Der Tatverdächtige hatte am St.-Charles-Ring den Schlüssel der Familienkutsche gestohlen und wollte dann später mit dem Wagen davonfahren. (Symbolbild) Foto: picture alliance/dpa/Uli Deck
Ein Ehepaar und seine beiden halbwüchsigen Söhne haben auf eigene Faust nach dem Dieb des Autoschlüssels Ausschau gehalten und damit am Ende Erfolg gehabt. Die Ludwigsburger Polizei spricht allerdings von einer gefährlichen Aktion.
Die Aktion einer vierköpfigen Familie im Ludwigsburger St.-Charles-Ring könnte man mutig nennen – oder leichtsinnig. In der Nacht auf den 9. Dezember hätten sie, ihr Mann und ihre beiden Söhne, 15 und 17 Jahre alt, nicht wirklich darüber nachgedacht, dass diese Aktion hätte aus dem Ruder laufen können, sagt die Mutter, die namentlich nicht genannt werden will.
Was war passiert? Am Morgen hatte ein Unbekannter den Zündschlüssel der vor der Haustüre geparkten Familienkutsche gestohlen. Also legten sich die Mutter und ihre zwei Söhne am Abend auf die Lauer: Sie saßen vor dem Bildschirm, der die Aufnahmen der Kamera draußen in die gute Stube überträgt. Dann, so gegen 23 Uhr, wurden die drei Augenzeugen: Der Unbekannte kehrte tatsächlich – wie erwartet – zurück, er öffnete die Türe des Audis und startete den Motor. Flugs wurden der Familienvater geweckt, die Polizei alarmiert und der Wagen umstellt. „Mein Mann hat den Täter dann festgehalten“, berichtet die Frau.
Was hätte da passieren können?
Nach ein paar Minuten seien die Beamten eingetroffen und hätten den Täter festgenommen, bei dem es sich um einen 21-Jährigen gehandelt habe. „Wir haben nicht überlegt, wir wollten den Mann schnappen“, sagt die Dame. So eine Aktion werde die Familie sicherlich nicht wiederholen, die Polizisten hätten nämlich erklärt: „Das war gefährlich.“ Was hätte alles passieren können, wenn der Autoknacker bewaffnet gewesen wäre?
Im St.-Charles-Ring gab es mehrere Fälle von Autoaufbrüchen. Foto: Werner Kuhnle
Bereits ein paar Tage zuvor war nur ein paar Häuser entfernt, ebenfalls am St.-Charles-Ring, ein Mini aufgebrochen worden. Der Täter entwendete rund 30 Euro Bargeld sowie den elektrischen Öffner für eine Garage, in der ein Mercedes steht. Gestohlen wurden aus dieser rund 50 Euro, der Zündschlüssel des Mercedes sowie ein E-Bike, das neu etwa 4000 Euro kostet. Das erzählt die Besitzerin. Nach diesem Einbruch in der Nacht vom 4. auf den 5. Dezember habe sie in einer WhatsApp-Gruppe, in der sich rund drei Dutzend Nachbarn regelmäßig austauschen, von der Straftat erzählt. Daraufhin hätten sich mehrere Leute gemeldet und von ähnlichen Autoaufbrüchen erzählt. Eine Nachbarin zum Beispiel habe von Straftaten in der Jägerhofallee berichtet. Seit dem Einbruch in die Garage habe sie ein mulmiges Gefühl, sagt die Frau aus dem St.-Charles-Ring: „Jeder ist entsetzt“.
Das Polizeipräsidium Ludwigsburg erklärt auf Anfrage etwas knapp: „In enger Abstimmung mit der zuständigen Staatsanwaltschaft Stuttgart können wir zum aktuellen Zeitpunkt lediglich mitteilen, dass ein 21-Jähriger in Haft genommen wurde, der im Verdacht steht, im November ein unverschlossenes Fahrzeug in Ludwigsburg entwendet zu haben und mit diesem unbefugt gefahren zu sein.“ Zudem werde der junge Mann auch verdächtigt, in der Nacht vom 8. auf den 9. Dezember „Gegenstände aus unverschlossenen Fahrzeugen gestohlen zu haben sowie versucht zu haben, ein Fahrzeug zu stehlen.“ Der Beschuldigte sei aber in flagranti von Anwohnern „festgenommen“ worden.
Erst im Frühjahr liegt die Statistik vor
Ob ein Zusammenhang zu weiteren „ähnlich gelagerten Taten besteht, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen“. Weitere Auskünfte könnten mit Blick auf die laufenden Ermittlungen derzeit nicht erteilt werden. Die Polizei sagt auch nichts zu dieser Frage: Handelt es sich wirklich um eine Einbruchserie? Ob in diesem Jahr beziehungsweise in diesem Herbst mehr Autos geknackt worden sind als 2022, das lasse sich erst im Frühjahr 2024 sagen, nach der Veröffentlichung der offiziellen Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik des Innenministeriums Baden-Württemberg.
Die Anwohner, die sich in der WhatsApp-Gruppe austauschen, sind sich jedenfalls einigermaßen sicher: Es handelt sich um eine Serie. „Die Beunruhigung in unserer Nachbarschaft wächst“, sagt eine der Betroffenen, denn die Reihe von Einbrüchen setze sich fort: „Die Bewohner fürchten um die Sicherheit ihres Eigentums und ihrer Familien.“
Die Polizei rät
Zündschlüssel In erster Linie ist es laut Polizei wichtig, beim Verlassen des Autos die Zündschlüssel zu ziehen und alle Fenster und Türen, Kofferraum, Schiebedach wie auch den Tankdeckel abzuschließen. Darüber hinaus gibt es elektronische und mechanische Sicherungen wie zum Beispiel ein Lenkradschloss. Generell gelte: Keine Wertgegenstände sichtbar im Fahrzeug zurücklassen. Wer ein Fahrzeug mit sogenanntem Keyless Komfortsystem besitze, sollte den Schlüssel nie in der Nähe der Haus- oder Wohnungstür ablegen, man könne auch versuchen, das Funksignal durch „geeignete Maßnahmen, etwa Aluminiumhüllen“, abzuschirmen.
Parken Hochwertige Fahrzeuge sollten – wenn möglich – nicht am Straßenrand oder in ungesicherten Carports abgestellt werden, so die Polizei. „Nutzen Sie eine abschließbare Garage oder stellen Sie Ihr Fahrzeug zumindest an gut beleuchteten und belebten Straßen ab. Achten Sie darauf, dass Ihr Fahrzeug das Verriegeln der Türen mit der Funkfernbedienung durch ein optisches Signal quittiert.“ Sogenannte Funkblocker können das Funksignal von Fernbedienungen stören, so dass das Fahrzeug dann nicht verschlossen ist. Und schließlich: „Verstecken Sie Ersatzschlüssel nicht am oder im Fahrzeug.“