Nach Busdepot-Brand in Stuttgart Der Schwarze Peter liegt nun bei Daimler
Nach dem Großbrand im SSB-Busdepot spricht die Polizei von einem Defekt beim Ladevorgang an einem E-Bus – und der ist trotz „Spekulationen“ eindeutig identifiziert.
Nach dem Großbrand im SSB-Busdepot spricht die Polizei von einem Defekt beim Ladevorgang an einem E-Bus – und der ist trotz „Spekulationen“ eindeutig identifiziert.
Stuttgart - Das Versteckspiel hat ein Ende: Brandermittler und Gutachter haben am Donnerstag einen weiteren Blick in die ausgebrannte Abstellhalle des SSB-Busdepots in Gaisburg geworfen – und nun liegt der Fokus auf einem der neuen Elektro-Gelenkbusse der Mercedes-eCitaro-Flotte. Er soll im Bereich der Brandausbruchsstelle gestanden haben. Ein zunächst ebenfalls in Verdacht geratener Volvo-Elektrobus hat nach Aussagen des schwedischen Herstellers nichts mit dem Brandausbruch zu tun.
Nachdem Landesinnenminister Thomas Strobl am Mittwoch im Landtag erklärt hatte, dass der Großbrand mit Millionenschaden am 30. September im Busdepot Gaisburg an einem von zwei Bussen mit Elektroantrieb entstanden sei, legten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag nach.
Zwar habe man die Halle und den verdächtigen Bus noch immer nicht näher unter die Lupe nehmen können, sagt Polizeisprecherin Ilona Bonn, doch: „Brandauslöser könnte der Ladevorgang eines Elektrobusses gewesen sein.“ Die Experten vom Landeskriminalamt und von der Kriminaltechnik der Stuttgarter Polizei haben nämlich die Daten des Brandmeldesystems ausgelesen – und dabei vor allem die Daten der Temperatursensoren. „Dabei hat der Sensor über dem Elektrobus zuerst ausgelöst“, so Bonn.
Die Ermittler gehen von einem technischen Defekt aus. Weitere Untersuchungen zur Ursache seien aber noch notwendig. Allerdings sei die Einsturzgefahr noch nicht beseitigt, sagt Polizeisprecherin Bonn.
Die Spekulationen um den besagten Elektrobus können als erledigt gelten. Ursprünglichen Hinweisen auf einen E-Gelenkbus des Typs Volvo 7900 EA hat der schwedische Hersteller am Donnerstag widersprochen. „Der Bus ist einer hohen Hitzeeinwirkung ausgesetzt gewesen“, sagt Gerd Schneider, Geschäftsführer der Volvo Busse Deutschland, „aber es gibt keine Anzeichen dafür, dass der Bus Feuer gefangen hätte.“
Den größten Schaden habe es an der Front des Fahrzeugs gegeben, so Schneider. Die Hochleistungsakkus befänden sich aber auf dem Dach. Man stehe in engem Kontakt mit dem technischen Team der SSB, sei bisher aber weder von den Behörden noch von der SSB aufgefordert worden, bei der Ursachenforschung Unterstützung zu leisten, sagt Schneider: „Dem würden wir natürlich nachkommen, sofern es gefordert wäre.“
Derweil glühen bei der Daimler Truck AG die Drähte. Der vollelektrische eCitaro-Gelenkbus in der SSB-Flotte steht nicht zum ersten Mal im Fokus. Im Frühjahr 2021 waren 30 Busse aus Wiesbaden und Stuttgart zurückgerufen worden, weil es Probleme bei den Feststoffhochvoltakkus gegeben hatte.
Eine Sprecherin von Mercedes-Benz Buses erklärt zu den neuesten Erkenntnissen, „dass wir uns nicht an Spekulationen beteiligen“. Man könne nur bestätigen, dass ein eCitaro vom Brand zerstört wurde. Zudem bestätigt sie, dass beim Busdepot-Brand am 5. Juni in Hannover ebenfalls der Typ eCitaro betroffen gewesen sei. In Düsseldorf, wo es am 1. April brannte, gebe es keine Mercedes-Busse im Fuhrpark.