binkowski (bin)
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Gerlingen - Der Standort-Umbau des Technologiekonzerns Bosch geht weiter. Am Hauptsitz auf der Gerlinger Schillerhöhe werden mehr Mitarbeiter der Verwaltung konzentriert. Sie ziehen bis Ende 2017 in ein Nebengebäude des weithin sichtbaren Hochhauses mit der Vorstandsetage. Bis zum vergangenen Herbst waren dort Forschungslabore untergebracht. Da dieser Bereich nun auf dem 43 Hektar großen Forschungscampus in Renningen konzentriert ist, stehen die Räume leer.

Die große Mitarbeiter-Rochade des stiftungsgebundenen Unternehmens hat damit eine weitere Episode: Erst vor wenigen Wochen hatte Bosch bekannt gegeben, den traditionsreichen Standort Rutesheim komplett zu schließen, 230 Stellen zu streichen und 500 ins Werk nach Feuerbach zu verlegen. Und in Bietigheim-Bissingen, wo die Tochter Bosch Automotive Steering sitzt, soll die Produktion von Nutzfahrzeugpumpen vollständig nach Berlin verlagert werden, was Proteste der IG Metall und auch Warnstreiks zur Folge hatte.

Der Gerlinger Bürgermeister freut sich

Nun gibt es zumindest für den Standort Gerlingen eine positive Nachricht: Die Zahl der Angestellten dort soll am Ende sogar höher liegen als vor dem Abzug der Forschungsmitarbeiter – 900 könnten es werden, früher waren dort 700, inklusive Doktoranden. Dazu sollen die Räume umgebaut sowie um ein Bistro und einen Aufzuganbau erweitert werden. Aus den ehemaligen Forschungslaboren auf gut 15 000 Quadratmetern werden dann großzügige Büro- und Besprechungsräume.

Der Gerlinger Bürgermeister Georg Brenner freut sich erwartungsgemäß über das moderate Wachstum an der Stelle: „Das ist ein klares Bekenntnis zum Standort Gerlingen. Das Unternehmen steht dazu.“ Die Gemeinderäte wurden am Montag im Technischen Ausschuss über die Umbaupläne informiert. Die Bebauungspläne müssen dafür aber nicht geändert werden, daher ist keine Zustimmung des Rates erforderlich. Schon Mitte des nächsten Jahres sollen die ersten Mitarbeiter ihre Schreibtische im neuen Gebäudetrakt nutzen, bestätigt die Bosch-Sprecherin Claudia Arnold: „Bis Ende 2017 ist die Fertigstellung des gesamten Gebäudes geplant.“

Dass die Verlagerung von Angestellten mit den aktuellen Problemen durch den VW-Diesel-Abgasskandal zu tun hat oder im Zusammenhang steht mit den Verlagerungen aus Feuerbach, Rutesheim und Bietigheim-Bissingen – das dementiert Arnold. Vielmehr würden Angestellte aus bisher angemieteten Immobilien zusammengezogen, erklärt auch der Bürgermeister Georg Brenner auf Nachfrage.

Dies hatte sich allerdings im Oktober, als die Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Eröffnung des Forschungscampus’ in Renningen eingeflogen kam, noch anders angehört. Damals gab es noch keine Schlagzeilen zur Manipulationssoftware von VW, die Bosch zu Testzwecken entwickelt hatte. Man ging davon aus, dass alle durch den Umzug der Forschungsabteilung frei werdenden Kapazitäten sofort durch Expansion gefüllt würden. Auch eine Erweiterung in Renningen, die perspektivisch angedacht war, rückt erst einmal in weite Ferne.

Erst vor wenigen Wochen hatten sich Bosch und die IG Metall auf eine Lösung für den Standort Bietigheim-Bissingen geeinigt: Zwar konnte die Gewerkschaft die Verlagerung der Pumpenherstellung nach Berlin nicht abwenden, doch soll die Tochter Bosch Automotive Steering andere Aufgaben bekommen. Immerhin könnten 300 der 450 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Zwischen 150 und 170 Mitarbeitern wird angeboten, in Vorruhestand oder Altersteilzeit zu gehen. Es soll Aufhebungsverträge und keine Kündigungen geben, bis zu 130 Mitarbeiter können an andere Bosch-Standorte wechseln, vorwiegend nach Feuerbach.

Sorge um den Dieselmotor

Trotz der für Gerlingen positiven Nachricht und dem zur Schau gestellten Optimismus gibt es bei Bosch, wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist, durchaus Sorgen, was die Entwicklung des Dieselmotors angeht. Dieser hat für Bosch eminente Bedeutung, ein Großteil der Beschäftigten ist direkt oder indirekt damit befasst. Gleichwohl hat der Konzern Anfang April angekündigt, die jährlichen Prämien für die Mitarbeiter sogar zu erhöhen. In Gerlingen ist die Freude groß. Schließlich erwirtschaftet Bosch einen Großteil der 40 Millionen Euro Gewerbesteuer jährlich. Und bald wohl noch etwas mehr.




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