Mobilfunk in Stuttgart-Sonnenberg Anwohner kritisieren geplanten Sendemast

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An der Ecke Heinestraße und Laustraße in Stuttgart-Sonnenberg möchte die Deutsche Funkturm einen Mobilfunkmast aufstellen. Einige Anwohner fürchten um ihre Gesundheit und fordern einen Alternativstandort.

Einige Sonnenberger kritisieren den geplanten Sendemast. Ob er tatsächlich so aussehen wird, wie in der Fotomontage eines Bürgers dargestellt, ist fraglich. Foto: privat
Einige Sonnenberger kritisieren den geplanten Sendemast. Ob er tatsächlich so aussehen wird, wie in der Fotomontage eines Bürgers dargestellt, ist fraglich. Foto: privat

Sonnenberg - Sie fühlen sich vor vollendete Tatsachen gestellt. Dass die Telekom-Tochter Deutsche Funkturm einen Sendemast in Sonnenberg errichten möchte, haben sie aus der Zeitung erfahren. Das verärgert einige Anwohner, sie hätten sich gewünscht, dass die Stadt oder der Netzbetreiber zumindest die direkten Anwohner an der Heinestraße und Laustraße informiert. Zwar habe es eine Ankündigung im Amtsblatt gegeben, das sei aber zu wenig. „Nicht jeder liest das Amtsblatt“, argumentiert eine Sonnenbergerin. Auch Martin Schleiermacher, der Vorsitzende des Sonnenbergvereins, hätte sich eine „aktive Informationskultur“ gewünscht. „Bürgernähe heißt auch Bürgerinformation“, sagt er.

Anwohner fürchten um ihre Gesundheit

Einmal bekannt, hat sich das Thema Sendemast allerdings schnell im Stadtteil herumgesprochen. Unter den Anwohnern gibt es teils erheblichen Widerstand gegen den Mobilfunkmast. „Wir haben nichts gegen Handys, wir haben alle selbst welche“, betont ein Bürger. Er mache sich allerdings Sorgen wegen der Strahlung, die von dem Mast ausgeht. Die Langzeitwirkungen seien noch nicht erforscht.

„Hier wohnen viele Kinder, einige von ihnen kommen auf ihrem Schulweg genau an dem geplanten Mast vorbei. Sie stehen an der Ampel, und das keine zehn Meter bis zum Mast“, sagt der Mann. Die private Kindertagesstätte Rockzipfel liege nur 30 Meter entfernt, ein Stück weiter ist eine Hebammenpraxis und eine weitere Kita. „Das ist zu nah, damit hätten wir Tag und Nacht eine Dauerbestrahlung“, ergänzt die Anwohnerin. „Wir sind der Strahlung wehrlos ausgeliefert.“ Und eine weitere Befürchtung treibt die Sonnenberger um: „Wenn der Mast einmal steht und es regt sich kein Widerstand, werden wir bald zugepflastert“, sagt ein Mann.

Telekom nennt Standort alternativlos

Die Kritiker wünschen sich einen Alternativstandort für den Sendemast. Sie fragen, ob denn der Häckselplatz an der Epplestraße oder ein hohes Bürogebäude an der Löffelstraße in Degerloch geeignet wäre. Dort gibt es bereits einen Sendemast auf dem Dach. Die Bürger regen an, diesen zu verstärken oder weitere Antennen anzubringen, um die Mobilfunkversorgung Sonnenbergs zu sichern. Auch der bereits bestehende Mast auf dem Generationenzentrum an der Laustraße wäre ihrer Ansicht nach eine Option.

Dem widerspricht die Stadtverwaltung. „Wegen der spezifischen Funkplanung und dem vorgegebenen Versorgungsgebiet für die Mobilfunktechnik LTE ist für diesen Stadtteilbereich kein Alternativstandort möglich. Bestehende Maststandorte sowie der Häckselplatz sind zu weit entfernt“, teilt Pressesprecherin Jasmin Bühler schriftlich mit. Das bestätigt Hubertus Kischkewitz, Pressesprecher der Telekom. „Der jetzt ins Auge gefasste Standort ist aus funktechnischer Sicht alternativlos. Wir haben das gründlichst geprüft. Andere Standorte sind bei der Prüfung durchgefallen.“ Die Sendemasten seien keine „Insellösungen“, sie müssten sich ins bestehende Netz einpassen, damit sie den Kunden Vorteile bringe und keine Mobilfunklöcher entstünden.

Bundesnetzagentur prüft Sicherheitsabstände

Der Mobilfunkmast benötige keine landschaftsschutz- oder waldrechtliche Genehmigung, weil er auf dem Gehweg gebaut werden soll und den dortigen Mast für die Straßenbeleuchtung ersetzt. „Bei genehmigungsfreien Vorhaben sehen die einschlägigen Gesetze keine direkte Anliegerbenachrichtigung vor“, sagt Bühler. Das Vorhaben sei aber im Unterausschuss Mobilfunk des Umwelt- und Technikausschusses sowie im Bezirksbeirat Möhringen in öffentlicher Sitzung vorgestellt worden.

Zum Thema Strahlenbelastung teilt die Stadt folgendes mit: „Wie jede Mobilfunkanlage darf auch diese nur betrieben werden, wenn die immissionsschutzrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden. Dies wird durch die Bundesnetzagentur geprüft, die eine sogenannte Standortbescheinigung erteilt. In dieser Bescheinigung wird bestätigt, dass die erforderlichen Sicherheitsabstände eingehalten sind.“

Sonnenbergverein befürwortet den Diskurs

Bei der Mitgliederversammlung des Sonnenbergvereins ist der geplante Funkturm ebenfalls zur Sprache gekommen. „Das Thema wird kontrovers und emotional diskutiert“, sagt Martin Schleiermacher. Dabei gebe es aber nicht nur Gegenstimmen. „Es gibt auch viele Befürworter, die sich freuen, dass ein neuer Sendemast kommt.“ Schleiermacher hat Verständnis für beide Seiten. „Fragen zur Gesundheitsbelastung kommen immer wieder hoch. Aber man kann auch nicht eine gute Internetverbindung haben wollen, aber keinen Mast“, sagt er.

Der Sonnenbergverein habe sich bewusst dafür entschieden, keine Position zu beziehen. „Wir unterstützen alle Themen, die die Sonnenberger umtreiben. Aber wir sind unpolitisch und unparteiisch“, sagt Martin Schleiermacher. Er befürworte den Diskurs. Aus diesem Grund möchte der Verein außer der Reihe seines üblichen Vortragsprogramms eine Informationsveranstaltung anbieten. „Es soll eine organisierte Diskussionsrunde werden, bei der beide Seiten zu Wort kommen“, sagt der Vorsitzende.

Telekom erteilt Infoveranstaltung eine Abfuhr

Für die Mobilfunkgegner wird ein Vertreter der Diagnose Funk sprechen, ein Vertreter der Befürworter wird noch gesucht. Es liege an den Bürgern, nun einen Ansprechpartner zu finden. „Der Sonnenbergverein bietet die Plattform, die Organisation überlassen wir den Bürgern“, sagt Schleiermacher und betont: „Ohne Befürworter wird es keine Veranstaltung geben.“

Die Telekom erteilt der Infoveranstaltung eine Abfuhr. „Wir haben unsere Standortwahl bei verschiedensten Gelegenheiten bereits ausführlich erklärt. Für uns ist die Entscheidung gefallen. An der geplanten Infoveranstaltung werden wir deshalb nicht teilnehmen. Wir möchten keine falschen Erwartungen wecken“, teilt Kischkewitz mit.

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