Nach Brand an der Uni Hohenheim Ende Februar sollen Gutachten vorliegen

Von Ralf Recklies 

Mindestens 1,1 Millionen Euro: so viel würde eine Instandsetzung der abgebrannten Bibliothek der Uni Hohenheim kosten. Vielleicht wird sie auch abgerissen.

Ob eine Sanierung der Bibliothek sinnvoll ist, steht noch nicht fest. Foto: Rudel
Ob eine Sanierung der Bibliothek sinnvoll ist, steht noch nicht fest. Foto: Rudel

Stuttgart - „Noch steht nicht fest, ob das Gebäude abgerissen werden muss oder ob der entstandene Schaden mit einer Sanierung behoben werden kann“, sagt Florian Klebs, der Pressesprecher der Universität Hohenheim. Bei einem Brand Mitte Dezember war die Bibliothek der Hochschule schwer beschädigt worden. Die Gutachter wollen sich den Bibliotheksbau in den kommenden Wochen ansehen. „Bis Ende Februar sollen dann die Ergebnisse vorliegen“, sagt Klebs. Sicher ist indes schon: selbst bei einer möglichen Sanierung kostet die Instandsetzung mindestens 1,1 Millionen Euro. Und mit welchen Kosten ein möglicher Abriss und Neubau der Bücherei verbunden wäre, vermag Klebs indes nicht zu sagen.

In den vergangenen Wochen ist das Gebäude vom gesamten Brandschutt befreit, getrocknet und abgedichtet worden. „Das Problem ist, dass die Feuerwehr den Brand mit Wasser gelöscht hat und dieses bis in den Keller gelaufen ist“, sagt Florian Klebs. Der Brand selbst hatte sich nur in einem Teilbereich des zweiten Obergeschosses ausgebreitet. Dass sich in der Bibliothek zum Zeitpunkt des Feuers keinerlei Medien befunden haben, wertet der Universitätssprecher als großes Glück. Ironie des Schicksals: wegen einer Brandsanierung des aus dem Jahr 1969 stammenden Gebäudes seien die rund 180 000 Bücher und Fachzeitschriften bereits im Frühjahr 2011 ausgelagert und an verschiedenen Stellen provisorisch untergebracht worden.

1,25 Millionen Euro

Die Sanierung der Zentralbibliothek mit einem Kostenvolumen von rund 1,25 Millionen Euro hätte ursprünglich in den nächsten Tagen abgeschlossen werden sollen. Der Großteil der Arbeiten wie der Bau einer Fluchttreppe und der Ersatz des alten Teppichbodens durch einen nicht brennbaren Bodenbelag waren bei dem Ausbruch des Feuers bereits beendet. Seit Ostern des vergangenen Jahres sind die Bauarbeiter aktiv gewesen, um den Brandschutz dem heutigen Standard anzupassen. Die Wiedereröffnung war für den 23. Januar terminiert. Ob und wann das Gebäude aber nun wieder genutzt werden kann, ist derzeit noch offen. Auch die genaue Brandursache steht laut Klebs noch nicht fest. Die Brandermittler untersuchten im Moment die elektrischen Geräte, die sich im Gebäude befunden hätten und die den Brand möglicherweise durch einen technischen Defekt ausgelöst haben.

Für die Nutzer der Bibliothek hat sich durch das Feuer laut Klebs „gefühlt nichts verändert“. Da es aber an den Ausweichorten kaum Bibliotheksarbeitsplätze gebe , sei die Situation alles andere als befriedigend. Man habe zwar einige neue Arbeitsplätze im Gebäude der Phytomedizin schaffen können, „diese reichen aber bei Weitem nicht aus“. Es bestehe daher dringender Handlungsbedarf. Den hatte auch der Universitätsrektor Hans-Peter Liebig bereits wenige Tage nach dem Brand proklamiert. Durch die provisorische Unterbringung der Medien würden schließlich auch dringend benötigte Räume blockiert, die neu berufenen Professoren als Büros zur Verfügung stehen sollten. Diese wurden eingestellt, um die steigenden Studentenzahlen zu bewältigen, die in der Folge des doppelten Abiturjahrgangs 2012 zu erwarten sind.