Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart Ein heftiger Disput trübt schnell das Bild der Einigkeit

Nach Ende der Veranstaltung kam es zu einer Entgleisung bei der VfB-Mitgliederversammlung. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Der VfB Stuttgart zeigte sich auf der Mitgliederversammlung bestrebt, ein Bild der Einigkeit nach außen hin zu demonstrieren. Doch das bekam in Rekordzeit Risse – durch einen Vorfall kurz nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung.

Sport: Philipp Maisel (pma)

Der VfB Stuttgart hat sich am Sonntag auf der Mitgliederversammlung redlich bemüht, ein Bild der Einigkeit nach außen hin zu demonstrieren. Doch durch einen Vorfall kurz nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung war davon schnell nur noch wenig übrig.

 

Eigentlich war zuvor alles nach Plan gelaufen. Die Mitgliederversammlung dauerte zwar weit über acht Stunden, doch sie verlief ohne große Pannen und auf dem Podium wurde seitens der Verantwortlichen mehrfach betont, wie gut man in den vergangenen Wochen und Monaten in den Gremien zusammengearbeitet habe. Doch das Bild, das man erzeugen wollte, bekam umgehend tiefe Risse. Was war passiert?

Präsidiumsmitglied Christian Riethmüller stellte Rainer Weninger, den Vorsitzenden des Vereinsbeirats und der Satzungskommission, vor aller Augen und Ohren in den Senkel und soll den 58-Jährigen als „Lusche“ bezeichnet haben. Anschließend verließ Riethmüller, im Präsidium für Finanzen zuständig, in Begleitung die Versammlungsfläche. Nicht ohne noch lautstark hinterherzuschieben, was passiert sei, wäre „eine Schande für den VfB Stuttgart“. Hierfür liegen unserer Redaktion entsprechende Zeugenberichte vor. Weninger bestätigt generell den Vorfall, nicht aber den Wortlaut: „Es stimmt, dass wir eine Diskussion geführt haben. Das möchte ich aber nicht zu hoch hängen, und mehr gibt es von mir dazu auch nicht zu sagen.“

Christian Riethmüller verliert die Contenance

Christian Riethmüller wiederum hat eine andere Interpretation parat. Es habe auf der Tribüne eine „persönliche Auseinandersetzung“ gegeben, weil sich „Gremien-Mitglieder des e. V. bei der Mitgliederversammlung nicht an Absprachen gehalten hatten. Ich kam dazu, habe mitdiskutiert, dabei sind deutliche Worte, jedoch keine Beleidigungen gefallen“, antwortet er schriftlich auf Nachfrage unserer Redaktion. Alles weitere wolle man „intern klären.“

Doch was war der Stein des Anstoßes für die Situation? Der soll in einer vorhergegangenen Rede von Vereinsbeiratsmitglied André Bühler begründet sein. Dieser hatte sich in einem Redebeitrag auf einen von der Initiative um das Mitglieds Michael Reichl zuvor vorgebrachten Beitrag bezogen. Hierfür machte er von seinem Recht als Mitglied Gebrauch, jederzeit und zu einzelnen Tagesordnungspunkten reden zu dürfen – obwohl er in seiner Rolle als Vereinsbeirat von der Rede der Reichl-Seite direkt adressiert wurde und damit gewissermaßen befangen war. Was Bühler selbst in seiner Rede sogar zur Sprache brachte. Von der Initiative rund um Reichl waren zuvor mehrere Satzungsänderungsanträge eingebracht worden, die insbesondere die Gründung eines Wahlausschusses und eine Amtszeitbegrenzung für Gremienmitglieder im Sinn hatten. Beide Anträge kamen nicht durch.

Eben dieser Auftritt Bühlers war wohl entgegen der angesprochenen internen Absprache. Es kursiert aber auch die Version, abgesprochen worden sei lediglich, dass man Präsidiumsentscheidungen geschlossen nach außen vertreten und von gegenseitigen Angriffen absehen wolle. Offen ist zum jetzigen Zeitpunkt noch, ob und wenn ja welche Konsequenzen der Vorfall nach sich ziehen wird.

Wie es auch weitergehen wird, eines ist klar: Von einem ruhigen Fahrwasser und einer gemeinsamen Zusammenarbeit in der Sache ist man beim Verein für Bewegungsspiele von 1893 nach wie vor weit entfernt. Als Riethmüller das rot erleuchtete Stadion verließ, da war der Redebeitrag von Bjarne Friedrichsohn, Vertreter des Commando Cannstatt, nur wenige Stunden alt.

Er hatte den auf dem Podium sitzenden Gremienmitgliedern zugerufen, ihre persönlichen Animositäten hintenan zu stellen und geschlossen im Sinne des Clubs zu agieren. Denn der sei schließlich größer als einzelne Personen. Offenbar hatte man ihm nicht wirklich zugehört.

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