Ray Dorset von Mungo Jerry sagt von sich, er sei ein„ewiger Hippie“. Sein Song „In the Summertime“ gehört zu den erfolgreichsten Hits aller Zeiten. Jetzt hat er ein Stück für den CSD in Stuttgart geschrieben. Wir trafen den 76-Jährigen im Hotel am Schlossgarten.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)

Der Werbegrafiker Harvey Ball aus Massachusetts gilt als Erfinder des Smileys. Wer bei ihm fürs erste Emoticon als Grinsegesicht Modell stand, hat die Welt bisher nicht erfahren. Im Hotel am Schlossgarten lächelt sich ein Brite so konsequent durch Zeit und Raum, dass der Verdacht naheliegt, er war’s – Ray Dorset, der in einem Song von 2017 eine klare Ansage macht: „I’ll be a Hi Hi Hippie, Hi Hi Hippie, til I die.“

Der Komponist des meistverkauften Gute-Laune-Hits der Musikgeschichte („In the Summertime“ von 1970) bleibt ewiger Hippie bis zum Ende seiner Tage. Nach Stuttgart ist der Mungo-Jerry-Sänger gereist, weil er zum einen seinen deutschen Schwiegervater besucht, der hier lebt, und weil er zum anderen die Benefizaktion für die Ukraine seines Kumpels Hans Derer, eines Musikproduzenten aus Winnenden, unterstützt.

Stimmen die Hippie-Klischees?

In der Schule lautete der Spitzname des Briten „Smiler“. Hippies gelten als naturverbundene Fans von Love and Peace, denen ein schönes Leben so wichtig ist, dass sie dafür gern mit gängigen Moralvorstellungen brechen. Stimmen die Klischees? Wie beschreibt Ray Dorset selbst einen Hippie? „Wait a moment“, sagt der 76-Jährige. Dann sagt er nichts mehr. Er schnappt sich Block und Stift des Journalisten. Erst schreibt er „Hippie“ drauf, macht sodann aus dem ersten i ein a und aus dem ie ein y.

Kürzlich ist Ray Dorset Großvater geworden

„Happy“ ist nun zu lesen. Dies, erklärt er, müsse das Ziel nicht nur von Hippies sein. Glücklichsein und Glücklichmachen – dies sollten alle Menschen zur Lebensaufgabe machen. Sollte es stimmen, dass der Sänger Modell für den Smiley stand, tat er dies, bevor sein Strahlegesicht zugewachsen ist. Die Koteletten breiteten sich aus, die Mähne wuchs wild, die Sonnenbrille übernahm weitere Teile des Gesichts. Mit dunkelschwarzen Haaren wie eh und je präsentiert sich der Smiler im Schlossgartenhotel. Grau ist nix für ihn. Erst mal holt er sein Handy raus, um ein Babyfoto zu zeigen. Der Sänger ist Großvater geworden. Sein Sohn ist Influencer und sorgt dafür, dass der Daddy Altrocker in den sozialen Medien wie ein Junger mitmischt.

Was „Last Christmas“ für den Winter ist, ist „In the Summertime“ für die Hitzezeit. Den Erfolg erklärt der Komponist damit, dass sein Spaßsong immer ein bisschen anders gespielt wird, eben nicht perfekt von einer digitalen Musikmaschine ausgespuckt wird.

Der Hit, den Dorset 1968 in 20 Minuten schrieb, ehe er 1970 die Welt erobert hat, ist bis heute eine Gelddruckmaschine. Aktuell macht der Song Werbung für Coop in der Schweiz und für Mayonnaise in Japan. Außerdem ist er in der Eröffnungssequenz des Slasher-Films „X“ von 2022 zu hören. Daheim schreibt der ewige Hippie Musik mit ähnlichem Groove für die „Don’t drink and drive“-Kampagne der britischen Polizei.

Aus England hat er einen Song für den Stuttgarter CSD mitgebracht

Ray Dorset signiert zwei Gitarren, die im Golfclub Marhördt für die Ukraine-Hilfe versteigert wurden, und erklärt, warum „In the Summertime“ unterbrochen wird für ein Motorradgeräusch. „Eigentlich war nach zweieinhalb Minuten Schluss“, verrät er, „doch der Produzent sagte, wenn der Song über drei Minuten geht, gibt’s mehr Tantiemen vom Radio.“ Im Studio öffnete man die Tür, nahm draußen auf, als ein Bike vorbeifuhr, und der Anfang des Stücks wurde ans Ende gehängt. Ist nicht schwierig, den Briten, der so begeistert spricht, als sei der Song ganz frisch, zu überreden, den „Summertime“-Ewighit in der Hotelbar zu singen. Alle sollten aber den Rhythmus mit dem berühmten Lok-Sound „Tsch, tsch“ vorgeben, bittet er. Machen alle mit! Ist das ein Spaß!

Den neuen Song „I am happy to be how I am“ hat Dorset für den CSD geschrieben. Die Botschaft: Sei stolz, egal wenn du anders bist. Er wird beim Pride Day in Stuttgart gespielt. Der Hippie liebt die Vielfalt – und noch mehr, wenn die Vielfalt happy ist und sich wie Smiley am Leben erfreut. Tsch, tsch!