Stuttgart - Die einen hatten am Wochenende eine ausschweifende Party am Feuersee, die Anwohner erneut eine schlaflose Nacht, morgens eine Müllkippe vor Augen und den Geruch einer Bedürfnisanstalt in der Nase. Bei einem Austausch zwischen Anwohnern, Ordnungskräften und der Verwaltung am Mittwoch wurden Vorschläge erörtert.
Nur viel Lärm um Nichts?
Im Stuttgarter Westen feierten am Wochenende mehrere 100 Leute, am Max- Eyth-See waren es am gleichen Abend über 1000, am Killesberg rund 1200, verabredet zum Partymachen über Social-Media-Kanäle. „Vor 4 Uhr war keine Ruhe“, sagt Heinz Möller. Der Feuersee-Anwohner betont: „Wir sind nicht prüde, aber wenn die Außengastro am See um 23 Uhr schließt, muss auch am See Schluss sein.“ Ursel Block lebt seit 38 Jahren dort. „Jetzt haben wir uns ein Reisemobil gekauft, damit mein Mann – er ist im Schichtdienst – am Wochenende schlafen kann.“ Andreas Müller hat den Lärmpegel gemessen: „Er lag bei 70 bis 80 Dezibel“, sagt er. Simone Körber fragt sich: „Gibt es keine Strafen wegen Lärmbelästigung für den DJ, der dort Musik gemacht hat?“
Seit der Krawallnacht ist Zurückhaltung angesagt
Die Partyszene habe sich „exponentiell“ entwickelt, sagt Stefan Hartmaier, der Revierleiter von Stuttgart-West. Ganz im Unterschied zu den Möglichkeiten der Ordnungsbehörden: „Unsere Maßnahmen sind beeinflusst von der Krawallnacht. Oberste Prämisse ist es, Eskalationen zu vermeiden. Wenn uns ACAB-Sprechchöre entgegenschallen („All Cops Are Bastards“; Anm. d. Redaktion), gilt das als Meinungsäußerung, die straffrei bleibt.“
Personalmangel bei steigendem Partyaufkommen
Der städtische Vollzugsdienst sei am Wochenende bis 23 Uhr im Dienst, sagt Stefan Prägert vom Ordnungsamt. Es gebe 68 Stellen im Zwei-Schicht-Betrieb. „Abzüglich Urlaub und Krankheit bleiben zehn Leute, die auf die Straße gehen können.“ Anders als bei Jugendlichen gebe es für die Präventionsbeamten keine Adressaten für Gespräche wie sonst zum Beispiel Schulen: „Die Gruppen reisen mit der S-Bahn an oder kommen aus Frankfurt, von der Alb oder vom Bodensee“, sagt der Präventionsbeamte Stefan Geiß, und Axel Kräutle von der Mobilen Jugendarbeit bestätigt: „Uns sind nur fünf Prozent der Feiernden vom Streetwork her bekannt.“ Bei der Stadt ist laut Bezirksvorsteher Bernhard Mellert nun die Zusammenarbeit mit einem Sicherheitsdienst im Gespräch.
OB kündigt mehr Mülleimer an
Auch der Müll ist ein wachsendes Problem. Rechne man die Zahl der Flaschen auf die Zahl der Besucher vom Max-Eyth-See am Wochenende hoch, komme man auf rund 10 000, „davon sind nur sechs Flaschen ganz geblieben“, sagt der Chef der städtischen Abfallwirtschaft, Markus Töpfer. Man sei bereit, noch am Abend die Plätze zu reinigen, „geben Sie uns ein Signal“. Laut Bernhard Mellert soll das am Freitag mit Ordnungsbürgermeister Clemens Maier besprochen werden. OB Frank Nopper ist allerdings schon am Dienstagabend via Facebook vorgeprescht: „Wir werden die Reinigungsfrequenz an den kommenden Wochenenden stark erhöhen, pro Standort vier bis sechs weitere 240-Liter-Abfallbehälter sowie zusätzliche Toilettenanlagen aufstellen und mehr Sicherheitskräfte einsetzen.“
Partyvolk vergrämen wie Eidechsen von Baustellen?
Es steht der Vorschlag im Raum, den Platz unattraktiv zu machen – zum Beispiel ab 23 Uhr zu schließen, ihn mit Halogenlicht auszuleuchten oder den Alkoholnachschub in nächster Nähe zu unterbinden – Gespräche mit den Lebensmittelfilialen würden schon laufen. „Das führt nur zur Verdrängung“, gibt Nachtmanager Nils Runge zu bedenken. Er hält mehr davon, andere attraktive Orte mit kontrollierten Veranstaltungen zu schaffen.
Christoph Dinkel, der Pfarrer der Johanneskirche am Feuersee, hält nichts davon, die jungen Leute zu „vergrämen“, Stefan Prägert interveniert: „Schöne Plätze absichtlich unattraktiv zu machen, ist städtebaulich keine dauerhafte Lösung.“