Mitbestimmung im Jugendrat Warum sich eine Kandidatur lohnt

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Im Januar können Jugendliche in Stuttgart wieder ihre politischen Vertreter wählen. Allerdings nur, wenn sich zuvor genügend Kandidaten in den einzelnen Stadtbezirken finden.

Vertreter der aktuellen Jugendräte werben fürs Mitmachen und Kandidieren. Foto: Stadt Stuttgart
Vertreter der aktuellen Jugendräte werben fürs Mitmachen und Kandidieren. Foto: Stadt Stuttgart

Filder - Die Beteiligung Jugendlicher an politischen Prozessen ist eine gesetzliche Verpflichtung. In Stuttgart wird der Jugendrat alle zwei Jahre gewählt. Doch vor dem Urnengang braucht es Kandidaten. Darum rühren Roland Kelm und die anderen aktuellen Jugendräte derzeit kräftig die Werbetrommel.

Was ist ein Jugendrat?

Der Jugendrat ist das Sprachrohr der Jugendlichen. Er vertritt die Interessen der jungen Generation gegenüber dem OB, dem Gemeinderat und der Verwaltung. Stuttgart verfolgt ein dezentrales Modell. Das bedeutet, dass es in den einzelnen Bezirken Vertretungen gibt, die sich für die Wünsche der Jugendlichen in ihrem Ort einsetzen. Zudem entsendet jedes Gremium Vertreter in den gesamtstädtischen Jugendrat, der ganz Stuttgart im Blick hat.

Wie funktioniert die Wahl?

Die Zahl der zu wählenden Räte in einem Bezirk richtet sich nach der Zahl der Jugendlichen, die dort wohnen. Stuttgart will eine echte Wahl. Darum muss es mindestens zwei Bewerber mehr geben als Sitze im Gremium. Wird diese Zahl nicht erreicht, können die Kandidaten eine Projektgruppe bilden. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Oktober. Kandidieren kann jeder zwischen 14 und 19 Jahren. Bewerben kann man sich per Post, im Internet, per E-Mail oder über WhatsApp. Gewählt wird vom 13. bis 31. Januar. Die Jugendlichen bekommen die Unterlagen zugeschickt. Die Verwaltung richtet Wahllokale ein, zum Beispiel an Schulen.

Warum lohnt sich das Engagement?

Der größte Vorteil ist, dass die Jugendräte direkt Probleme ansprechen und Wünsche äußern können. Jedes Gremium bekommt zudem ein eigenes Budget, um Kleinigkeiten selbst anzugehen, ein Fest zu organisieren oder auch mal Pizza zu essen. Zudem knüpfen die Mädchen und Jungen neue Kontakte, lernen andere Jugendliche, Stadträte und Bürgermeister kennen. Am Ende der Legislaturperiode bekommen die Räte eine Urkunde, die sie zum Beispiel in ihre Bewerbungsmappen legen können. Nicht zuletzt erhält jedes Jugendratsmitglied Sitzungsgeld.

Was haben Jugendräte bisher schon erreicht?

Die größte Errungenschaft ist Kelms Meinung nach die Ausweitung des Scool-Abos auf das gesamte VVS-Netz. Zudem haben die Nachwuchspolitiker mit darauf hingewirkt, dass Busse häufiger fahren, zum Beispiel die Linie 82 in Vaihingen. Der Möhringer Jugendrat hat im vergangenen Sommer einen Schülerlauf organisiert. Die Sillenbucher Nachwuchspolitiker wollen einen Kippster am Geschwister-Scholl-Gymnasium aufstellen. Das sind spezielle Mülleimer, bei denen man mit Zigarettenstummeln abstimmt.

Wie ist die aktuelle Situation?

Bei der Jugendratswahl im Januar 2018 gab es stuttgartweit 344 Kandidaten. Auf der Filderebene war die Bewerbersuche aber nicht ganz so erfolgreich. In Plieningen-Birkach und in Möhringen fanden sich nicht genügend Jugendliche, folglich gab es dort keine Wahlen. Allerdings bildeten die Mädchen und Jungen, die gern kandidiert hätten, sowohl in Plieningen-Birkach als auch in Vaihingen engagierte Projektgruppen.

Auch in Filderstadt wird gewählt

Bereits im Dezember wird in Filderstadt ein neuer Jugendgemeinderat gewählt. Alle Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren können sich bis zum 8. November bewerben. Der Jugendgemeinderat hat 20 Mitglieder und vertritt die Interessen der Filderstädter Jugendlichen. Das Gremium tagt viermal im Jahr öffentlich und trifft sich außerdem einmal im Monat nicht-öffentlich, um Themen vorzuberaten und Aktionen zu planen. Um die gewünschten Projekte umsetzen zu können, werden Anträge im Gemeinderat eingebracht und dort beraten. Zu den umgesetzten Vorhaben gehören der Mini-Court in Sielmingen, der Dirt-Park in Bernhausen, die Einführung der Nachtbuslinie an Wochenenden oder das Konzept fürs neue Jugendhaus. Gewählt wird vom 2. bis 7. Dezember an allen weiterführenden Schulen. Dort werben bereits amtierende Jugendräte dafür, sich zur Wahl zu stellen. Zwölf Jugendgemeinderäte kandidieren erneut. Zwei weitere Bewerber haben sich bisher bei der Stadtverwaltung gemeldet. Auch bei den Schulsekretariaten können sich Interessenten registrieren lassen.

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