Motorradlärm in Stuttgart-Büsnau Bürger setzen große Hoffnungen in die Lärmdisplays

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An der Magstadter Straße in Stuttgart-Büsnau sollen im Frühjahr zwei Lärmdisplays aufgestellt werden. Sie sollen insbesondere Motorradfahrer dazu ermuntern, rücksichtsvoller und leiser zu fahren. Und die Displays können noch mehr.

Pünktlich zum Start der Motorradsaison Anfang April sollen die Lärmdisplays an der Magstadter Straße installiert sein. Foto: dpa/Patrick Seeger
Pünktlich zum Start der Motorradsaison Anfang April sollen die Lärmdisplays an der Magstadter Straße installiert sein. Foto: dpa/Patrick Seeger

Büsnau - Für die Bürger ist es ein Teilerfolg. Im Frühjahr sollen zwei Lärmdisplays in der S-Kurve aufgestellt werden. Sie sollen den vorbeifahrenden Verkehrsteilnehmern anzeigen, wenn diese zu laut sind. Angezeigt werden Schlagworte wie „Leiser!“, „Langsamer!“ oder „Danke!“, wenn die Fahrer angemessen fahren. „Mit der Lieferung wird noch im ersten Quartal 2020 gerechnet, sodass die Erstinbetriebnahme mit Beginn der kommenden Motorradsaison zum 1. April 2020 erfolgen kann“, teilt Dorothea Koller, Leiterin des Amts für öffentliche Ordnung, mit.

„Wir begrüßen die Lärmdisplays“, sagt Thomas Bossmann im Namen der Anwohner, die seit Jahren über den zunehmenden Motorradlärm an der ehemaligen Solitude-Rennstrecke klagen. Man bleibe allerdings „vorsichtig skeptisch. Bisher hat die Stadtverwaltung selbst minimalste und wirkungslose Maßnahmen als Erfolg verkauft“, sagt Bossmann. Ein Beispiel sei der aufgeschüttete Erdwall in der S-Kurve, der die Motorradfahrer davon abhalten soll, an dieser Stelle anzuhalten und andere Biker bei ihrer Fahrt auf der Strecke zu filmen. „Nach unseren bisherigen Erfahrungen ist es also noch ein langer Weg, bis in einer Gegend nahe eines Naturschutzgebietes ein wenig Ruhe an den Sommerwochenenden einkehrt“, sagt Bossmann.

Ein pädagogischer Effekt

Die Büsnauer hoffen, dass die Displays nun dazu beitragen, dass die Motorradfahrer rücksichtsvoller fahren. Sollte das der Fall sein, „würden wir uns natürlich wünschen, dass die Displays dauerhaft eingesetzt werden. Ansonsten hätten wir im kommenden Jahr wieder den Status quo.“

Der CDU-Stadtrat Jürgen Sauer hatte sich in der Sache engagiert. Er versichert, dass die beiden Displays die gesamte Saison über in Büsnau stehen werden. Denn andere Schwerpunkte gebe es in Stuttgart nicht. Mit den Anzeigetafeln gehe ein lang gehegter Wunsch der Büsnauer in Erfüllung, sagt Sauer, der sich zumindest einen pädagogischen Effekt von den Displays verspricht.

Ist der Lärm gesundheitsschädlich?

Diese können mehr, als nur Schlagworte anzeigen. Sie „erfassen zu jedem vorbeifahrenden Fahrzeug statistische Daten“, sagt Amtsleiterin Koller. Allerdings: „Weder die Dezibel noch die gefahrene Geschwindigkeit erscheinen im Display.“ So wolle man ein zusätzliches Anspornen der Fahrer verhindern, die sich dann unter Umständen gegenseitig mit ihrer Lautstärke übertrumpfen könnten. Zu den ermittelten statistischen Daten gehören laut Ordnungsamt die Klasse des Fahrzeugs, also ob es sich um ein Auto, ein Motorrad oder einen Lkw handle, die gefahrene Geschwindigkeit und die gemessenen Dezibel. „Die gewonnenen statistischen Daten werden dem Amt für Umweltschutz für Auswertezwecke zur Verfügung gestellt“, sagt Koller.

„Wir erhoffen uns davon, dass nun zunächst einmal eine Motorradsaison lang die Lärmdaten objektiv erfasst werden und nicht mehr per Verkehrszählung am Schreibtisch ermittelt werden. Dies ist schon einmal ein Fortschritt“, sagt Thomas Bossmann. „Zweitens erhoffen wir uns, auch Zugriff auf die ermittelten Lärmdaten zu erhalten, denn wir sind überzeugt, dass die Lärmspitzen eine Gesundheitsgefährdung darstellen.“ Belegen die Daten, dass es im Wohngebiet zu laut ist, könnten sie vielleicht als Grundlage für Lärmschutzmaßnahmen verwendet werden, so der Wunsch der Büsnauer.

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