Nach Militär-Putsch in der Türkei Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für 47 Verdächtige

Nach dem Putsch-Versuch stehen fast 50 Angeklagte vor Gericht im türkischen Mugla. Foto: DHA-Depo Photos/AP
Nach dem Putsch-Versuch stehen fast 50 Angeklagte vor Gericht im türkischen Mugla. Foto: DHA-Depo Photos/AP

Fast 50 Verdächtige stehen in der Türkei vor Gericht, die laut der Anklage während des versuchten Militärputsches im Juli Präsident Recep Tayyip Erdogan ermorden wollten.

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Mugla - In der Türkei hat der Prozess gegen fast 50 Verdächtige begonnen, die laut der Anklage während des versuchten Militärputsches im Juli Präsident Recep Tayyip Erdogan ermorden wollten. In der südlichen Stadt Mugla erschienen am Montag 44 Verdächtige vor Gericht, während drei weiteren Angeklagten in Abwesenheit der Prozess gemacht wurde.

Die Beschuldigten wurden unter den Pfiffen und Schmährufen der Zuschauer von Sicherheitskräften ins Gericht geführt. Unter den Angeklagten sind 38 Soldaten, die zu einem Mordkommando gehört haben sollen. Laut der Anklage wollten sie Erdogan in einem Hotel in der Küstenstadt Marmaris ermorden, wo er in der Nacht des 15. Juli mit seiner Familie im Urlaub war. Nach der Darstellung von Erdogan entkam er nur knapp dem Tod. Zwei Polizisten am Hotel wurden getötet. Die Staatsanwaltschaft hat mehrfach lebenslang für die Angeklagten gefordert. In der Türkei wird die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich gemacht.

Kritiker befürchten, dass Verdächtige kein rechtsstaatliches Verfahren erhalten

Laut der Regierung hat die Bewegung, die lange ein enger Verbündeter der regierenden AK-Partei war, über Jahre systematisch Militär, Polizei, Justiz und Verwaltung unterwandert. Gülen, der seit Jahren in den USA im Exil lebt, bestreitet aber jede Verwicklung und hat den Umsturzversuch scharf verurteilt. Seit dem Putschversuch wurden 43.000 Menschen inhaftiert und mehr als 120.000 aus dem Staatsdienst entlassen. In den vergangenen Wochen eröffnete die Justiz mehrere Verfahren gegen mutmaßliche Putschisten, doch warten die meisten Verdächtigen noch auf ihren Prozess.

Kritiker werfen der Regierung Willkür vor und befürchten, dass die Verdächtigen kein rechtsstaatliches Verfahren erhalten. Erdogan war es in der Nacht des 15. Juli gelungen, zusammen mit engen Familienmitgliedern wie seinem Schwiegersohn, Energieminister Berat Albayrak, ein Flugzeug nach Istanbul zu besteigen. Nach eigenen Angaben wäre er 15 Minuten später in Marmaris getötet oder festgenommen worden. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurde das Hotel aber erst fast fünf Stunden nach der Abreise Erdogans angegriffen. Viele Fragen zu den genauen Abläufen in der Nacht des versuchten Staatsstreiches sind weiter offen. Die Opposition beklagt, dass ein Untersuchungsausschuss im Parlament zu dem Putschversuch beendet wurde, ohne die wichtigsten Zeugen zu befragen.




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