Sie haben sich geeinigt: „Heute biegen wir auf die Zielgerade ein“, sagte Anja Schubert, die Leiterin des Amts für Immobilien während der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses in Leinfelden-Echterdingen. Das Gremium stimmte mehrheitlich und vorberatend für den Gemeinderat zu, sobald wie möglich zwei Mountainbiketrails – den Rasierbuckeltrail und den Oberen Sahebachtrail – ins Siebenmühlental bauen zu lassen. Ob die damit verbundenen Hoffnungen erfüllt werden, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Fest steht: Der Druck auf den Wald ist groß. Er dient vielen Wildtieren als Heimat und Rückzugsort. Gleichzeitig ist er für Jäger und Forstbewirtschafter eine wichtige Einnahmequelle. In der dicht besiedelten Region Stuttgart suchen viele Menschen in ihrer Freizeit Erholung im Wald – zu Fuß oder auf dem Fahrrad. Mit einem kleinen Teil der Fahrradfahrer gab es in den vergangenen Jahren zunehmend Konflikte. Es wurden neue, teils illegale, Strecken angelegt, auf denen Mountainbiker bergab rasen konnten – zuweilen zum Ärger anderer Waldnutzer. „Wir mussten handeln“, erinnerte Schubert.
Vor rund drei Jahren brachte die Stadt mit Begleitung des Büros Tourkonzept die Akteure im Wald an einen Tisch – Forstbehörde, Waldbesitzer, Jäger, Naturschützer und Mountainbiker. Seitdem hat sich die angespannte Stimmung verbessert. Man redet immerhin miteinander, entwickelt Verständnis für die Bedürfnisse des anderen. Bereits dies sei ein Erfolg, so Schubert. Gleichzeitig wurden einige der illegal angelegten Strecken zurückgebaut.
Die geplanten neuen Strecken werden ausgeschildert. „So viele wie nötig, so wenig wie möglich“, sagte Friederike Gaß vom Büro Tourkonzept zu den Schilderplänen. Wichtig ist den Planern eine gute Aus- und Einleitung auf die Trails. Ebenso wichtig ist der Hinweis an Fußgänger, die Trails nicht zum Spazierengehen zu nutzen. Die Strecken dienen dazu, den Radfahrern hohe Geschwindigkeiten bergab zu ermöglichen. Sollten sich Fußgänger auf die Trails verirren, drohten Zusammenstöße mit schlimmen Folgen. Für den Bau der Strecken soll eine Firma beauftragt werden. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen rechnet mit Kosten von rund 20 000 Euro für rund zwei Kilometer an Trails. Gepflegt werden die Strecken vom Verein Bikesport, in dem sich einige Mountainbiker zusammengeschlossen haben.
Wie geht es weiter? Nach einem Beschluss im Gemeinderat könnte eine Genehmigung für die neuen Trails bei der Forstbehörde beantragt werden. Sie wird auf fünf Jahre erteilt. Nach der Eröffnung der Strecke wird erörtert, wie sich die Bewegungen im Wald verändern. Dafür werden bereits jetzt die Nutzung der illegalen Trails mithilfe elektronischer Zählgeräte erfasst. Später wird ausgewertet, ob die neuen legalen Trails tatsächlich dazu beitragen, den Verkehr auf den illegalen Strecken spürbar zu reduzieren. Die neuen Strecken sollen so naturverträglich wie möglich sein, also nicht durch besondere Schutzgebiete verlaufen.
Die Reduzierung der illegalen Trails war eines der vordergründigen Ziele der neuen Strecken. „Lassen Sie uns versuchen, Ordnung in den Wald zu bringen“, warb Schubert um Zustimmung im Ausschuss. Allerdings gibt es innerhalb des Gremiums Zweifel, ob die Ziele erreicht werden. Die CDU befürchtet, dass die Stadt einen hohen Aufwand betreibt, der letztlich zu keiner Verbesserung führt. Wolfgang Haug (FDP) sorgt sich, dass es zu Konflikten mit Fußgängern auf den Zubringerwegen zu den Trails geben könnte. Schubert warb dafür, den Versuch zu wagen. Vielleicht würden die angebotenen Trails nicht dazu führen, dass es gar keine illegalen Wege mehr im Wald gebe. Es bestehe aber die Hoffnung, den Verkehr auf den illegalen Trails zu verringern. „Wenn wir es nicht machen, ist auch niemandem geholfen.“