Nach trockenem Sommer Stuttgarts Eichhörnchen droht der Hungertod

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Sie legen fleißig Vorräte für den Winter an, ohne zu wissen, dass sie dann teilweise leere Hülsen vorfinden werden. Im vergangenen Jahr bekamen Eichhörnchen die Folgen der Hitze zu spüren, ihnen drohte der Hungertod. Dieses Jahr ist es noch schlimmer.

Der trockene Sommer könnte den Eichhörnchen erhebliche Probleme bereiten. Foto: dpa/Thomas Warnack
Der trockene Sommer könnte den Eichhörnchen erhebliche Probleme bereiten. Foto: dpa/Thomas Warnack

Stuttgart - Im Herbst sammeln Eichhörnchen fleißig Nahrungsvorräte, um bei Engpässen im Winter auf die Verstecke zurückgreifen zu können. Im vergangenen Jahr hatten die Tiere aufgrund des trockenen Sommers große Probleme Nahrung zu finden, ihnen drohte der Hungertod. In diesem Jahr sei es sogar noch schlimmer, wie Jeannine Maurer von der Eichhörnchenhilfe Stuttgart betont. Der Sommer sei erneut zu trocken gewesen, dies habe dazu geführt, dass die Nüsse zu früh vom Baum abgefallen wären. In der Folge seien sie feucht geworden, was zu Schimmel geführt habe.

Maurer empfiehlt, die Eichhörnchen auf jeden Fall zuzufüttern. Das Nahrungsangebot spiele für die Population im kommenden Jahr eine wichtige Rolle. „Am besten eignen sich Walnüsse, Haselnüsse und Sonnenblumenkerne“, sagt Maurer. Da Jungtiere die Schalen teilweise nur schwer öffnen könnten, wäre es hilfreich Nüsse mit und ohne Schale auszulegen. Gekaufte Mischungen seien weniger zu empfehlen. Die Nahrung solle am besten an einer erhöhten Stelle, zum Beispiel in einem umfunktionierten Vogelhäuschen, ausgelegt werden, die trocken bleibt. Auch eine eisfreie Wasserstelle, die zusätzlich zum Futter angeboten wird, sei laut Jeannine Maurer wichtig für die Tiere.

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Futterstelle muss regelmäßig kontrolliert werden

Regelmäßige Kontrollen der Futterstelle seien wichtig, um zu gewährleisten, dass die Stelle trocken und sauber bleibt und die Nahrung noch in Ordnung ist. Dies betont auch Stefan Bosch vom Naturschutzbund (NABU) Baden-Württemberg. Futterstellen würden immer zu einer Ansammlung von mehreren Tieren beitragen, was dazu führen würde, dass Krankheiten an diesen Stellen leichter übertragen werden könnten.

Bei den Auswirkungen der Zufütterung vertritt Bosch jedoch einen anderen Standpunkt, als Jeannine Maurer von der Eichhörnchenhilfe Stuttgart: „Untersuchungen aus England haben gezeigt, dass auch massive Zufütterung keine Vorteile für die Tiere bezüglich Fortpflanzung und Bestandserhaltung bringt.“

Er sieht die Lage für die Eichhörnchen weniger dramatisch. „Vorratshaltung spielt bei unseren Eichhörnchen eine untergeordnete Rolle“, sagt Bosch. Die Tiere würden sich in erster Linie von Baumsamen von Fichte und Kiefer ernähren, diese seien täglich neu zu ernten. Dem widerspricht Maurer: „Die Eichhörnchen greifen natürlich auf die Vorräte zurück, im Winter ist nicht mehr viel da.“ Aber auch Stefan Bosch vom NABU findet, dass man den Tieren Futter anbieten kann. Hier nennt er neben Nüssen, im Gegensatz zu Jeannine Maurer, auch Futtermischungen aus dem Fachhandel. Spezielle Futterautomaten mit einer Klappe, die die Eichhörnchen öffnen können, wären geeignet.

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