Murrtalviadukt bei Backnang Ein lauter Knall und der Stahlbogen ist weg

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Die seit Herbst laufenden Abbrucharbeiten sind jetzt beendet, das alte Murrtalviadukt ist Geschichte. Eine filigrane Betonbrücke ersetzt die betagte Eisenkonstruktion. Der Neubau hat rund 16 Millionen Euro gekostet.

Der letzte Stahlbogen des Murrtalviadukts bricht zusammen. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie mit Impressionen von der Sprengung. Foto: Frank Eppler 63 Bilder
Der letzte Stahlbogen des Murrtalviadukts bricht zusammen. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie mit Impressionen von der Sprengung. Foto: Frank Eppler

Backnang - Der Herr Regierungspräsident Johannes Schmalzl spricht am Mittwochnachmittag von „einem historischen Moment“, den die Schaulustigen gleich erleben werden. Viele Bürger, ein paar Bauarbeiter, Landrat Johannes Fuchs und der Backnanger OB Frank Nopper sind zum Stadtrand gekommen, alle blicken gebannt nach oben in Richtung Murrtalviadukt. „Wir sind froh, dass das neue Viadukt steht“, sagt Schmalzl und strahlt mit der Sonne um die Wette. Den Rückbau der alten Brücke bezeichnet er als einen Höhepunkt der Bauarbeiten, die insgesamt rund 16 Millionen Euro gekostet haben. Nach ein paar weitern salbungsvollen Worten geben Schmalzl, Fuchs und Nopper gemeinsam per Funk das Kommando: „Wir brennen.“

Der Verkehr auf der B 14, der längst auf dem neuen Viadukt rollt, wurde für die Dauer des Abbruchs gestoppt. Sicher ist sicher. Dann setzen die Arbeiter ihre speziellen Schweißgeräte in Betrieb und beginnen damit, das Stahlseil zu durchtrennen, das den bereist angesägten, genau 107 Meter weiten und rund 300 Tonnen schweren Bogen der alten Stahlkonstruktion noch zusammenhält.

Beim Aufprall bildet sich eine gewaltige Staubwolke

Nach ziemlich genau einer Minute ertönt ein ohrenbetäubend lauter Knall, und der Bogen bricht in sich zusammen. Beim Aufprall auf dem Boden bildet sich eine gewaltige Staubwolke. Als die Sicht wieder klar ist, wird das abgesperrte Areal unter der neuen, filigranen Betonkonstruktion freigegeben. Einige Besucher dieses nicht alltäglichen Spektakels nehmen die am Boden liegenden Stahlträger jetzt genau unter die Lupe, sie machen ein paar Schnappschüsse.

Das aller erste Murrtalviadukt war ebenfalls eine Konstruktion aus Beton gewesen, gebaut in den Jahren 1936 bis 1938. Dieses imposante Bauwerk war im April 1945 von deutschen Truppen gesprengt worden, sie hatten die alliierten Militärs am Vormarsch hindern wollen. Nopper erinnert daran, dass die Backnanger anschließend ein paar Jahre lang „immer mitten durch die Stadt fahren mussten“. Erst Ende der 1940er-Jahre wurde das Viadukt mit den zwei Bögen aus Stahl gebaut – auf Weisung der amerikanischen Besatzer bewusst etwas schmalbrüstig: Nie mehr sollten deutschen Panzer die neue Brücke befahren können. Das zweite Viadukt, sagt Oberbürgermeister Nopper, „war für gut 60 Jahre ein Provisorium, das längste Provisorium der Republik, länger als die alte Bundeshauptstadt Bonn“.

Der alte Stahl wird verkauft, die Tonne bringt rund 150 Euro

Der erste Stahlbogen war bereits Ende April demontiert und abtransportiert worden. Insgesamt hat der Stahl der Konstruktin 940 Tonnen gewogen. Der alte Stahl, erklärt Schmalzl, werde verkauft. Zurzeit bringe die Tonne rund 150 Euro.

Dann wird der Verkehr oben auf dem 420 Meter langen Murrtalviadukt wieder freigegeben, über das täglich im Durchschnitt etwa 25 000 Fahrzeuge rollen. Und der Leiter der Bauarbeiten, Matthias Kühnel, nimmt immer noch Glückwünsche für die gelungene Arbeit entgegen.




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