Nach Auflösung von Goa-Party Kritik an Polizeieinsatz in Erbstetten

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Ist die Polizei bei der Auflösung einer unangemeldeten Party zu hart vorgegangen? Ein Besucher wirft ihr genau dies vor. Bodycam-Aufnahmen könnten nun bei der Wahrheitsfindung helfen.

Videos aus Bodycams könnten den tatsächlichen Ablauf des Einsatzes zeigen (Symbolbild). Foto: Gottfried Stoppel
Videos aus Bodycams könnten den tatsächlichen Ablauf des Einsatzes zeigen (Symbolbild). Foto: Gottfried Stoppel

Burgstetten - Nachdem die Polizei am Wochenende in Burgstetten-Erbstetten (Rems-Murr-Kreis) eine nicht angemeldete Party aufgelöst hat, wirft einer der Besucher den Beamten vor, bei ihrem Einsatz übertrieben hart vorgegangen zu sein und im Nachhinein Unwahrheiten über die Feier verbreitet zu haben.

Am Samstagabend hatte die Polizei eine Veranstaltung beendet, nachdem sich beim Naturschutzgebiet „Räuberhöhle“ mehr als 100 Menschen bei lauter elektronischer Musik versammelt hatten – ohne Anmeldung. Die Version, die der Besucher (Name der Redaktion bekannt) der sogenannten Goa-Party beschreibt, unterscheidet sich von der Sichtweise der Polizei. Etwa, wenn es um einen 30 Jahre alten Mann geht, der sich geweigert hatte, einem Platzverweis Folge zu leisten. Laut der Polizei hatte er sich dagegen gewehrt, in Gewahrsam genommen zu werden.

Besucher sagt, ein Mann sei mit Tritten am Boden gehalten worden

„Er wollte nur beim Abbau helfen und seinen Anwalt anrufen, um den Polizeieinsatz auf Legalität zu überprüfen“, schreibt der Besucher. Polizisten hätten den Mann nicht nur zu Boden gebracht, sondern ihn auch „mit Tritten am Boden gehalten“ und ihn 20 Minuten mit Handschellen liegen gelassen. Umstehenden, die den Einsatz dokumentieren wollten, seien die Handys weggenommen worden.

Das Festgelände selbst, schreibt der Besucher, liege außerdem nicht wie von der Polizei dargestellt in einem Naturschutzgebiet, sondern lediglich am Rand.

Den Vorwurf der Polizei, das Partygelände völlig vermüllt zurückgelassen zu haben, weist der Mann zurück: Das Aufräumen sei den Gästen und Veranstaltern von der Polizei untersagt worden – „zu erzählen, dass ein unschönes Bild aus Flaschen und anderem Unrat hinterlassen wurde, ist eine bodenlose Frechheit“, echauffiert er sich. Er und andere Besucher hätten den Platz nach dem abrupten Ende der Party dennoch aufgeräumt, „bis er wieder im vorherigen Zustand war“.

Die Polizisten waren mit Bodycams ausgestattet

Er glaubt, dass von Seiten der Polizei „Hass gegen unsere Musikszene“ zum Verlauf des Einsatzes beigetragen haben. „Leider gibt es Leute, die in unserer Szene nicht ohne Drogen die Musik und Atmosphäre genießen können.“ In Burgstetten sei die Party aber harmlos abgelaufen: Sämtliche Helfer „hatten höchstens ein bis zwei Bier intus, der größte Teil war aber nüchtern.“

Mit den Vorwürfen konfrontiert, sagt ein Polizeisprecher, er könne sich kaum vorstellen, dass seine Kollegen tatsächlich einen am Boden liegenden Mann getreten hätten. Die am Samstagabend eingesetzten Beamten waren laut dem Besucher mit Körperkameras ausgestattet. „Für genau solche Situationen sind diese Bodycams angeschafft worden“, sagt der Polizeisprecher. Sollte es zu einer Untersuchung des Einsatzes kommen, sei davon auszugehen, dass die Aufnahmen den tatsächlichen Ablauf zeigten.