Mobilität in der Region Stuttgart Vernetzen statt Gießkanne

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Bisher unterstütze die Region viele Konzepte im Rahmen der Elektromobilität. Jetzt steuert sie um: Zuschüsse sollen künftig dorthin fließen, wo Verkehrsarten vernetzt werden.

Die Region will nicht nur Elektromobilität fördern, sondern auch die Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrsmittel. Foto: dpa
Die Region will nicht nur Elektromobilität fördern, sondern auch die Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrsmittel. Foto: dpa

Stuttgart - Vom Mobilpass des VVS bis zum Carsharing in Renningen, von der Solarstromtankstelle in Stuttgart bis zu Pedelecstationen an vielen Bahnhöfen der Region – die Projekte, die in den vergangenen drei Jahren aus dem Förderpogramm „Modellregion für nachhaltige Mobilität“ bezuschusst wurden, sind vielfältig. Doch jetzt will der Verband Region Stuttgart umsteuern: Nach einem einstimmigen Beschluss des regionalen Wirtschaftsausschusses vom Mittwoch wird die Region ihre Förderung künftig auf – Achtung Expertenjargon – beispielhafte intermodale Mobilitätspunkte konzentrieren.

Damit gemeint sind Standorte, in erster Linie wohl Bahnhöfe, die verschiedene Verkehrsmittel vernetzen: private Autos, Busse, Bahnen, Fahrräder, Pedelecs, aber auch Carsharing, Rufbusse und Sammeltaxis. Zudem sollen dort weitere Dienstleistungen angeboten werden – vom Ticketverkauf über Schließfächer bis Wlan-Zugang und Elektro-Ladestationen.

Für derartige Projekte stehen bis zum Ende des bis 2016 laufenden Programms noch rund 3,5 Millionen Euro zur Verfügung. Aus dem mit ursprünglich 7,5 Millionen Euro gefüllten Fördertopf wurden bisher rund vier Millionen Euro ausbezahlt oder zugesagt. Das Geld floß als Co-Finanzierung in 29 Projekte: sechs sind bereits abgeschlossen, 13 befinden sich in der Umsetzung, und zehn mit einem Volumen von knapp einer Million Euro starten erst in diesem Jahr. „Wir haben damit auf jeden Fall vielfältige Zielgruppen erreicht und rund zehn Millionen Euro Investitionen ausgelöst“, sagte die Regionaldirektorin Nicola Schelling.

Die Wirtschaftsfördergesellschaft setzt eigene Akzente

Das Förderprogramm des Verbands Region (VRS) wird zusammen mit der regionalen Wirtschaftsfördergesellschaft (WRS) umgesetzt. Sie setzt auch eigene Akzente und organisiert Treffen zum Thema nachhaltige Mobilität. Außerdem stellt sie die geförderten Projekte in Broschüren vor, füttert eine Projekt-Homepage und gibt das Magazin „nemo“ heraus, das sich mit neuer Mobilität in der Region Stuttgart beschäftigt. Dafür kann die WRS jährlich 150 000 Euro ausgeben, die jedoch nicht aus dem Fördertopf stammen, sondern aus dem laufenden Etat des Regionalverbands kommen.

Dennoch sieht man bei den Fraktionen nach drei Jahren die Zeit gekommen, die Zielrichtung des Förderprogramms zu ändern. Das wird zum einen damit begründet, dass auch Bund und Land mit Millionensummen die Elektromobilität fördern. Nach Angaben des regionalen Wirtschaftsförderers Walter Rogg flossen dabei bisher rund 100 Millionen Euro in die Region – vor allem aus dem Bundesprogramm „Schaufenster Elektromobilität“. Daraus werden in erster Linie Elektrofahrzeuge in Firmen- und Behördenfuhrparks gefördert, aber auch E-Bike-Stationen und Internet-, Chipkarten- oder App-gestützte Miet- und Bezahlsysteme.

Die Region hofft auf einen Zuschlag vom Land

Die neuen Fördergrundsätze der Region gehen in eine andere Richtung – weg von der Gießkanne, hin zu wenigen Projekten, deren Ziel es ist, die unterschiedlichen Mobilitätskonzepte zu verknüpfen und für die Menschen leichter nutzbar zu machen. „Wir wollen nach außen gut sichtbare Vorzeigeprojekte mit einem einheitlichen regionalen Erscheinungsbild“, sagte Schelling, ohne auf Einzelheiten einzugehen. Der Verband will die Projektanforderungen bis März 2015 konkretisieren – auch mit Blick darauf, dass das Land am Freitag bekanntgibt, welche Regionen in einem Wettbewerb um Landes- und EU-Mittel erfolgreich waren. Bekommt auch die Region Stuttgart den Zuschlag, womit zu rechnen ist, stünden fast neun Millionen Euro bereit, die gezielt in die Vernetzung der Verkehrsträger und eine Mobilitätsplattform investiert werden könnten.

Eine Rolle spielt auch, dass der Verband Region Stuttgart im ÖPNV-Pakt vor einem Jahr die Aufgabe übertragen bekommen hat, für eine optimale Vernetzung des Auto- und des öffentlichen Nahverkehrs zu sorgen – mit dem anspruchsvollen Ziel, bis Mitte des kommenden Jahrzehnts den Anteil von Bussen und Bahnen um 20 Prozent zu steigern. Das Förderprogramm soll nun auch dafür eingesetzt werden, an bestimmten Bahnhöfen beispielhaft zu entwickeln, wie das Umsteigen vom Auto in Busse und Bahnen und die Kombination mit Fahrrädern, Pedelecs, Elektroautos, Carsharing und Mitfahrgelegenheiten organisiert werden kann. Wichtig dabei ist auch, dass diese Angebote – möglichst vom Smartphone aus – einfach gebucht und abgerechnet werden können.

Zustimmung – aber ein roter Faden wird vermisst

Alle Fraktionen unterstützen den neuen Ansatz, betonten aber, dass die Region sich auf wenige Projekte mit einem einheitlichen Erscheinungsbild konzentrieren sollte. „Das muss ein Markenzeichen werden wie das S auf grünem Grund für die S-Bahnen“, sagte der CDU-Regionalrat Rainer Ganske. Grüne und SPD vermissten strategische und konkrete Ansätze in dem Konzept. „Der rote Faden muss erkennbar werden“, forderte Esslingens Oberbürgermeister und SPD-Regionalrat Jürgen Zieger.

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