Kickers-Präsident Rainer Lorz bei seiner Rede, wir haben noch mehr Impressionen von der Mitgliederversammlung in der Bildergalerie. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch
Die Stuttgarter Kickers verkünden bei der Mitgliederversammlung ein negatives Jahresergebnis. Dies belegt, wie groß die Herausforderungen für die Blauen sind – auch bei sportlichem Erfolg.
Gelöst kamen Mustafa Ünal und seine Spieler auf die Bühne: „Koblenz ist abgehakt. Wir wollen am Sonntag in unserem letzten Heimspiel des Jahres gegen Hessen Kassel noch einmal richtig einen raushauen“, sagte der Trainer und bekam viel Applaus von den anwesenden 232 Mitgliedern von insgesamt 3376. Die Mannschaft der Blauen kam als Regionalliga-Tabellenführer zur Hauptversammlung. Kein Wunder, dass es im SSB-Veranstaltungszentrum Waldaupark sehr harmonisch zuging. Selbst das von Präsident Rainer Lorz verkündete Jahresdefizit in Höhe von 150 000 Euro für das Geschäftsjahr vom 1. Juli 2022 bis zum 30. Juni 2023 trübte die gute Stimmung nicht.
Die bilanzielle Überschuldung (negatives Eigenkapital) stieg damit zwar auf fast 2,1 Millionen Euro, und Lorz hätte auch gerne ein ausgeglichenes Ergebnis präsentiert, doch er konnte das Minus begründen: „Zum einen sind durch die grandiose Punktausbeute in der vergangenen Oberliga-Spielzeit auch die Prämienzahlungen um einiges höher als geplant ausgefallen, was uns das Ergebnis verhagelt hat. Zum anderen haben wir Vorsorge für Umsatzsteuernachforderungen getroffen, die wir als Ergebnis einer steuerlichen Betriebsprüfung für vergangene Jahre erwarten.“
Auffallend in der Bilanz: Die Personalkosten für die erste Mannschaft sind von 1,262 Millionen Euro in der Saison 2021/22 auf 2,089 Millionen Euro in der vergangenen Runde gestiegen. „Wir haben noch mal einiges ins Team investiert, um den Aufstieg endlich zu packen“, sagte Lorz. Insgesamt schnellten die Ausgaben von 3,933 Millionen Euro auf 6,221 Millionen Euro in die Höhe, ganz nach dem Motto: Erfolg hat seinen Preis.
TV-Erlöse aus DFB-Pokal
Den gestiegenen Ausgaben stehen auch höhere Erträge entgegen. Die Spielerträge (Zuschauereinnahmen, Dauerkarten etc.) stiegen von 532 000 Euro auf 1,060 Millionen Euro. Hinzu kamen TV-Erlöse aus den beiden DFB-Pokal-Spielen in Höhe von 1,255 Millionen Euro. Allerdings musste davon bei der Abrechnung, die zunächst komplett an den Heimverein geht, die Hälfte an die Gastteams abgeführt werden. Insgesamt gingen die Erträge von 4,020 Millionen Euro auf 6,071 Millionen Euro in die Höhe.
Beim Blick in die Zukunft steht außer Frage, dass auch die Regionalliga keine Aussicht auf eine bahnbrechende Verbesserung der finanziellen Lage bringt: „Wenn wir im nächsten Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis präsentieren, haben wir einen super Job gemacht“, stellte Lorz klar. Die vierte Liga bleibt eine Herausforderung, da es keine TV-Gelder gibt, aber höhere Aufwendungen als in der Oberliga anfallen. Lorz: „Im Kern ist diese Spielklasse ein Spagat zwischen sportlichen Ambitionen und Finanzierbarkeit. Deshalb sind wir froh, dass wir auf Topsponsoren zählen können, aber auch auf Topgönner wie Günther Daiss.“
Großzügige Spenden
Überhaupt sind immer wieder großzügige Spenden von Gremiumsmitgliedern nötig, um auftauchende Etatlücken zu decken. Auch deshalb wäre ein Aufstieg in die dritte Liga Gold wert, wo es allein rund 1,3 Millionen Euro TV-Gelder pro Club gibt. An die große Glocke hängen will das bei den Blauen keiner. Lorz sagt, warum: „Damit will ich mich nicht beschäftigen, weil es den Fokus nimmt, wenn man zu viel darüber redet.“
Präsidium Präsident Rainer Lorz (60, Rechtsanwalt), Schatzmeister Christian Hutter (38, Unternehmensberater), Ingo Kochsmeier (54, Betriebswirt), Holger Schäfer (66, Geschäftsführer CCP Condor Computer GmbH), Jürgen Kindler (51, Geschäftsführer Kratzer & Rieber Hoch- und Stahlbetonbau GmbH & Co).
Aufsichtsrat Vorsitzender Christian Steinle (52, Rechtsanwalt), Alexander Lehmann (54, Geschäftsführer Minol-Gruppe), Lutz Meschke (57, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Mitglied des Vorstandes Finanzen und IT der Porsche AG), Ralf Hofmann (60, geschäftsführender Gesellschafter von Porsche-Tochterunternehmen MHP), Philip Pfeiffer (44, selbstständiger Berater und Trainer im Bereich Gesundheitsmanagement und Stressprävention), Günter Daiss (84, Unternehmer), Daniela Koch (47, Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin), Stefan Hencke (61, Kommunikationsberater, Inhaber und Geschäftsführer Convensis Group), Steffen Müller (46, Projektleiter Einkauf bei der Mercedes-Benz AG). Kooptiertes Mitglied: Olaf Gerber (55, Rechtsanwalt und Notar). (jüf)