Nach der Absage des Ironman Hawaii Die Herausforderungen für Triathlet Sebastian Kienle

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Triathlon-Profi Sebastian Kienle steht während der Corona-Krise vor ganz besonderen Aufgaben – sei es nun beim Training, der momentanen Wettkampfsituation oder bei den erforderlichen Hygienevorgaben.

Sebastian Kienle beim Ironman Hawaii im vergangenen Jahr auf dem Rad – damals lief der Mann aus Mühlacker nach dem Marathon als Dritter ins Ziel. Foto: dpa/David Pintens
Sebastian Kienle beim Ironman Hawaii im vergangenen Jahr auf dem Rad – damals lief der Mann aus Mühlacker nach dem Marathon als Dritter ins Ziel. Foto: dpa/David Pintens

Mühlacker - Im Juni war Sebastian Kienle beim Radtraining auf Rollsplit in der Schweiz gestürzt und hatte sich das Schlüsselbein gebrochen. Berufsrisiko. Keine drei Stunden später lag der Triathlet auf dem OP-Tisch, die Chirurgen versorgten die Fraktur bestens, sodass der 36-Jährige wenig später in den Social Media witzelte: „Immer noch keine Rennen in Sicht? Ein perfekter Zeitpunkt, sich das Schlüsselbein zu brechen.“ Wenn man Verletzungen planen könnte, hätte es der Mann aus Mühlacker kaum besser treffen können – denn der nächste Saisonhöhepunkt der Ausdauer-Dreikämpfer wäre der legendäre Ironman auf Hawaii gewesen, der wegen Corona vom Oktober 2020 auf Februar 2021 verlegt worden war. Dieser Termin hat sich nun auch wie Schall und Rauch aufgelöst. Abgesagt, endgültig.

„Ich hatte gehofft, dass der Wettkampf im Februar stattfindet“, sagt Kienle, „mein Trainingsplan war darauf ausgerichtet. Aber in der Szene wurde schon gemunkelt, dass die Absage kommt. Immerhin kommt sie ziemlich früh.“ Eigentlich ist der Ironman-Veranstalter World Triathlon Corporation (WTC) dafür bekannt, die Reißleine erst ganz kurz über dem Boden zu ziehen, nun hat die Gemeinde der eisernen Frauen und Männer Gewissheit, dass es keinen Champion 2020 geben wird und kann sich in der Planung ganz auf den 9. Oktober 2021 konzentrieren. „Schade“, sagt Sebastian Kienle, „ich hatte gehofft, ich würde nächstes Jahr zwei Chancen auf den Titel bekommen.“

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Der 36-Jährige ist seit Mittwoch im Trainingslager in Livigno in Italien, wo er regelmäßig Station macht. Das Schwimmtraining kann er wegen der nicht ganz ausgeheilten Fraktur noch nicht so energisch angehen wie er das möchte; ausgerechnet, denn Schwimmern ist seine schwächste Disziplin beim Wettkampf im Wasser (3,8 km), auf dem Rad (180 km) und über die Marathondistanz (42,2 km). Seine Devise: Immer positiv nach vorn blicken. „Ich trainiere ja nicht ausschließlich auf einen Wettkampf hin“, betont er, „ich trainiere, um mich stetig zu verbessern – und das kann ich nach wie vor tun.“ Triathlon ist eine intensive Sportart, Ironman-Athlet zu sein ein aufopferungsvoller Beruf – beides zusammen ist eine Lebenseinstellung. Diese Maxime in Corona-Zeiten auszufüllen, ist nicht immer ganz einfach. Gerade wenn man ein Typ wie Sebastian Kienle ist, der schon für herkömmliche Erkältungen anfällig ist. Der schon recht früh mit Maske und mit Handschuhen durch die Öffentlichkeit streifte, als die Menschen ihn dabei noch anschauten als sähe er aus wie E.T. oder er käme vom Planeten Marduk – beim Trainingslager in der Schweiz etwa setzte der Triathlet Hygienevorgaben, die vor Ort noch nicht nahegelegt wurden. „Ich nehme Corona sehr ernst“, erläutert der Ironman-Weltmeister von 2014, „es spielt dabei keine Rolle, dass ich noch relativ jung und ziemlich fit bin – man hört ja von Spätfolgen wie Lungenschäden, selbst wenn eine Erkrankung harmlos verlaufen ist oder man sie nicht einmal bemerkt hat.“

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Nun ist der 36-Jährige kein geselliger Partylöwe, Eisenmänner sind sport-genetisch zum Einzelgänger geschaffen, weshalb das social Distancing, das Vermeiden von Sozialkontakten, so einfach erscheint ist wie das Binden der Laufschuhe. Doch Kienle reist von einem Trainingslager ins nächste, gelegentlich schaut er daheim in Mühlacker nach dem Rechten – ganz abkapseln ist unmöglich. Kienle duldet aber nur ein paar Menschen dauerhaft um sich wie Trainingspartner, Arzt, Physiotherapeut, sodass sich eine Blase aus vier bis fünf Personen gebildet hat. „Die Leute sind alle entsprechend sensibilisiert“, erzählt er, „wir minimieren das Risiko eben so gut es geht.“ Man trägt meist Maske; das mag mitunter ziemlich mühsam sein, ist aber letztlich im Sinne aller. Erfreut hat der Mann aus Mühlacker registriert, dass die Vorgaben in Livigno deutlich strenger sind als die in der Schweiz. Das vermittelt ihm noch mehr Sicherheit.

Denn all die Übungseinheiten im Wasser, auf dem Rad und beim Laufen stehen im Bestreben, den Körper zu stählen für den nächsten Wettkampf, am 29. August will Sebastian Kienle bei der Challenge Davos antreten. Und dann wartet der Ironman Hawaii am 9. Oktober 2021 auf ihn. Hoffentlich.

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